Teil 3: Wenn Hitze zur Belastungsprobe wird – wie gut ist Speyer vorbereitet?


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Beispiel einer thermografischen Auswertung: Der Straßenraum im oberen Bereich und insbesondere im linken Bildbereich zwischen den Gebäuden hebt sich auch in den Nachtstunden deutlich von seiner Umgebung ab und strahlt gespeicherte Wärme ab.


Wenn Sie eine Maßnahme nennen müssten, die Sie beim Hitzeschutz als Erstes voranbringen wollen: Was wäre das?

Wir sind als Brand- und Katastrophenschutz die Gefahrenabwehr und müssen eine Strategie aufstellen: Was ist wo als Erstes zu tun? In unserem Alarm- und Einsatzplan Hitze ist das festgehalten.

Was bauliche Maßnahmen angeht, muss der Fachbereich 5 liefern. Ich bin natürlich im Austausch mit Fachbereich 5.

In die privaten Haushalte können wir als Stadt nicht reingehen. Da können wir nur versuchen, durch Appelle, Aufrufe und Öffentlichkeitsarbeit auf die Leute einzuwirken.

Was wir aber gesehen haben, war zum Beispiel: Genauso vulnerabel wie Senioren sind auch Kinder. Kinder können ganz schlecht mit Temperaturschwankungen umgehen. Mehrere unserer Kitas sind in den Notbetrieb gegangen.

Das belastet die Familien. Wenn plötzlich außerhalb der Ferienzeit gesagt wird: Nächste Woche hat die Kita zu, weil wir hier 36 bis 40 Grad haben, dann ist das für die Familien eine riesige Belastung und es hilft den Kindern auch nicht weiter.

Das ist eine vulnerable Gruppe in Gebäuden, die uns gehören und wo wir etwas bewegen können.

Was wäre hier eine konkrete erste Maßnahme?

Eine Maßnahme, die wirklich vorrangig ist, wäre: Wir machen jetzt noch dieses Jahr Begehungen durch alle städtischen Kindertagesstätten und schauen: Was können wir nächstes Jahr bewirken? Was können wir in fünf Jahren bewirken? Was können wir in zehn Jahren bewirken?

Was lässt sich bei solchen Begehungen konkret herausfinden?

Ein sehr schönes Beispiel ist natürliche Beschattung durch Bäume.

Wir können leider keinen 40 Jahre alten Baum pflanzen. Das ist schwierig. Da reicht es auch nicht, wenn nur der Fachbereich 5 oder nur das Gebäudemanagement durchläuft. Da muss zum Beispiel auch jemand von Stadtgrün und aus der Baumpflege mit dabei sein.

Ein Baumpfleger kann sagen: Hier in dieser Kita, so wie sich der Hof gestaltet und wie der Lichteinfall ist, können wir diese Baumart pflanzen, die wäre das Optimum. Aber ist der Baum dann schon so groß, dass er uns etwas bringt? Vielleicht vergehen 15 Jahre.

Dann braucht man eine Interimslösung, die uns hilft, bis der Baum groß genug ist. Wir brauchen hier noch Sonnensegel. Auf die hätte man vielleicht verzichten können, auch monetär, geht aber nicht, weil der natürliche Effekt erst in so vielen Jahren da ist.

Auch das Sonnensegel hilft bei der Beschattung draußen und wird die Räume perspektivisch zwei, drei Grad herunterkühlen, weil die Sonne nicht mehr direkt auf die Scheiben trifft.

Und was bedeutet das für die Innenräume und für die Beschäftigten?

Auch aus Sicht des Arbeitsschutzes müssen wir diese Fragen mitdenken. Wenn man Kitas betrachtet, geht es ja nicht nur um die Kinder, sondern auch um unsere Kolleginnen und Kollegen, die den ganzen Tag dort sind.

Wir brauchen dort auch eine Klimatisierungslösung, vielleicht keine Vollausstattung mit Klimaanlagen, weil man die in zehn Jahren vielleicht nicht mehr braucht. Aber dann brauchen wir hier irgendwas. Kann man das mit mobilen Geräten hinbekommen?

