
„Die SchUM-Kulturtage machen jüdische Geschichte und Gegenwart auf vielfältige Weise erlebbar. Sie laden dazu ein, jüdisches Leben in seiner ganzen Vielfalt kennenzulernen, zu bewahren und an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Gerade in Zeiten, in denen Vorurteile gegenüber jüdischen Mitmenschen deutlich spürbar zunehmen, ist es wichtig, Wissen über jüdische Geschichte und Gegenwart zu vermitteln und damit Antisemitismus entgegenzuwirken. Die SchUM-Kulturtage bieten dafür vielfältige Zugänge und Möglichkeiten, sich mit jüdischem Leben auseinanderzusetzen“, betont Oberbürgermeisterin und Vorsitzende des SchUM-Vereins Stefanie Seiler.
Die SchUM-Kulturtage beginnen am Donnerstag, 8. Oktober 2026, um 17 Uhr mit der Vernissage der Ausstellung „Haus der Ewigkeit – Jüdische Friedhöfe im mitteleuropäischen Kulturraum“ im Typografischen Kabinett der Städtischen Galerie. Die Fotoausstellung von Marcel-Th. und Klaus Jacobs dokumentiert jüdische Friedhöfe in Deutschland, Polen, der Ukraine und Tschechien und beleuchtet die Bedeutung jüdischer Begräbniskultur. Bürgermeister Prof. Dr. Alexander Schubert eröffnet die Ausstellung und führt aus: „Die Eröffnung der SchUM-Kulturtage 2026 mit einer Ausstellung über jüdische Friedhöfe ist gerade für Speyer von besonderer Bedeutung. Anders als in Worms und Mainz ist der historische jüdische Friedhof in Speyer heute nicht mehr erhalten. Umso wertvoller ist es, dass die Fotoausstellung diese Orte im mitteleuropäischen Kulturraum in den Mittelpunkt rückt und damit auch einen wichtigen Teil jüdischer Erinnerungskultur sichtbar macht. Die eindrucksvollen Fotografien machen sichtbar, welche Bedeutung diese Orte für die Bewahrung jüdischer Geschichte und Identität haben.“ Musikalisch begleitet wird die Vernissage vom Chor der Jüdischen Kultusgemeinde Rheinpfalz.
Parallel dazu lädt die Stadtbibliothek vom 8. bis 30. Oktober während der regulären Öffnungszeiten mit einem SchUM-Büchertisch dazu ein, jüdische Geschichte, Kultur und Gegenwart literarisch zu entdecken. Neben Romanen und Graphic Novels stehen auch Sachbücher zu aktuellen Themen des Judentums bereit.
Den Auftakt des Konzertprogramms gestaltet am Sonntag, 18. Oktober 2026, um 15 Uhr das Duo Duor in der Synagoge Beith Schalom. Mit Harfe und Saxofon verbindet das Ensemble in seinem Programm „Sounds of Prayers“ jüdische, christliche und islamische Musiktraditionen. Bereits am Vortag, Samstag, 17. Oktober 2026, um 14 Uhr widmet sich eine Führung im Judenhof unter dem Titel „Spuren weiblichen Lebens“ der Rolle jüdischer Frauen in Speyer und im Judentum.
Literatur und Musik treffen am Dienstag, 20. Oktober 2026, um 18.30 Uhr bei einer musikalischen Lesung mit David Maier, Boris C. Motzki und Matthias Schärf aufeinander. Im Mittelpunkt stehen bislang wenig bekannte Texte Carl Zuckmayers, abseits von „Der Hauptmann von Köpenick“, „Des Teufels General“ oder „Der fröhliche Weinberg“, die mit Gesang und Gitarrenmusik neu interpretiert werden.
Einen besonderen Einblick bietet am Mittwoch, 21. Oktober 2026, um 18 Uhr der Kochkurs „SchUM auf dem Teller“. Gemeinsam mit Landesrabbiner Reuven Konnik bereiten die Teilnehmenden ausgewählte Gerichte der jüdischen Küche zu und erfahren dabei Wissenswertes über die jüdischen Speisegesetze sowie die Bedeutung der Kaschrut im Alltag.
