
Im zweiten Teil steht die Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung im Mittelpunkt. Es geht darum, was passiert, wenn die gesundheitliche Versorgung an ihre Grenzen kommt, welche Strukturen dann greifen müssen und wie sich Speyer organisatorisch auf künftige Hitzeperioden vorbereitet.
Sie haben vor Kurzem einen Runden Tisch zum Thema Hitzeschutz und Hitzeprävention ins Leben gerufen. Was war der konkrete Anlass dafür?

Im Gespräch mit den Krankenhäusern wurde deutlich: Die Krankenhausversorgung war wirklich auf den letzten Schnapper noch gewährleistet. Es hätte nichts mehr dazukommen können. Das hat uns alarmiert und deswegen haben wir den Runden Tisch einberufen.
Die Frage ist besonders, wie darauf zu reagieren wäre, wenn das Gesundheitssystem diesem großen Anfall von hitzegeschädigten Menschen nicht mehr gerecht werden könnte. Die würden dann nämlich auf uns zukommen und dann wäre es ein Brand- und Katastrophenschutzeinsatz.
Wie könnte eine solche Situation konkret aussehen?
In anderen Städten wurden Behelfskrankenstationen in klimatisierten Räumen aufgebaut, um das aufzufangen, was die Ärzteschaft dort sagt: Das sind keine Notfälle, die müssen sich einfach nur ausruhen, entspannen können und müssen mal in einen kühlen Raum.
Das hätten wir dann darstellen müssen, während Notfallpatienten weiter in den Notaufnahmen versorgt worden wären.
Was braucht es, um auf ein solches Szenario vorbereitet zu sein – und wer muss dafür an einem Tisch sitzen?
Unsere beiden Krankenhäuser mussten mit an den Tisch. Die mussten uns erst einmal die Situation aus ihrer Sicht schildern.
Wenn es zu so einem Einsatz gekommen wäre, läuft es bei uns im Katastrophenschutz über die Schnelleinsatzgruppen und die sogenannte Abschnittsleitung Gesundheit. Dazu gehören unter anderem der Leitende Notarzt und der Organisatorische Leiter Katastrophenschutz. Die haben wir mit eingeladen, damit sie schon einmal mitbekommen: In Speyer war es knapp. Wenn so etwas gekommen wäre, wären wir mit im Boot gewesen.
Damit ist aber noch nicht geklärt, wo diese Menschen untergebracht und betreut werden könnten. Wie haben Sie diese Frage in der Stadtverwaltung weitergedacht? Welche Bereiche der Stadtverwaltung sind dabei besonders wichtig?
Wenn städtischer Raum gebraucht worden wäre, um eine Behelfskrankenstation aufzubauen, müssen wir natürlich das Gebäudemanagement dabeihaben. Die verwalten unsere städtischen Räumlichkeiten. Die klare Anforderung war, dass der Raum klimatisiert sein müsste. Aktuell könnten wir auf keinen entsprechenden Raum zurückgreifen. Deshalb war es wichtig, das Gebäudemanagement zu sensibilisieren, damit es sich auch für den kommenden Haushalt darauf vorbereitet.
Wir brauchen einen Raum, der sich für so einen Zweck eignet. Das könnte zum Beispiel der Kleine Saal in der Stadthalle sein.
Auch der Bereich Klimaschutz und die Stadtentwicklung müssen mit am Tisch sitzen. Das sind diejenigen, die schauen müssen, dass die Rahmenbedingungen stimmen. Hitzeschutz ist eben eine Aufgabe, die verschiedene Bereiche der Verwaltung betrifft.
Der Kleine Saal der Stadthalle könnte also als Behelfskrankenstation genutzt werden?
Ja, der Kleine Saal wäre prädestiniert, um in so einem Fall genutzt zu werden – mit allen Einschränkungen, die es dann wieder für parallel geplante oder durchzuführende Veranstaltungen geben kann.
