Kommentierung des Grabmals für Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann auf dem Speyerer Friedhof


Grabmal von Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann mit Informationstafel
Grabmal von Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann mit Informationstafel


Der Grab- und Gedenkstein für die beiden (Mit-)Attentäter auf den Autonomistenführer Franz Josef Heinz erregt bei Besucherinnen und Besuchern des Speyerer Friedhofs immer wieder die Gemüter.

Franz Hellinger und Ferdinand Wiesmann waren an dem Anschlag auf den Anführer der Bewegung „Autonome Pfalz im Verband der Rheinischen Republik“ Franz Josef Heinz, genannt Heinz Orbis, am 9. Januar 1924 im Wittelsbacher Hof in der Ludwigstraße 2 in Speyer beteiligt, der auch sie selbst das Leben kostete.

1932, anlässlich des achten Jahrestags des Attentats, entstand der mächtige quaderförmige Gedenkstein für Hellinger und Wiesmann auf dem Speyerer Friedhof. Die Einweihung des Denkmals war eine große und pompöse Feier, die sogar vom Bayerischen Rundfunk übertragen wurde. Reichspräsident Hindenburg, Reichskanzler Brüning und der bayerische Ministerpräsident schickten Grußadressen; Kronprinz Rupprecht von Bayern beteiligte sich mit einem Kranz.

Die Ermordung von Heinz Orbis wurde von der Propaganda der völkischen und nationalsozialistischen Rechten als heroische Tat dargestellt, die erschossenen Attentäter zu Freiheitskämpfern und Märtyrern verklärt.

Mittlerweile hat sich die historische Einordnung der Ereignisse und des Denkmals jedoch gewandelt. Die Stadt Speyer distanziert sich heute ausdrücklich von der damals erfolgten Ehrung. Sie will allerdings die dunklen Kapitel der Geschichte nicht einfach tilgen, sondern durch die Informationstafel zur Auseinandersetzung mit ihnen aufrufen. Nicht zuletzt als Mahnung für die Zukunft, denn Demokratie lebt vom Erinnern und vom Aushalten von Spannungen.


Medieninformation der Stadt Speyer vom 17. August 2026