
„Die SchUM-Stätten zeugen von den fruchtbaren regionalen wie weltweiten Verbindungen zwischen der jüdischen und der christlichen Welt und von einem künstlerischen Austausch. So finden sich z. B. in der Speyerer Mikwe und der Wormser Synagoge Steinmetzarbeiten von den jeweiligen Dombauhütten vor Ort. Mit dem Projekt SchUM-Artists in Residence wollen wir die Beziehungen zwischen den Kulturen erfahrbar machen und eine lebendige Verbindung dieser großen Vergangenheit und zu den Kunstschaffenden der heutigen Zeit herstellen“, so Birgit Kita, SchUM-Städte e. V.
In Speyer wird der aus Israel stammende Video- und Augmented-Reality-Künstler bereits freudig erwartet. Roy Efrat promoviert derzeit im Fach Medien- und Kulturwissenschaften an der Freien Universität Berlin. In seiner Kunst verbindet er Malerei, Performance und digitale Medien, um Sichtbarkeit, Ritual und Transformation zu erforschen. Dabei setzte er sich in der Vergangenheit bereits mit kulturellem Erbe und queeren Perspektiven auseinander. Immersion: The Waters of Speyer ist ein ortsspezifisches Projekt im Dialog mit der mittelalterlichen Mikwe im Speyerer Judenhof. Durch Malerei, Klang und eine Augmented-Reality-Ebene möchte er die Mikwe als lebendige Umgebung aktivieren. Mit Bildern, Bewegung und Text entsteht so eine besondere Erfahrung von Ritual, Vergangenheit und Gegenwart. Prof. Dr. Regina Rose Stephan, Sprecherin der Jury, betont: „Roy Efrat hat uns durch die präzise Verknüpfung eines konkreten historischen Schauplatzes mit zeitgenössischen Formen des digitalen Raums überzeugt. Seine Arbeit öffnet einen Dialog zwischen der mittelalterlichen Mikwe in Speyer und heutigen Ritualpraktiken – ein sensibler Transfer, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschränkt“.

Die SchUM-Stadt Worms ist auf das künstlerische Projekt der in Israel geborenen und erfahrenen Künstlerin Atalya Laufer gespannt. Nach ihrem Studium in New York und London hat auch sie Berlin zu ihrer neuen Heimat auserkoren. Mit Frauen in und aus der Nische – und ringsherum wird sie die weibliche Präsenz und oftmals fehlenden Stimmen der Frauen in der Geschichte der SchUM-Gemeinden untersuchen. Ausgangspunkt für ihr Projektvorhaben ist die Nische in der Frauenschul in Worms und die damit verbundene Raschi-Legende – die Nische als symbolischer Ort von Schutz, Übergang und Weitergabe. In zeichnerischen und collagierenden Arbeiten werden architektonische Spuren, historische Fragmente und spekulative Imagination miteinander verknüpft, um Geschichte aus weiblicher Perspektive in SchUM erfahrbar zu machen. „Atalya Laufer wiederum überzeugt durch ihre klare, ortsgebundene Perspektive,
die die Rolle und Bedeutung von Jüdinnen sichtbar macht. Durch das Aufgreifen der lokalen Wormser Raschi-Legende und die fokussierte Herangehensweise verspricht das Projekt ein komplexes, vielschichtiges Ergebnis. Besonders hervorzuheben ist der bewusste Perspektivwechsel, der traditionelle Geschichtserzählung erweitert und neu befragt“ erklärt Prof. Dr. Stephan.

Der Berliner Künstler Raphaël Fischer-Dieskau arbeitet an der Schnittstelle von Performance, Klang, Skulptur und Art-Science: Seine Kunstinstallationen verweben religiöse Ikonografien, ökologische Narrative und technologische Systeme, um kollektive Entfremdung und neue Formen von Aufmerksamkeit erfahrbar zu machen. Mit dem Einsatz von Transportkisten, als Sinnbild der Diaspora und des Bewahrens von Erinnerung, möchte er einen Ort des Zuhörens, der Vergangenheit und Gegenwart im Klang erschaffen: Liturgische Gesänge, Gebete und Kantor-Traditionen, die einst in SchUM alltäglich waren, bevor Pogrome und Vertreibung sie zum Verstummen brachten. Die geplante Installation reagiert dabei interaktiv auf die Besuchenden und verändert somit die Klangstruktur in Echtzeit, der Raum wird zum Dialogpartner. „Raphaël Fischer-Dieskaus Ansatz besticht durch seine künstlerische Haltung zur jüdischen Geschichte in Mainz: Sie wird nicht rekonstruiert, sondern hörbar gemacht. Die Klanginstallation reagiert unmittelbar auf die Besuchenden und macht sie zu einem aktiven Teil des Werkes. Die polyvalente Metaphorik entfaltet dabei eine symbolische Dichte, die in ihrer Komposition ebenso poetisch wie intellektuell fordernd ist“, so die Sprecherin der Jury, und resümiert abschließend: „Gemeinsam repräsentieren diese drei Positionen einen vielfältigen, innovativen
und verantwortungsvollen Umgang mit dem jüdischen Erbe und der jüdischen Geschichte der SchUM-Gemeinden, den historischen Orten und der Erinnerung. Durch ihre Arbeiten erschließen sie sie für unsere Gegenwart“.
Medieninformation des SchUM-Städte e. V. vom 26. Februar 2026


