Piazza del Popolo in Ravenna

Ravenna-Tagebuch

OB Hansjörg Eger überreicht Valentina Morigi, der Beigeordneten der Stadt Ravenna, ein Gastgeschenk, © Stadt Speyer
Partnerschaftsjubiläum Speyer-Ravenna: In der Woche nach Ostern reisten 80 Speyerer in die Emilia Romagna, um mit italienischen Freunden das 25-jährige Partnerschaftsjubiläum zu feiern.
 

23.4.2014: Speyer avanti - warmherziger Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten in Ravenna

"Speyer avanti" - mit diesem Motto konnte man den ersten Tag der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Partnerschaftsjubiläum von Ravenna und Speyer umreißen, zu dem rund 80 Speyerer Bürgerinnen und Bürger in die Emilia Romagna gereist waren.

Stadtführung und Empfang im Rathaus am Vormittag, Museumsbesuch und Konzert am Nachmittag und am Abend. Dabei konnte Claudia Frassineti, Stadtführerin in Ravenna, gleich am Vormittag mit den Kostbarkeiten der Stadt punkten und wusste dazu jede Menge amüsanter Geschichten: Cole Porter beispielsweise soll beim Anblick des Sternenhimmels im Mausoleum der Galla Placidia für seinen berühmten Song "Night and Day" inspiriert worden sein. Karl Lagerfeld war in Ravenna und ließ sich von Mosaikdarstellungen in der Basilica San Vitale für seine "Byzantium-Kollektion" anregen. Auch Gustav Klimt habe sich von den Goldtönen der ravennatischen Mosaiken für seine berühmten in Goldfarben gehaltenen Gemälde animieren lassen, so Claudia Frassineti. Kein Wunder also, dass Ravenna sich mit seinem großen Kulturerbe um den Titel der europäischen Kulturhauptstadt 2019 bewirbt. Die Speyerer jedenfalls, neue und alte Fans von Ravenna, drücken die Daumen und haben diese Tour sichtlich genossen. 

Empfang im Rathaus

Valentina Morigi und Hansjörg Eger im Rathaus von RavennaÄußerst warmherzig verlief dann der anschließende Empfang, zu dem Valentina Morigi, Beigeordnete der Stadt Ravenna, ins Rathaus eingeladen hatte. Oberbürgermeister Hansjörg Eger und Valentina Morigi verwiesen bei dieser Gelegenheit auf die regelmäßigen Besuche und die intensiven Kontakt der letzten Jahre. Sie dankten den beiden Freundeskreisvorsitzenden in Ravenna und Speyer, Barbara Mattes und Bruno Bassini, für das große Engagement in Sachen Städtepartnerschaft. Morigi sprach von einem "Besuch bei der Familie" und hofft auf viele weitere Begegnungen in beiden Städten. Zahlreiche "Produkte" dieser engen Kontakte, beispielsweise die deutsch-italienische Theaterproduktion "Café? Ja! Si!" oder auch der Beitrag von Schülerinnen und Schülern der Musikschule der Stadt Speyer zu einem festlichen Konzert werden im Verlauf der drei Jubiläumstage zum Tragen kommen. Hocherfreut zeigte sich Morigi, die Speyer gut kennt, über ein kleines Gebinde von Domhof-Bier, dass Eger als Gastgeschenk überreichte (siehe Foto). Museumsbesuch und festliches Konzert im "Theatro Alighieri" haben den ersten Tag abgerundet. Ein rundum gelungener Auftakt für die Jubiläumsfeier in Ravenna!   

Angela Merkel und die italienische Lebensart - Städtische Musikschule konzertiert in Ravenna

Schülerinnen und Schüler der Musikschule SpeyerSie haben sich beim Jubiläumskonzert "25 Jahre Speyer-Ravenna" hervorragend geschlagen, die sechs Schülerinnen und Schüler der Musikschule der Stadt Speyer. Konzertiert haben sie im prächtigen Theater der italienischen Partnerstadt, das nach dem italienischen Dichter Dante Alighieri benannt ist.

