Jüdisches Erbe

Mauern der mittelalterlichen Synagoge, © Klaus Venus

Zwischen 1084 und 1349 entfaltete sich in Speyer ein reiches jüdisches Gemeindeleben. Steinerne Zeugen dieser Vergangenheit sind die Ruine der Synagoge und das Ritualbad. Im Judenhof und dem Museum SchPIRA können Sie in diese Epoche eintauchen.

 

Mauern der mittelalterlichen Synagoge, © Klaus VenusDie Ruine der Synagoge ist der älteste aufrecht stehende jüdische Kultbau in Mitteleuropa aus dem Mittelalter. Das jüdische Ritualbad (Mikwe) fand erstmals 1126 Erwähnung und blieb nahezu unverändert über die Jahrhunderte hinweg erhalten. Es ist eines der ältesten noch erhaltenen dieser Art und von besonderer kulturhistorischer Bedeutung.  

Geschichte

Bischof RLogo SCHUM-Städteüdiger Huzmann siedelte 1084 in der Nähe des Domes Juden an. Bischof und Kaiser statteten sie mit günstigen Privilegien aus. Zum Mittelpunkt der Siedlung wurde der Judenhof, das kultische Zentrum mit Männer- und Frauensynagoge sowie dem rituellen Kaltbad (Mikwe). Die Gemeindemitglieder waren im Fernhandel und Bankwesen tätig und verfügten über weitreichende wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zu jüdischen Niederlassungen in Südeuropa und über die islamischen Länder am Mittelmeer sogar zum Nahen und Fernen Osten. Durch ihre Weltoffenheit, ihre Kenntnis fremder Schriften und Sprachen und ihre religiöse Gelehrsamkeit bildeten sie eine wirtschaftliche und geistige Elite innerhalb der städtischen Bevölkerung. Die jüdischen Gemeinden von Speyer, Mainz und Worms schlossen einen Bund namens "SchUM", nach den hebräischen Anfangsbuchstaben der Städte, den Juden in ganz Deutschland als Autorität in rechtlichen und religiösen Fragen anerkannten.

Als die Pest sich 1349 in Europa ausbreitete, wurden allerorts die Juden dafür verantwortlich gemacht, sie wurden verfolgt, ihre Kultstätten und Häuser in Brand gesteckt. So geschah es auch in Speyer. Einige Jahre später kamen zwar wieder Ju Judenbad, Glasdach des Ritualbads, © Klaus Venus den nach Speyer, aber ihre Gemeinde erlangte nie mehr die Beutung, die sie in ihrer Blütezeit hatte. Erst im 19. Jahrhundert wuchs die Zahl der Gemeindemitglieder wieder, aber der Antisemitismus veranlasste viele wieder zur Abwanderung und Emigration. 1939 lebten nur mehr 77 Juden in Speyer, die fast alle dem Holocaust der Nationalsozialisten zum Opfer fielen. Erst seit Mitte der neunziger Jahre gibt es in Speyer wieder eine jüdische Gemeinde. Für sie wurde in Speyer gemeinsam von der Jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, dem Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Speyer zwischen 2008 bis 2011 eine neue Synagoge auf dem Grundstück der ehemaligen Kirche St. Guido erbaut.

Schon seit 1888 bestattet die israelitische Gemeinde Speyers ihre Toten auf dem jüdischen Friedhof an der Wormser Landstraße. Um Angehörigen in aller Welt die Suche nach ihren Speyerer Vorfahren zu erleichtern, bieten wir Ihnen auf diesen Seiten eine detaillierte Fotodokumentation der einzelnen Gräber. In der Datenbank können Sie gezielt nach Namen, Geburts- und Todestag suchen. Bitte nutzen Sie auch den von Johannes Bruno und Gerhard Wendler erstellten Plan des jüdischen Friedhofs, um die Grabstellen zu finden.

Die Synagoge, die 1104 geweiht wurde, war ein romanischer Hallenbau mit ca. 10,5 m Breite und 17,5 m Länge. Die Überreste der Synagoge werden als der älteste aufrecht stehende jüdische Kultbau aus dem Mittelalter bezeichnet.


 

Die mit reichen romanischen Ornamenten verzierte Mikwe ist die älteste Anlage ihrer Art in Mitteleuropa.


 
 




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