Stadt Speyer verurteilt Drohung gegen die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz


Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler gemeinsam mit Marina Nikiforova, Geschäftsführerin der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz
© Stadt Speyer
Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler gemeinsam mit Marina Nikiforova, Geschäftsführerin der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz (v. r. n. l.)


Am Freitag, 16. Oktober 2026, ging bei der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz ein Drohschreiben ein. Darin drohte ein bislang unbekannter Verfasser damit, die Synagoge Beith-Shalom in die Luft zu sprengen. Das Schreiben enthielt zudem antisemitische Äußerungen und eine unbekannte weiße Substanz, die vom Landeskriminalamt anschließend als ungefährlich eingestuft wurde. Die Kriminalpolizei Ludwigshafen ermittelt weiterhin.

Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler, zugleich Vorsitzende des SchUM-Städte e. V., hat mit Marina Nikiforova, der Geschäftsführerin der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, telefoniert und ihr die Solidarität und Unterstützung der Stadt zugesichert.

„Eine Drohung gegen unsere jüdische Gemeinde ist keine bloße Provokation. Sie richtet sich gegen Menschen, die ihren Glauben leben, und gegen ihr Recht, dies ohne Angst tun zu können. Ich habe Marina Nikiforova versichert, dass die Stadt Speyer fest an der Seite der jüdischen Gemeinde steht. Wir sehen es als unsere Verantwortung, jüdisches Leben zu schützen und Antisemitismus entschieden entgegenzutreten“, erklärt Stefanie Seiler.

Wie ernst die Sicherheitslage ist, zeigt sich seit Jahren auch in Speyer selbst. Seit dem Anschlag auf die Synagoge in Halle im Oktober 2019 steht die Synagoge Beith-Shalom bei Gottesdiensten und Veranstaltungen unter Polizeischutz. Dass jüdische Menschen für den Besuch ihres Gotteshauses auf besondere Sicherheitsmaßnahmen angewiesen sind, ist ein Zustand, mit dem sich die Stadt nicht abfinden kann. Der Schutz jüdischer Gemeinden ist notwendig. Zugleich muss es das Ziel sein, dass sie ihren Glauben frei und ohne Bedrohung leben können.

Die bundesweite Entwicklung unterstreicht die Dringlichkeit. Der Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) dokumentierte für das Jahr 2025 insgesamt 8.725 antisemitische Vorfälle in Deutschland. Das entspricht durchschnittlich fast 24 Vorfällen täglich. Die Zahl liegt mehr als dreimal so hoch wie 2022. Erfasst wurden unter anderem Angriffe und Bedrohungen. Seit dem 7. Oktober 2023 hält sich das antisemitische Vorfallgeschehen auf einem alarmierend hohen Niveau. Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, deren Alltag von Anfeindungen und Einschüchterung geprägt wird. Die Drohung gegen die Synagoge Beith-Shalom und die Jüdische Kultusgemeinde der Rheinpfalz zeigt, dass diese Entwicklung auch Speyer unmittelbar betrifft.

Für Speyer erwächst daraus eine besondere Verantwortung. Gemeinsam mit Mainz und Worms gehört die Stadt zu den SchUM-Stätten, deren jüdisches Erbe die europäische Geschichte geprägt hat und heute zum UNESCO-Welterbe zählt. Dieses Erbe zu bewahren bedeutet mehr, als historische Orte zu schützen und die Erinnerung an vergangene Generationen wachzuhalten. Es bedeutet auch, für die jüdischen Menschen einzustehen, die das Leben in der Stadt heute mitgestalten. Eine lebendige Erinnerungskultur muss sich daran messen lassen, wie entschieden Antisemitismus entgegengetreten und jüdisches Leben in der Gegenwart geschützt wird.

Die Stadt dankt den beteiligten Einsatzkräften für ihr Handeln und unterstützt die konsequente Aufklärung des Vorfalls. Sie wird den Austausch mit der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz fortsetzen. Bedrohungen dieser Art dürfen nicht verharmlost werden. Sie verlangen eine klare Haltung und konkrete Unterstützung für die Betroffenen.

„Jüdische Gemeinden müssen ihren Glauben leben und ihre Traditionen pflegen können, ohne bedroht oder eingeschüchtert zu werden. Der Schutz jüdischen Lebens ist keine Aufgabe, die allein bei der Polizei oder den Betroffenen liegt. Er ist eine Verantwortung der gesamten Gesellschaft. Dazu gehört, Antisemitismus frühzeitig zu widersprechen, Betroffene nicht allein zu lassen und aus unserer Geschichte Konsequenzen für die Gegenwart zu ziehen“, so Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler.


Medieninformation der Stadt Speyer vom 19. Oktober 2026