Keine Spur von Nervosität war ihnen anzumerken im Zusammenspiel mit den professionellen Musikern der Philharmonischen Akademie von Ravenna, dem "Istituto Musicale Guiseppe Verdi" unter der Leitung von Direttore Marco Tittotto. Dabei war aus zeitlichen Gründen nur eine Orchesterprobe mit den ravennatischen Musikern am Nachmittag vor dem Konzert möglich. Werke von Abel, Cambini und Lefevre standen auf dem anspruchsvollen Konzertprogramm, das die Zuhörer im gut gefüllten "Sala Corelli" des Theaters mit viel Beifall bedachten.

Die Konzertpause nutzten die beiden Stadtoberhäupter Fabrizio Matteucci und Hansjörg Eger, um die Bedeutung der 25-jährigen Kontakte zwischen  Ravenna und Speyer hervorzuheben - für die beiden Städte, die Menschen, die sich im Rahmen dieser Städtepartnerschaft begegnen, und für Europa. "In 25 Jahren haben wir gemeinsam viel erreicht, zahlreiche Projekte angestoßen und viel voneinander gelernt", so Eger. Er zitierte dabei die Beigeordnete Valentina Morigi, die sich am Vormittag angesichts der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in ihrem Land ein "bisschen mehr Angela Merkel für Italien" wünschte. Wir in Deutschland dagegen könnten ein "bisschen mehr italienische Lebensart" vertragen, so Eger augenzwinkernd.

Zum Partnerschaftsjubiläum überreichte Matteucci seinem Speyerer Amtskollegen ein großformatiges Mosaik, gefertigt in der Accademia Belle Arti von Ravenna. Es zeigt die Wahrzeichen der beiden Städte, den Kaiserdom und den Hafen von Classe in Sant´Apollinare Nuovo bildlich vereint. Eger revanchierte sich mit einer Arbeit der Speyerer Künstlerin Anne Ludwig, auf der die Salierkrone von Konrad II. zu sehen ist.

24.04.2014: Freundschaftsabend mit den Canterini Romagnoli

Die Canterini Romagnoli mit Verstärkung aus SpeyerSeit mehr als 20 Jahren zählt der Chor der "Canterini Romagnoli" zu den Eckpfeilern der Städtefreundschaft zwischen Speyer und Ravenna. Die Auftritte der Canterini in beiden Städten sind Legende, und wer einen Freundschaftsabend, eine "Cena Sociale", mit ihnen erlebt hat, der wird Ravenna und die Emilia Romagna so schnell nicht vergessen. Mit Herzblut, Leidenschaft und sehr sympathischer theatralischer Geste interpretieren die Canterini die traditionellen Lieder der Romagna, so dass man auch ohne Italienischkenntnisse versteht, um was es in diesem gesegneten Landstrich geht: um die Liebe, das gute Essen und den Sangiovese, den typischen Rotwein der Romagna. Aufgrund des großen Andrangs von Speyereren und Ravennaten zur Jubiläums-Cena, an der am Donnerstag Abend auf Einladung des Freundeskreises rund 150 Personen teilnahmen, musste man auf das von früheren Besuchen bekannte Vereinsheim der Canterini verzichten und hatte den Freundschaftsabend in das Stadtteilzentrum "Il Desiderio" verlegt. Auch dort konnten die Canterini begeistern. Gutes hausgemachtes Essen und der Wein sind auch den Pfälzern nicht fremd, so dass die Speyerer zu fortgeschrittener Stunde flux einen eigenen Chor formierten und die Hymne vom "Palzwoi" anstimmten. Alle Speyererinnen und Speyerer, die nach Ravenna gereist sind, die Teilnehmer der Bürgerreise, Musikschüler, Stadträte und die Schauspieler des Kinder- und Jugendtheaters haben am Donnerstag mit den Canterini Romagnoli - kulinarisch wie musikalisch - einen hinreißenden Abend erlebt. 