Wir haben es mit mobilen Geräten aufgrund zum Beispiel von Filterkapazitäten nicht hinbekommen. In der Kita hat auch immer irgendjemand ein bisschen Schnupfen oder Husten. Wenn man dort klimatisiert, braucht man eine gescheite Anlage mit einem entsprechenden Filter, damit Bakterien, Husten und Schnupfen nicht ständig umgewälzt werden.

Das heißt: Es geht nicht um eine einzelne Maßnahme, sondern um einen langfristigen Maßnahmenplan?

Genau. Aus so einer Begehung, die aus einer interdisziplinären Expertengruppe bestehen muss, bekommen wir Maßnahmen, die man schon im nächsten Jahr umsetzen oder beginnen kann – zum Beispiel mit einer Baumpflanzung.

Aber wir wissen: Bis das greift, brauchen wir in fünf Jahren weitere Maßnahmen. Und in zehn Jahren kommen wir in den Bereich, wo man sagen kann, dass das gesamte Maßnahmenpaket seine Wirkung entfaltet.

Sie haben die Begehungen angesprochen. Sind die bereits gestartet?

Die Begehungen haben höchste Priorität und laufen jetzt an.

Die Maßnahmen haben also unterschiedliche Zeithorizonte. Aber sie kosten auch Geld. Was bedeutet das für die Stadt?

Wenn wir hier Gelder in die Hand nehmen wollen, um klimaresistent zu werden, dann werden das Gelder sein, die woanders wieder fehlen.

Wir werden nicht einen Euro mehr an Steuereinnahmen oder sonstige Zuwendungen haben. Wenn wir hier Gelder investieren wollen, werden diese Gelder also an anderer Stelle fehlen – zum Beispiel im kulturellen Bereich oder bei Bauprojekten.

Da müssen Prioritäten gesetzt werden. Ich glaube, unsere Oberbürgermeisterin ist klar, wo die Prioritäten zu setzen sind. Sie entscheidet aber nicht alleine über den städtischen Haushalt. Das müssen alle verstehen und mittragen.

Welche Rolle spielt dabei die Bevölkerung? Was kann die Stadt selbst nicht leisten?

In die privaten Haushalte können wir als Stadt nicht reingehen. Da können wir nur versuchen, durch Appelle, Aufrufe und Öffentlichkeitsarbeit auf die Leute einzuwirken.

Ein wichtiger Parameter ist für uns, wenn der DWD anfängt, in die Hitzewarnstufen reinzugehen. Das macht er wirklich verlässlich. Bisher haben wir das aber alle irgendwo im Grundrauschen zur Kenntnis genommen, ohne etwas damit anzufangen.

Wenn wir es schaffen, dass der DWD sagt: Jetzt geht's los, jetzt ist wirklich der Peak der ersten Welle zu erwarten – und wir in dem Moment an die Bevölkerung herankommen und ihnen sagen: Jetzt bereitet euch vor, bitte viel trinken, in der heißen Tageszeit möglichst nicht rausgehen, Sonnenschutz beachten –, dann kann es uns gelingen, das Gesundheitssystem gar nicht erst in diese Zwangssituation zu bringen, sondern es präventiv zu entlasten.

Das muss eigentlich unser Ziel für die kommenden Jahre sein.

Die Erfahrungen der vergangenen Hitzewelle haben gezeigt, dass Hitzeschutz in Speyer nicht bei der Gefahrenabwehr beginnt und endet. Neben der Vorbereitung auf mögliche Notlagen geht es vor allem darum, die Stadt und ihre Einrichtungen langfristig an zunehmende Hitze anzupassen – und gleichzeitig die Bevölkerung frühzeitig zu sensibilisieren.

Mit dem Runden Tisch, den geplanten Begehungen der städtischen Kindertagesstätten und der Weiterentwicklung des Alarm- und Einsatzplans sind erste Schritte angestoßen. Welche Maßnahmen daraus konkret entstehen und wie sich der Hitzeschutz in Speyer weiterentwickelt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.


Medieninformation der Stadt Speyer vom 24. September 2026