
Die jüngste Hitzewelle hat deshalb auch in Speyer die Frage aufgeworfen, wie gut die Stadt auf solche Wetterlagen vorbereitet ist und wo bestehende Strukturen an ihre Grenzen kommen. Um die Erfahrungen auszuwerten und den Hitzeschutz weiterzuentwickeln, hat der Brand- und Katastrophenschutz einen Runden Tisch mit Krankenhäusern, Rettungsdiensten und weiteren beteiligten Akteuren eingerichtet.

Die Stadt Speyer nimmt die Erfahrungen aus der jüngsten Hitzewelle zum Anlass, den Hitzeschutz genauer in den Blick zu nehmen. In einer dreiteiligen Interviewreihe erläutert Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Peter Eymann, was die extreme Hitze gezeigt hat, wie sich die Stadt organisatorisch darauf vorbereitet und welche konkreten Maßnahmen daraus entstehen.
Zum Auftakt geht es um die unmittelbaren Erfahrungen der vergangenen Hitzewelle: Wie hat sich die extreme Hitze im Einsatzgeschehen bemerkbar gemacht, wo stießen Einrichtungen an ihre Grenzen und welche Auswirkungen hatte sie darüber hinaus auf das Leben in der Stadt?
Herr Eymann, wenn Sie auf die vergangenen extrem heißen Tage zurückblicken: Wie haben Sie die Situation aus Sicht des Brand- und Katastrophenschutzes erlebt?
Wir hatten im Brand- und Katastrophenschutz einerseits das tägliche Einsatzgeschehen. Da hatten wir natürlich mehr Einsätze zu verzeichnen, die auch auf die Wetterbedingungen zurückzuführen waren, besonders, weil Vegetation gebrannt hat. Glücklicherweise hatten wir in Speyer fast immer nur kleinere Brände, die früh gemeldet wurden und von daher gut im Griff waren.
Sie sagen „fast“. Gab es hier eine Ausnahme?
Ja, einen Lkw-Brand auf der A61. Hier werden wir immer zusammen mit der Feuerwehr Schifferstadt alarmiert, wenn der Einsatz zwischen Autobahnkreuz Speyer und der Anschlussstelle Schifferstadt ist. Der Brand war auf Schifferstadter Gemarkung, wir waren aber von Anfang an unterstützend dabei.
Der Lkw hatte eine Panne und musste natürlich rechts anhalten. Die heißen Teile unten, also Auspuff und so weiter, haben das Gras am Straßenrand entzündet. Bei der Alarmierung war noch die Rede von vier mal vier Metern Grasbrand. Bis die ersten Einheiten eingetroffen waren, hatten starke Winde die Flammen schon bis an die Waldgrenze gedrückt. Erste Bäume und Gebüsche hatten angefangen zu brennen und zum Schluss waren es 300 Quadratmeter Wald.
Also definitiv nicht zu unterschätzen, wie schnell sich Feuer bei trockener Vegetation ausbreitet. Wo hat sich die Trockenheit noch im Einsatzgeschehen bemerkbar gemacht?
Was absolut nicht alltäglich ist, war eine Vielzahl von brennenden Gullis und Sinkkästen. In die wird natürlich auch Laub reingeweht. Dass jetzt schon so viel Laub runterkommt, ist für Ende August auch nicht normal. Die Bäume haben weniger Wasser und lassen die Blätter los. Ganz knochentrocken liegt das da drin, dann reicht eine Zigarette und es fängt an zu brennen.
Wie oft ist das in den vergangenen Wochen passiert?
Es waren jetzt wirklich mehrere Einsätze über die Wochen, es hat sich verteilt gehäuft.
Kennen Sie das noch aus früheren Jahren oder ist das jetzt neu?
Das waren immer Einzelfälle gewesen, dass hier Rauchentwicklung aus Gullis gemeldet wurde. Jetzt war es halt gleich mehrfach in diesen sehr trockenen Wochen gewesen.
Die Trockenheit hat sich damit unmittelbar im Einsatzgeschehen bemerkbar gemacht. Die Hitze hat aber noch eine andere Seite: Sie kann auch für Gebäude und insbesondere für Einrichtungen des Gesundheitswesens zur Belastungsprobe werden. Haben Sie hier Unterstützung geleistet?
Wir hatten eine sehr außergewöhnliche Anfrage aus einem Krankenhaus in Speyer. Sie hatten gehört, dass im Krankenhaus in Neustadt von der Feuerwehr maschinell, also mit Überdruckbelüftung, belüftet wurde, um die Temperatur rauszubekommen. Es kam die Anfrage an uns, ob wir das auch leisten könnten.
