Kunstobjekt im Altstadthof © Klaus Venus

Der Altstadthof von Wolfgang und Claudia Germann

Kunstobjekt im Altstadthof © Klaus Venus

Am rückwärtigen Ausgang des Historischen Rathauses haben Claudia und Wolfgang Germann im Rahmen des Grynen Bandes einen privaten Altstadthof geöffnet, der mit gärtnerischen Besonderheiten und originellen wie manchmal auch skurrilen Kunstwerken aufwartet.

 


Es handelt sich um das Anwesen in der Kleinen Pfaffengasse 25; der Hof ist über ein Tor in der Judengasse zugänglich.

Der fast verwunschen wirkende Hof lädt durch seinen Detailreichtum zum Verweilen ein. Bereits über dem blauen Eingangsportal in der Judengasse sind Nachbildungen von zwei Marienstatuetten zu sehen, deren Heiligenschein durch alte Vinylplatten markiert wird. Besucher*innen sollten das als ersten Hinweis verstehen, dass im Hof künstlerische Neigungen ausgelebt werden und nicht alles so ist wie es scheint. Das Tor steht offen oder ist angelehnt, und im Durchgang zum Hof sind deutlich lesbare Warnschilder zu sehen: „Verbotener Weg“, der „Durchgang ist nur bis auf Widerruf gestattet“ und Vorsicht: „Versuchsfläche – bitte nicht betreten“. Eintretende sollten das als Ermutigung verstehen, den außergewöhnlichen Altstadthof zu erkunden.   

Das Eingangstor zum Hof © Matthias NowackDas Haus selbst ist auf römische Fundamente gegründet, war einst Heimstätte eines Speyerer Rabbiners, zwischenzeitlich Sitz der französischen Verwaltung, dann Standesamt und ist heute in privater Hand. Die wechselvolle Geschichte des Anwesens kann nur noch erahnt werden, hat doch der Mittelteil des Hauses die Zerstörung Speyers im Jahre 1689 überstanden. Die teilweise  noch vorhandenen Stuckdecken und Originalböden zeugen von seiner einstigen Herrschaftlichkeit. Wer das mittelterliche Straßenniveau von Speyer erahnen will, der sollte einen Blick in den stets geöffneten Kellerabgang werfen, der mehr als vier Meter in die Tiefe führt.   

Die gärtnerische Vielfalt im Hof ist erstaunlich: Dort wachsen in wildromantischer Umschlingung Blutorangen, Feigen, Nashi-Birnen, Passionsblumen, ein aus der Bibel bekannter „brennender Busch“ und eine Weinrebe, die durch Haus und Mauern dringt und draußen in der Gasse noch zahlreiche Ranken bildet.

Großformatige Folienbilder zieren die Wände im Hof, am Dachgiebel wiegen bunt beklebte Vinylplatten auf alten Bettfedern im Wind. Skurrile Darstellungen des Alltages, Skulpturen und Objekte begleiten die Besucher*innen in jeder Ecke des Hofes. Ganze Türme von übereinander gestapelten Kaffeetassen und Kannen wuchern in guter Nachbarschaft mit den Pflanzen und Bäumen in den Himmel und zeugen von der exzessiven künstlerischen Betätigung des Hauseigentümers.

Mit ein bisschen Glück trifft man im Hof oder in der Gasse auf die beiden Hauseigentümer, die sich gerne mit ihren Besucher*innen auf einen kurzen Plausch über Gott, die Kunst und die Welt einlassen.

Öffnungszeiten: Mo-So 10-19 Uhr
Adresse: Kleine Pfaffengasse 25 (Hofeingang um die Ecke in der Judengasse)

Zu den Gärten des Grynen Bandes bietet die Tourist-Information Gruppenführungen und öffentliche Rundgänge an, z.B. am 20.7./17.8. und 21.9., jeweils 11 Uhr. Anmeldung und weitere Infos unter der Telefonnummer 06232/142392. Der Garten von Wolfgang und Claudia Germann kann zu den genannten Öffnungszeiten individuell besucht werden.

 
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