25.4.2014: Festa della Liberazione

Ravennas Bürgermeister Fabrizio Matteucci mit Oberbürgermeister Hansjörg EgerNachdenklichere und dennoch sehr freundschaftliche Töne gab es dann am Freitag Morgen auf der Piazza del Popolo in Ravenna zum 69. Jahrestag der Befreiung von der nationalsozialiszischen Besatzung, der in Italien traditionell am 25. April gefeiert wird. Erinnert wird dabei nicht nur an das Ende der nationalsozialistischen Besatzung, sondern auch an den endgültigen Zusammenbruch des Mussolini-Regimes. Zusammen mit Claudio Casadio, dem Präsidenten der Provinz Ravenna und Fabrizio Matteucci, dem Bürgermeister von Ravenna war dazu auch der Speyerer Oberbürgermeister aufgefordert, einige Wort an die  Bevölkerung von Ravenna zu richten. Dabei fand Hansjörg Eger schnell den richtigen Ton: "Der Tag der Befreiung von der deutschen Besatzung ist auch der Tag, der den Grundstein legte für einen Neubeginn der Beziehungen zwischen Italien und Deutschland und für ein friedliches Europa."

Eger ging darauf ein, dass nach dem Ende des Krieges verlorengegangenes Vertrauen wiederaufgebaut werden musste. Er bezeichnete die Partnerschaft von Ravenna und Speyer als "großes Glück". "Dass wir heute als Deutsche und Italiener gemeinsam auf diesem schönen Platz stehen und zusammen die Festa della Liberazione begehen, ist nicht selbstverständlich. Es zeigt, wie gut sich unsere Beziehungen in den zurückliegenden Jahrzehnten entwickelt haben und wie weit wir auf dem Weg der Freundschaft unserer beiden Städte inzwischen gekommen sind". Egers mit Spannung erwartete Rede  wurde von allen Beteiligten positiv aufgenommen. Dass Speyerer und Ravennaten am Freitag auf der Piazza del Popolo diesen wichtigen italienischen Gedenktag gemeinsam begingen, war ein eindrucksvolles Zeichen dieser Städtefreundschaft.   

"Café? Ja! Si!" und Pläne für die Zukunft

Café? Ja! Si! im Teatro RasiAbgerundet wurde das dreitägige Jubiläumsprogramm mit "Café? Ja! Si!", einer deutsch-italienischen Theaterproduktion der "Compagnia Beppe Aurilia" und des Kinder- und Jugendtheaters Speyer. Dabei verwoben Schauspieler aus Speyer und Ravenna im "Teatro Rasi" Themen wie Glücksspiel, Ehrlichkeit, Freundschaft, Betrug und Tratsch zu einer turbulenten "Commedia dell arte" und nahmen ganz nebenbei noch deutsch-italienische Befindlichkeiten auf´s Korn. Das Stück spielt in einem Café auf einer namenlosen Piazza in Venedig am Karnevalstag, wobei sich Regisseur Beppe Aurilia Anregungen von Goldoni und Fassbinder holte.

Mit vielen positiven Erfahrungen sind die Teilnehmer der Speyerer Bürgerreise aus der italienischen Partnerstadt Ravenna zurückgekehrt. Alle Beteiligten der Reise zum 25-jährigen Bestehen der Verbindung, darunter die Schauspieler des Kinder- und Jugendtheaters, der Musikschule, Andrea Niessen als Repräsentantin des Künstlerbundes, Stadträte und Teilnehmer der Bürgerreise zeigten sich beeindruckt von der Gastfreundschaft in Ravenna. Dabei wurde die Beteiligung von Speyerer Kultureinrichtungen am Jubiläumsprogramm in Ravenna sehr positiv aufgenommen.

In dieser Richtung sieht auch Oberbürgermeister Hansjörg Eger die Zukunft der Städtepartnerschaft: In einem Arbeitstreffen mit Beigeordneter Valentina Morigi und anderen Repräsentanten der Stadt Ravenna wurde vereinbart, künftig verstärkt auf Begegnungen und Projekte mit jungen Menschen aus beiden Städten zu setzen. Eger hat außerdem zugesichert, mit gemeinsamen Projekten im Kulturbereich die Bewerbung Ravennas zur Kulturhauptstadt Europas 2019 zu unterstützen. Auch bei den Schulen und im wirtschaftlichen Bereich sollen die Kontakte enger geknüpft werden. Ein Wirtschaftsverband von Handwerkern sowie kleineren Unternehmen aus der Emilia Romagna, in dem rund 6000 Betriebe organisiert sind, will dazu im Dezember, beim anstehenden Besuch der Ravennaten in Speyer, erste Kontakte knüpfen.             

                                                                                                      Matthias Nowack

 
 
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