
Margarete Boiselle-Vogler wurde am 5. Juni 1922 in der Armbruststraße in Speyer auf dem Voglerhof geboren. Ihre enge Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt begleitete sie durch ihr gesamtes Leben. Noch im Juni dieses Jahres konnte sie ihren 104. Geburtstag feiern.
1953 trat sie der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands bei. Sie leitete den SPD-Ortsverein Nord sowie die Arbeitsgemeinschaft der SPD-Frauen und setzte sich insbesondere für die Gleichberechtigung und die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen ein. 1964 zog sie erstmals in den Speyerer Stadtrat ein. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie zehnmal wiedergewählt und gehörte dem Stadtrat insgesamt fünf Jahrzehnte an. Sie wirkte in zahlreichen Ausschüssen und Gremien mit, unter anderem im Kultur- sowie im Bau- und Planungsausschuss. Nach ihrer langen kommunalpolitischen Tätigkeit wurde sie 2014 aus dem Stadtrat verabschiedet.
Margarete Boiselle-Vogler war dabei eine Frau, die ihrer Zeit in vielerlei Hinsicht voraus war. Als erste Frau im Bauausschuss und im Aufsichtsrat der GEWO bewegte sie sich in Bereichen, die in den 1950er- und 1960er-Jahren noch weitgehend von Männern geprägt waren.
Auch beruflich übernahm Margarete Boiselle-Vogler früh Verantwortung in einer für Frauen damals keineswegs selbstverständlichen Position. Seit 1951 war sie Geschäftsführerin der aus dem landwirtschaftlichen Betrieb der Familie hervorgegangenen Kiesbaggerei Vogler. Unter ihrer Leitung wurde das Unternehmen weiterentwickelt. Der Bau eines neuen Kieswerks am Binsfeld und die Gründung eines Betonwerks gehörten zu den prägenden Stationen ihres unternehmerischen Wirkens. Auch in dieser beruflichen Rolle bewies sie Selbstständigkeit und Durchsetzungsvermögen.
Eine weitere große Leidenschaft war der Sport. In jungen Jahren war Margarete Boiselle-Vogler erfolgreiche Leichtathletin und strebte zeitweise sogar eine Teilnahme an den Olympischen Spielen an. Später galt ihre besondere Verbundenheit dem Tennisclub Weiß-Rot Speyer, der einen Tennisplatz im Schützengarten nach ihr benannte. Darüber hinaus engagierte sie sich in zahlreichen Vereinen und war über Jahrzehnte bei Veranstaltungen und im gesellschaftlichen Leben der Stadt präsent.
Bis ins hohe Alter bewahrte sie sich ihre bemerkenswerte Tatkraft und ihre Freude daran, aktiv am Leben in Speyer teilzunehmen. Auch in den letzten Jahren, als sie auf einen Rollstuhl angewiesen war, blieb sie dem öffentlichen Leben ihrer Heimatstadt verbunden. Ihr Leben war geprägt von Arbeit, Bewegung und dem Willen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
„Margarete Boiselle-Vogler gehörte zu einer Generation von Frauen, die sich ihren Platz in Politik und Gesellschaft erst erkämpfen mussten. Sie hat diese Herausforderung angenommen und sich mit großer Beharrlichkeit in Bereiche vorgewagt, die lange von Männern geprägt waren. Damit hat sie dazu beigetragen, dass Frauen in der Kommunalpolitik sichtbarer und selbstverständlicher wurden. Ihr Wirken erinnert uns daran, wie wichtig es ist, dass Frauen ihre Erfahrungen und Überzeugungen einbringen, damals wie heute. Dafür und für ihr langjähriges Engagement für Speyer bin ich ihr sehr dankbar“, so Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler.
Die Stadt Speyer wird Margarete Boiselle-Vogler als engagierte Stadträtin, mutige Unternehmerin, überzeugte Sozialdemokratin und außergewöhnliche Speyererin in dankbarer Erinnerung behalten.
Medieninformation der Stadt Speyer vom 9. September 2026


