
„Entsiegelung ist Klimaanpassung, die direkt vor unserer Haustür sichtbar wird. Jeder Quadratmeter, den wir von Asphalt und Pflaster befreien und wieder begrünen, trägt dazu bei, dass unsere Stadt mit zunehmenden Hitzeperioden und Starkregen besser umgehen kann“, betont Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler. „Dabei wollen wir als Stadt mit gutem Beispiel vorangehen. Gleichzeitig brauchen wir die Unterstützung der gesamten Stadtgesellschaft.“
Wo Regenwasser nicht mehr unmittelbar über versiegelte Flächen abgeleitet wird, kann es wieder vor Ort versickern. Bäume und Pflanzen spenden Schatten, kühlen durch Verdunstung und schaffen Lebensräume für Tiere. Gerade in dicht bebauten Bereichen können auch kleinere entsiegelte Flächen so zu einem angenehmeren Stadtklima und einer höheren Aufenthaltsqualität beitragen.
Vom einzelnen Platz bis zur langfristigen Stadtplanung
Dass die Stadt auf unterschiedlichen Ebenen ansetzt, zeigen zahlreiche Projekte im gesamten Stadtgebiet. Bereits umgesetzt wurden unter anderem Maßnahmen am St.-Guido-Stifts-Platz und am Heinrich-Lang-Platz, am Knotenpunkt Hafenstraße/Nonnenbachstraße sowie im Bereich des Bebauungsplans 016A in der Waldstraße.
Am St.-Guido-Stifts-Platz wurde eine bislang befestigte Fläche zurückgebaut und durch einen neuen Pflanzbereich mit Baumstandorten sowie einer vielfältigen Bepflanzung ersetzt. Auch am Heinrich-Lang-Platz wurden Flächen entsiegelt, Baumscheiben vergrößert und zusätzliche Grünstrukturen geschaffen.
In der Burgstraße befindet sich der Rückbau des zu schmalen Radwegs im Seitenraum derzeit in der Umsetzung. Die freiwerdenden Flächen sollen entsiegelt werden. Gleichzeitig können die vorhandenen Platanen besser geschützt werden, deren Wurzelwachstum in der Vergangenheit zu erheblichen Schäden am Wegebelag geführt hat.
Weitere Maßnahmen sind bereits geplant oder befinden sich in der Vorbereitung. Dazu gehören unter anderem die Pflanzung von Bäumen am Berliner Platz und auf dem Bahnhofsvorplatz. Auch im Fördergebiet Kernstadt Mitte werden Möglichkeiten für mehr Grün und weniger Versiegelung berücksichtigt.
Bei anstehenden Straßenbauprojekten soll geprüft werden, ob Flächen für Bäume, Pflanzbereiche und eine natürliche Versickerung geschaffen werden können. Analog zur bereits beschlossenen Neugestaltung von Stübergasse und Halbes Dach ist dabei vorgesehen, auch bei den anstehenden Planungen für die Salierstraße und die Friedensstraße, die Bismarckstraße und die Mittelkämmererstraße sowie die Christoph-Lehmann-Straße Grünflächen in den Straßenraum zu integrieren. Diese können zugleich zur Begrenzung der Parkflächen beitragen.
Begrünung bereits in der Bauleitplanung mitdenken
Entsiegelung und Begrünung beginnen jedoch nicht erst bei der konkreten Umgestaltung eines Platzes oder einer Straße. Auch die Bauleitplanung bietet die Möglichkeit, Klimaanpassung langfristig in der Stadtentwicklung zu verankern.
Ein Beispiel dafür ist der Bebauungsplan Nr. 016 A „Östliches Erlichgebiet – Änderungsplanung Waldstraße“. Hier wurden umfangreiche Begrünungsmaßnahmen verbindlich festgesetzt. So müssen mindestens 80 Prozent der geeigneten Dachflächen extensiv begrünt werden. Auch für bestimmte Fassadenflächen ist eine dauerhafte Begrünung mit Rank- oder Kletterpflanzen vorgeschrieben. Darüber hinaus sieht der Bebauungsplan unter anderem Baumpflanzungen im Innenhof und entlang der Stellplätze sowie weitere Gehölzpflanzungen auf den Grundstücksflächen vor. Schottergärten, wasserundurchlässige Folien und die Umwandlung von Vorgärten in versiegelte Flächen sind nicht zulässig.
