OB Eger zum Internationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus

Portraitfoto von OB Eger, © Karl Hoffmann

20 Jahre Erinnern-Gedenken-Mahnen in Speyer

Begleitprogramm

Seit zwanzig Jahren versammeln wir uns in Speyer, um am Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern.

 

Portraitfoto von OB Eger, © Karl HoffmannLiebe Bürgerinnen und Bürger,

seit zwanzig Jahren versammeln wir uns in Speyer, um am Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus zu erinnern. „Die Erinnerung darf nicht enden“, forderte Altbundespräsident Roman Herzog, von dem unser Land mit einem Staatsakt diese Woche Abschied genommen hat. In unserer Einladung zitieren wir alljährlich aus seiner Proklamation zu diesem Gedenktag, den er aus der Überzeugung heraus ins Leben gerufen hat, dass es "ohne Erinnerung weder Überwindung des Bösen noch Lehren für die Zukunft geben wird."

Lehren für die Zukunft wollen all jene nicht ziehen, die in diesen Tagen die „erinnerungspolitische Wende“ fordern. Ganz im Gegenteil dazu, fordere ich, dass wir dass wir nicht nur Fördergelder für den Erhalt der NS-Gedenkstätte in Gurs einsetzen, sondern in Stadt und Land unsere Erinnerungskultur und Bewältigungspolitik schärfen.

Zur Vermeidung des Verdrängens, freu ich mich darüber, dass wir uns in Speyer ganz besonders der Zeit 1933-1945 widmen werden und diese wissenschaftlich aufarbeiten. Und ich sage in aller Deutlichkeit: Ich bin dankbar, dass wir in der Mitte unserer Hauptstadt ein Mahnmal an die schändlichste Zeit Deutschlands haben. Wer anderes fordert, hat die menschliche Scham verraten.

Das Fremde darf gerade nicht als das Böse gelten und das Fremde dient uns nicht als Projektionsfläche für jede Art von Ängsten, Stereotypen und Feindbildern. Auch in unseren Stadtmauern sind geistige Brandstifter unterwegs und wollen Ängste schüren, indem sie beispielsweise das Schild unserer israelischen Partnerstadt Yavne maßstabsgetreu ersetzen – vermutlich dieselben, die zwei unserer gelben Ortsschilder mit der Aufschrift „Sichere Grenzen- Sichere Zukunft!“ präparierten.

Vor diesem tagespolitischen Hintergrund, ist es wichtig und richtig, dass wir unserer Erinnerungskultur gerecht werden und mit zentralen Gedenkstätten aber auch mit Stolpersteinen äußere Zeichen gegen das Vergessen von Terror und Gewalt setzen.

Ich erachte es für wichtig, dass an unseren Schulen die Zeit zwischen 1933 und 1945 gelehrt wird und bei der Vorbereitung zu dieser Gedenkfeier Jahr für Jahr Schülerinnen und Schüler sich mit unterschiedlichen Opfergruppen des Nationalsozialismus auseinandersetzen und dabei ins Bewusstsein rufen: Hass kennt keine Individualität, Leiden ist zwingend individuell.

In diesem Jahr lassen uns die Schülerinnen und Schüler am Schicksal unserer ehemaligen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger Rosa Metzger, Sarah Lehmann, Betty Blum und Alfred Cahn teilhaben. Von ihrem Schicksal sollten wir uns auch heute noch tief berühren lassen.

Berührend ist auch ein Rundgang durch die Fotoausstellung der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, die die Katholischen Erwachsenen Bildung für die 20. Auflage von „Erinnern-Gedenken-Mahnen“ nach Speyer holen konnte. Sie umfasst 26 großformatige Portraits deutsch-jüdischer Persönlichkeiten, welche die Shoa überlebt haben. So fügen sich Gesichter und Aussagen zu einer einzigartigen Studie über Trennendes und Verbindendes zusammen.

"Ich bin, was ich bin. Ein deutscher Jude." Mit diesen Worten begegnet Norbert Elias in Herlinde Koelbls Reihe "Jüdische Portraits" der Frage nach seiner Heimat. Nach eigener Aussage will die Fotografin Herlinde Koelbl mit ihren Portraitaufnahmen "zeigen, wen die Deutschen eigentlich vertrieben haben".

Ob Persönlichkeiten wie Grete Weil, Marcel Reich-Ranicki oder Simon Wiesenthal oder die vorhin erinnerten Speyerer Schicksale – sie alle bewahren uns davor Hier und Heute gleichgültig zu werden. Das "Nie wieder" soll uns ermutigen, für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben in unserer Stadt einzutreten.

Aus unserer Erinnerungsarbeit ergibt sich der Auftrag, uns jeder Art von Ausgrenzung und Gewalt entgegenzustellen und jenen, die vor Verfolgung, Krieg und Terror zu uns flüchten, einen sicheren Ort zu bieten.

Die Verleihung des Deutschen Bürgerpreises an die Stadt Speyer für das Engagement „Stadt ohne Rassismus - Stadt mit Courage“ ehrt unser Bemühen und ist gleichzeitig eine große Verantwortung mit den Bemühungen auf diesem Weg nicht nachzulassen. Zu diesen Bemühungen zählt auch diese Gedenkfeier. Und so gilt mein vielfacher Dank den Schülerinnen und Schülern der Edith-Stein-Realschule, des Edith-Stein-Gymnasiums, des Hans-Purrmann-Gymnasiums und des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums dafür, dass sie uns dieser gemahnt haben.

Darüber hinaus danke ich den Musikerinnen und Musikern des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums unter der Leitung von Anja Bosl-Ridder und Thomas Denzinger für die musikalische Begleitung des heutigen Abends.

Mein Dank gilt weiterhin den Organisatoren der Katholischen Erwachsenenbildung, welche die Gedenkveranstaltungen des 27. Januars von Beginn an unterstützen und seit vielen Jahren federführend begleiten.

Schließlich danke ich allen, die bei der Vorbereitung und Gestaltung der diesjährigen Gedenkfeier mitgewirkt haben.