Auch die Erinnerungskultur nimmt während der Kulturtage einen wichtigen Platz ein. Am Donnerstag, 22. Oktober 2026, werden durch die Initiative „Stolpersteine für Speyer“ weitere Stolpersteine verlegt. Ergänzend lädt eine Stadtführung zu den Schicksalen der Menschen ein, an die die Steine erinnern. Der Montag, 9. November 2026, steht ganz im Zeichen des gemeinsamen Gedenkens an die Opfer der Novemberpogrome von 1938.
Mit dem Vortrag „Jahrzeitlicht & Levitenkanne“ widmet sich die Judaistin und Kunsthistorikerin Dr. Esther Graf am Mittwoch, 28. Oktober 2026, um 18.30 Uhr der jüdischen Begräbnis- und Erinnerungskultur. Bereits am folgenden Tag, Donnerstag, 29. Oktober 2026, ab 19 Uhr sorgt die international bekannte Band Dobranotch mit einer mitreißenden Mischung aus Klezmer und Balkanbeats für einen musikalischen Höhepunkt der Kulturtage.
Traditionelle Klezmermusik erklingt am Mittwoch, 4. November 2026, um 15 Uhr beim Konzert des Trios Stetl Tov im Rahmen von „Konzert am Nachmittag“. Am Freitag, 6. November 2026, um 19.30 Uhr zeigt die Volkshochschule den Dokumentarfilm „Hannah Arendt – Denken ist gefährlich“, der das Leben und Wirken der Philosophin eindrucksvoll nachzeichnet.
Den Abschluss der SchUM-Kulturtage bilden drei Veranstaltungen, die unterschiedliche Facetten jüdischer Identität beleuchten: Die szenische Lesung „Jews Undercover“ von Stéphane Daniel Bittoun erzählt am Donnerstag, 12. November 2026, um 19 Uhr bewegende Geschichten über Identität, Anpassung und Überleben. Einen Tag später, am Freitag, 13. November 2026, um 19 Uhr liest Tanya Raab aus ihrem Buch „Shalom“ und berichtet persönlich, humorvoll und pointiert über jüdisches Leben jenseits gängiger Klischees. Mit jüdischer Sakralmusik, Kantoralgesängen sowie israelischen und jiddischen Liedern schlägt Oberkantor Schmuel Barzilai am Sonntag, 15. November 2026, um 16 Uhr musikalische Brücken zwischen Tradition und Gegenwart. Das Konzert in der Synagoge Beith Shalom bildet den Schlusspunkt der diesjährigen SchUM-Kulturtage in Speyer.
Ergänzt wird das Programm durch zahlreiche öffentliche Führungen, darunter eine Familienführung durch den Judenhof, eine Führung zur Geschichte jüdischen Lebens in Speyer sowie eine Synagogenführung.
Weitere Informationen zum Programm in Speyer sind unter www.speyer.de/schum-kulturtage verfügbar. Das Gesamtprogramm der SchUM-Kulturtage in Speyer, Worms und Mainz ist unter schumstaedte.de/schum/schum-kulturtage abrufbar. Tickets für die Veranstaltungen sind in der Tourist-Information Speyer, an allen Reservix-Vorverkaufsstellen sowie online unter stadt-speyer.reservix.de erhältlich.
Zum Hintergrund
Die drei jüdischen Gemeinden in den Städten Speyer, Worms und Mainz bildeten im Mittelalter einen einzigartigen Verbund, „SchUM“ genannt, der die jüdische Welt bis heute prägt. Seit 2021 zählen die SchUM-Stätten in Speyer, Worms und Mainz zum UNESCO-Welterbe. Die Geschichte der SchUM-Kulturtage reicht jedoch weiter zurück: Ihren Ursprung nahmen sie 2005 in Worms, damals noch unter dem Titel „Jüdische Kulturtage“. Im Zuge des UNESCO-Welterbeantrags feiern seit 2018 auch Mainz sowie seit 2020 Speyer während der SchUM-Kulturtage den Facettenreichtum jüdischer Kultur.
Medieninformation der Stadt Speyer vom 14. September 2026


