SchUM-Städte


Judenhof Eingang des Judenbads
Judenhof Eingang des Judenbads


Die herausragende Bedeutung der mittelalterlichen rheinischen SchUM-Städte für die Entwicklung des europäischen Judentums ist unbestritten. SchUM ist ein Akronym aus den Anfangsbuchstaben der hebräischen Namen von Speyer (Schpira), Worms (Warmaisa) und Mainz (Magenza). Die jüdischen Gemeinden bildeten einen einflußreichen geistig-religiösen Verbund, der bis heute im Judentum ein „Begriff“ ist. Die Gelehrten der SchUM-Städte und ihre Taldmudschulen zogen Lernende aus einem großen Umkreis an.

In der jüdischen SchUM-Lebenswelt entstanden die Grundlagen des jüdischen Lebens nördlich der Alpen. Über Jahrhunderte tradierte kulturelle Lebensformen wurden verknüpft und weiter entwickelt. Diese als aschkenasisch bezeichnete Tradition breitete sich seit dem späten Mittelalter auch z.B. nach Osteuropa aus und wirkt auch heute noch fort (USA, Israel).

Judenhof - Mauern der mittelalterlichen Synagoge
Judenhof - Mauern der mittelalterlichen Synagoge

Die erheblichen baulichen Überreste, besonders in Worms und Speyer, geben Zeugnis für diese einzigartige jüdische Kultur, die gerade im Austausch mit der christlichen Kultur der drei rheinischen Bischofsstädte einen eigenen Charakter fand. Der jüdische Friedhof „Heiliger Sand“ in Worms ist der älteste erhaltene jüdische Friedhof in Europa.

Er entstand zur Zeit der Einweihung der ersten Wormser Synagoge um das Jahr 1034. Die ca. 2.000 Gräber des Friedhofs, darunter auch etliche Grabdenkmäler berühmter Rabbiner, sind bis heute ein Ziel für jüdische Besucher aus der ganzen Welt. Aus Mainz, wo die baulichen Überreste weniger umfangreich sind, stammen immerhin die ältesten jüdischen Grabsteine nördlich der Alpen: Die Stadt beherbergte bis zum 11. Jahrhundert die älteste und bedeutendste jüdische Gemeinde Mitteleuropas.

In Speyer konzentrieren sich die kultischen Überreste der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde um den sogenannten Judenhof in der Kleinen Pfaffengasse. Die Gemeinde konnte gegen Ende des 11. Jahrhunderts dank der Unterstützung durch den Speyerer Bischof Rüdiger Huzman in der Domstadt Fuß fassen. Im Judenhof entstand in der Folge eine Männersynagoge, die zu den ältesten Synagogen nördlich der Alpen zählt und später um 1250 durch ein Frauenbethaus ergänzt wurde.

Jüdisches Ritualbad
Jüdisches Ritualbad

Das kaum jüngere jüdische Ritualbad (Mikwe) von Speyer blieb nahezu unverändert erhalten: Ein tonnengewölbtes Treppenhaus führt über einen Vorraum zum 10 m tief gelegenen quadratischen Badeschacht mit Kreuzgratgewölbe. Hier wurde die nach den mosaischen Gesetzen vorgeschriebene kultische Reinigung durch Untertauchen in kaltes „natürliches“ Wasser vorgenommen.

Das Ensemble des Judenhofs hat im Jahr 2010 mit der Eröffnung des Museums SchPIRA eine wichtige Ergänzung erfahren: Das didaktisch gut aufbereitete Museum vermittelt den Besuchern mit Hilfe seiner archäologischen Exponate und Texttafeln einen Einblick in das kultisch-rituelle Leben der Speyerer Juden (Synagoge, Ritualbad und Friedhof).

Unabhängig von den Bemühungen der SchUM-Städte, auf die Welterbeliste zu gelangen, werden derzeit gerade beim Museum „SchPIRA“ weitere Angebote entwickelt: Neben einem neuen Medienraum, in dem mehrsprachige Filme zur Mikwe bzw. zum Judenhof präsentiert werden, ist im Januar 2013 eine interaktive Medienstation als weitere kleine Attraktion eingerichtet worden. Zwischen November 2012 und Frühjahr 2013 wurden im Museum in einer mehrmonatigen Schau die aktuellen Erkenntnisse der Bauforschung und Archäologie zum Judenhof präsentiert. Die Ausstellung war zugleich vorbereitender Teil eines großen Buchprojekts zum Thema. Derzeit (Sommer 2014) stehen die Planungen für die Umsetzung einer neuen Homepage des Jüdischen Museums an.


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