Und wer würde die Menschen dort betreuen?
So eine Behelfskrankenstation aufzubauen, das kann nur der Katastrophenschutz. Auch den Erstbetrieb und vielleicht einen Sanitätsdienst kann nur der Katastrophenschutz übernehmen. Das verlangen wir auch von niemand anderem.
Aber es ging ja explizit auch um Menschen, die keine Notfallpatienten sind, also die ein bisschen betreut werden müssen, mit denen Gespräche geführt werden müssen. Das ist eine soziale Aufgabe.
Und eine soziale, planbare Aufgabe ist keine Gefahrenabwehr. Also muss der zuständige Fachbereich sich Gedanken machen: Wie bekommen wir das Ganze hin? Wie kriegen wir Betreuer rein, Ansprechpartner, die einfach da sind?
Auch die Seniorenbeauftragte ist dabei eine wichtige Ansprechpartnerin. Senioren gehören schließlich zu den vulnerablen Gruppen. Wenn wir die Prävention so hinbekommen, dass die Leute gar nicht erst ins Krankenhaus kommen und das System überlasten, dann brauchen wir auch keine Behelfskrankenstation.
Wie wird aus diesen Erkenntnissen jetzt eine dauerhafte Vorbereitung auf die nächste Hitzewelle?
Dieses Abflachen bekommen wir nur durch Maßnahmen hin, die ich zum Beispiel im Alarm- und Einsatzplan Hitzeschutz definiert habe: dass wir uns immer im Mai zusammensetzen und schon für die kommende Hitzeperiode besprechen, welche Maßnahmen greifen.
Ein guter Parameter ist für uns, wenn der DWD anfängt, in die Hitzewarnstufen reinzugehen. Das macht er wirklich verlässlich.
Der Runde Tisch soll also nicht nur einmalig nach dieser Hitzewelle stattfinden?
Für mich gehören zum Beispiel in jeder ersten Maiwoche genau diese wichtigen Akteure mit dazu, mit Perspektivenerweiterung: Wer hat beim ersten Mal gefehlt? Wen holen wir beim nächsten Mal dazu?
Und genauso muss man schauen: Da kann man anlassbezogen ruhig noch jemanden mit dazu nehmen. Da bin ich komplett meinungsoffen. Da ist erstmal jeder willkommen, der wichtig ist.
Der Kreis war schon sehr groß, etwa 20 Leute. Es muss ja auch noch effektiv sein. Aber wenn wir aus irgendeinem Grund sagen: Den holen wir uns mal vom Gesundheitsamt mit dazu – sehr gerne.
Der Runde Tisch soll also nicht nur im Mai stattfinden?
Nein. Er soll natürlich auch durch das Jahr hinweg stattfinden, aber bedarfsbezogen. Das waren viele Leute, die da besetzt waren. Das können wir nicht immer zusammenbringen. Das war nicht die Arbeitsebene, das war die Leitungsebene.
Wichtig ist, dass jetzt die verschiedenen Bereiche mit den Ergebnissen, die wir an diesem Tag besprochen haben, auf Arbeitsebene weitermachen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass wir dieses Jahr noch einmal den Sommer rückblickend bewerten, also dass man irgendwann im Herbst noch einmal zusammentrifft. Auch den Alarm- und Einsatzplan Hitze dort einfach mal vorstellt, dass das jeder am Tisch schon einmal gehört hat.
So geht es weiter in dem Bereich, und nicht erst, wenn es im Mai wieder weitergeht.
Die Strukturen für den Ernstfall sollen künftig besser greifen – doch Hitzeschutz beginnt früher als beim nächsten Notfalleinsatz. Im dritten und letzten Teil der Interviewreihe geht es deshalb um die konkreten Maßnahmen, mit denen Speyer sich auf zunehmende Hitze vorbereiten will – und darum, was sich dafür in der Stadt verändern muss.
Medieninformation der Stadt Speyer vom 23. September 2026