Das haben wir bejaht und ihnen auch gesagt, in welchen Stufen wir das machen können. Glücklicherweise kam es zum Schluss nicht zum Tragen. Wir wissen aber durch den Austausch mit beiden Krankenhäusern, dass sie extrem betroffen waren, in dieser Zeit eine Vielzahl von Einsätzen hatten und absolut an ihre Kapazitätsgrenzen gekommen sind.
Bei extremer Hitze geht es also nicht nur um medizinische Notfälle. Kann eine solche Situation auch darüber hinaus Auswirkungen haben?
Tatsächlich ist es so, dass, wenn die öffentliche Grundversorgung während extremer Hitze nicht mehr gewährleistet ist, auch die Gemüter schnell erhitzen und es dann dementsprechend auch zu körperlichen Auseinandersetzungen kommen kann.
Wir hatten das in einer hitzebedingten Nacht, in der es zu einem Stromausfall im Bereich Speyer-West kam. Die Kolleginnen und Kollegen der Dienstgruppe C, die den KVD nur vertreten, aber in dieser Nacht im Dienst waren, waren dann auch in Speyer-West im Bereich Theodor-Heuss-Straße/Dudenhofer Straße.
Da war ein Umspannwerk beziehungsweise eine Trafostation betroffen. Die Kolleginnen und Kollegen haben uns am nächsten Tag darüber informiert, wie prekär die Situation für sie war. Sie waren zu zweit vor Ort. Da war eine alte Dame, die offensichtlich Hilfe gebraucht hat.
Die eine Kollegin ist bei der alten Dame geblieben, während der andere Kollege weitergelaufen ist. In dem Moment waren sie getrennt voneinander und beide sind von aggressiven Menschen angesprochen worden: Wann es hier jetzt endlich weitergeht, wann der Strom wieder da ist, wann die Klimaanlagen wieder funktionieren, was das Ganze hier soll.
Sie waren durch ihre Uniform erkennbar als Ansprechpartner der Stadt und waren ungewollt der Blitzableiter in einer aufgeheizten Atmosphäre. Die beiden haben das für sich als gefährliche Situation identifiziert. Sie haben sich beide unsicher gefühlt und dann geschaut, dass sie schnellstmöglich wieder zusammenkommen und versucht, die Situation gemeinsam wieder einzufangen.
Also von daher ist das nicht von der Hand zu weisen.
Ist die jüngste Hitzewelle aus Ihrer Sicht eine Ausnahme gewesen oder gab es in den vergangenen Jahren bereits vergleichbare Situationen?
So extrem war es dieses Jahr das erste Mal.
Klimaschutzmanager Christoph Ritter hat aber einen sehr markanten Satz formuliert, den ich auch in einer Talkrunde von einem Klimaexperten gehört habe: Der Sommer 2026 wird der kühlste Sommer sein, an den sich unsere Kinder erinnern werden, wenn sie einmal alt sind.
Für die wird es jetzt jährlich immer heißer werden.
Ein gutes, wertvolles Feedback von beiden Krankenhäusern war gewesen: Wir hatten diese erste knallheiße Woche, dieses knallheiße Wochenende mit mehreren Tagen um die 40 Grad, wir haben auch 40 Grad geknackt. Auf diese Woche und dieses Wochenende war die Bevölkerung offensichtlich nicht vorbereitet.
An diesem Wochenende war die Belastung wirklich am allergrößten. An den darauffolgenden Tagen und Wochen, an denen es immer wieder sehr heiß war, auch wieder bis 40 Grad, hatte man sich irgendwo eingeprobt. Dann hatten die Leute Getränke zu Hause und haben auch geschaut, dass sie nicht dehydriert sind. Auch da gab es noch Notfälle, aber das war alles in dem Bereich gewesen, wo sie gesagt haben: Es ist uns nicht gefährlich geworden. Wir waren nicht gefährlich nahe an der Kapazitätsgrenze.
Das war in der ersten Woche. Beide Krankenhäuser vermuten, dass das jetzt in den kommenden Jahren immer wieder diese erste Welle sein wird. Und die gilt es eben abzuflachen.
Die Erfahrungen der vergangenen Hitzewelle zeigen, dass Hitzeschutz eine Aufgabe ist, die verschiedene Bereiche der Stadt zusammenführt. Doch was passiert, wenn das Gesundheitssystem an seine Grenzen kommt – und wie bereitet sich Speyer organisatorisch auf künftige Hitzeperioden vor? Darum geht es im zweiten Teil der Interviewreihe.
Im dritten und letzten Teil steht anschließend die Frage im Mittelpunkt, was sich in Speyer konkret verändern muss – und welche Maßnahmen jetzt angestoßen werden sollen.
Medieninformation der Stadt Speyer vom 22. September 2026


