Den Fremden willkommen heißen

Speyer hat sich zu einer liebenswerten und weltoffenen Stadt entwickelt. Als Ort, der offen ist für alle Menschen, die zu uns kommen und hier ein neues Zuhause suchen, wollen wir es auch bewahren.

 

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

 Portrait OB Hansjörg Eger, © Klaus VenusSpeyer hat sich zu einer liebenswerten und weltoffenen Stadt entwickelt. Als Ort, der offen ist für alle Menschen, die zu uns kommen und hier ein neues Zuhause suchen, wollen wir es auch bewahren.

 Ich bin jedes Mal stolz auf die Stadt Speyer, wenn ich, wie in den letzten vier Jahren geschehen, mehreren hundert ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern zum Erhalt der deutschen Staatsbürgerschaft, vielen auch bei Anerkennung von Mehrstaatigkeit, gratulieren darf. Sie werden so zu Deutschen mit einem besonderen Blick über den Tellerrand und bereichern unser Leben in ganz besonderer Weise. Eine neue Heimat zu wählen ist sicherlich nicht einfach, aber zumindest einfacher, solange man diese Wahl frei treffen kann. Dabei war es mir ein besonderes Vergnügen, meinen liebsten Speyerer Rosenverkäufer Rashid einzubürgern. Er ist lebendiges Beispiel guter Integration ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen.

 Schwieriger wird es jedoch für die Betroffenen, wenn sie keine freie Wahl haben, sondern auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, egal aus welcher Notlage heraus. Ehrenamtliches Engagement in diesem Bereich ist höchst anerkennenswert. Auf die Speyerer Bürgerschaft kann man sich in diesem Zusammenhang verlassen. Viel Ehrenamt zeigt sich in der Betreuung von Asylbewerbern, bei Sprachkursen, bei der Einbeziehung in die Familie, bei der Hilfe auch mit Behörden.

 Nur mit dieser vielfältigen Unterstützung kann, und das ist mir sehr bewusst, das von mir gewünschte und geförderte Konzept einer möglichst dezentralen Unterbringung von Asylbewerbern funktionieren. Ich werde mich weiter um dezentralen Wohnraum für Asylsuchende bemühen und weiß dabei viele an meiner Seite. Wobei nach dem Obdach die Unterstützung beim Ankommen in Speyer kommen muss. Hier danke ich allen Helfern, angefangen beim interreligiösen Kreis, dem runden Tisch Asyl, Caritas, Diakonie, Elternkreisen an Schulen, Privatpersonen und den „Mosaik“-Nachbarn des Erlichhauses für die tatkräftige Hilfe. Die Ratschläge des neugewählten Beirates für Migration und Integration mit der Vorsitzenden Selda Ünsal nehme ich gerne auf und sichere meine Unterstützung bei der wichtigen Arbeit zu. Gleichzeitig danke ich dem bisherigen Beirat für die geleistete Arbeit.

 Ich freue mich über jeden zusätzlichen Bürger in Speyer, und bedauere jeden, der nicht freiwillig, sondern aus Not in unsere Stadt kommt.

Ich betrachte jeden Menschen, der hier lebt, als Teil der Speyerer Bürgerschaft, unabhängig davon, ob diese Person aus einer alten Speyerer Familie seit Generationen hier verwurzelt ist oder wie ich, als Sohn eines aus der ehemaligen DDR Geflohenen hier Wurzeln geschlagen hat, oder erst noch dabei ist einen sicheren Standort für die Wurzeln zu suchen. Gleiches gilt für Menschen aus Somalia oder Syrien, die Morgen bei uns Zuflucht suchen. Wer unsere Grundrechte achtet, wer die Menschenwürde respektiert, darf die Speyerer Gastfreundschaft genießen und darf, wenn er/sie dauerhaft hier bleiben will, sein Lebensglück in Speyer suchen. Dass man es hier finden kann, wissen Sie alle, die Sie gerne hier leben. Und für alle neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger müssen wir die menschlichen Grundlagen schaffen und erhalten.

Mit großer Sorge verfolge ich Äußerungen, die eine Abschottung und Ausgrenzung von Menschen fordert, die sich aus Not und Verzweiflung heraus auf den Weg zu uns gemacht haben. Mit Sorge höre ich Parolen, die Menschen deshalb ablehnen, weil sie nicht hier aufgewachsen sind. Mit Sorge vernehme ich Forderungen, denen, die weniger haben als wir, die Tür zuzuschlagen. Ich will nicht blauäugig erscheinen. Es ist mir bewußt, dass jeder einzelne Mensch gut aber auch böse sein kann. Einem guten Menschen jedoch in der Not die Hand nicht zu reichen, weil man aus Unwissenheit Angst hat, dass er böse sein könnte, ist mit meinem Menschenbild und meinem Bild von einer menschlichen Stadt nicht vereinbar. Hier gilt es, den vereinfachenden Parolen entgegenzutreten und Pauschalierungen zu entkräften. Und dies gilt unabhängig davon, ob es um ausländische, andersgläubige oder Menschen mit Beeinträchtigungen geht.

                      Auszug aus der Neujahrsansprache von OB Hansjörg Eger am 9.1.2015