Damit wird Klimaanpassung bereits auf Ebene der Stadtplanung verbindlich verankert. Begrünte Dächer können Niederschlagswasser zurückhalten und die Aufheizung von Gebäuden reduzieren. Bäume, Gehölze und Fassadenbegrünungen schaffen zusätzliche Grünstrukturen und können insbesondere in dicht bebauten Bereichen zu einem angenehmeren Kleinklima beitragen.
„Wir müssen bei der Klimaanpassung an vielen Stellen gleichzeitig ansetzen“, erklärt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler. „Deshalb wollen wir Begrünung bei neuen Entwicklungen von Anfang an mitdenken und – wo sinnvoll – auch verbindlich festsetzten. So entsteht Schritt für Schritt ein klimaangepassteres Speyer.“
Speyer pflastert ab – und die Stadtgesellschaft kann mitmachen
Mit der Initiative „Speyer pflastert ab“ soll dieses Engagement nun gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern weiter verstärkt werden. Der Stadtrat hat im Juni den Antrag der Bündnis90/Die Grüne-Fraktion „Speyer pflastert ab – Entsiegelung und Begrünung fördern“ einstimmig beschlossen. Ziel ist es, die Themen Entsiegelung und Begrünung stärker ins Bewusstsein zu rücken und möglichst viele Menschen zum eigenen Handeln zu motivieren.
Denn Entsiegelung ist nicht allein eine Aufgabe der öffentlichen Hand. Auch auf privaten Grundstücken gibt es zahlreiche Möglichkeiten, befestigte Flächen zurückzubauen und wieder zu begrünen – beispielsweise bei Vorgärten, Hof- und Zufahrtsflächen oder wenig genutzten Stellplatzbereichen.
„Die Stadt kann Flächen im öffentlichen Raum umgestalten. Einen großen Teil der Flächen in Speyer haben wir als Kommune aber nicht in der Hand“, sagt Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler. „Deshalb möchten wir die Bürgerinnen und Bürger ermutigen, auch auf dem eigenen Grundstück zu schauen: Wo kann vielleicht ein Stück Pflaster weg? Wo kann ein Baum wachsen? Wo kann Regenwasser wieder versickern?“
Gleichzeitig sind die Speyererinnen und Speyerer eingeladen, ihren Blick auf das eigene Quartier zu richten. Wo gibt es öffentliche Flächen, die aus Sicht der Anwohnerinnen und Anwohner für eine Entsiegelung oder zusätzliche Begrünung geeignet wären? Wo könnte ein Baum Schatten spenden oder eine bislang vollständig befestigte Fläche zu einem kleinen grünen Aufenthaltsort werden?
Auch Vereine, Initiativen, Schulen, Unternehmen und Nachbarschaften sind eingeladen, eigene Projekte umzusetzen und sich am bundesweiten Wettbewerb „abpflastern“ zu beteiligen, der jährlich vom 21. März bis zum 31. Oktober stattfindet. Dabei zählt jeder Quadratmeter, der dauerhaft von seiner Versiegelung befreit und wieder begrünt wird. Um dies zu fördern, erarbeitet die Verwaltung Informationsmaterialien und Mitmachkampagnen; zudem prüft sie konkrete Unterstützungsangebote für Bürgerinnen und Bürger.
Hinweise auf geeignete öffentliche Flächen und Ideen für mehr Entsiegelung können über die Beteiligungsplattform der Stadt Speyer unter mitgestalten.speyer.de eingebracht werden. Weitere Informationen zum Wettbewerb „abpflastern“ und zur Teilnahme sind auf der Internetseite des Wettbewerbs www.abpflastern.de zu finden.
Medieninformation der Stadt Speyer vom 20. Oktober 2026


