Zwangsarbeiterinnen im Arbeitslager der damaligen Pfalz-Flugzeugwerke GmbH in Speyer, Foto © Stadtarchiv Speyer

Maria Koenig in Speyer

„Es war, als hätten sich die Pforten der Hölle geöffnet“ - Maria Koenig

 

Maria Koenig, Foto © Stadtarchiv SpeyerStundenlang waren Männer und Frauen eng zusammengepfercht im Zug unterwegs. Wer flüchtete, wurde erschossen. In Metz wurden sie nach Arbeitsfähigkeit selektiert. Maria kam mit 80 Frauen in die Flugwerkfabrik nach Speyer und war ab sofort die Nr. 1129 mit dem Buchstaben P – für Polen. Es folgten 18 fast unerträgliche Monate dort, untergebracht in einem Lagerschuppen, mit Kälte und Hunger, Augenschmerzen von giftigen Dämpfen, bei Bombenalarm in Gräben liegend, ständig die Angst im Nacken, nicht zu überleben.

Um die jüdischen Frauen im Arbeitslager zu identifizieren, ließ man sie in den Dom zu Speyer, um zu sehen, wer mit den christlichen Bräuchen vertraut war. Maria, die Lagersprecherin, erzählte vorher heimlich nachts allen Frauen, wie sie sich im Dom zu verhalten hätten (Kreuzzeichen, Kniebeugen, usw.). Und keine ihrer Gruppe wurde aussortiert, obwohl Jüdinnen darunter waren. Dann kam Weihnachten 1943: Mit Hilfe von Kameradinnen schlich sie heimlich aus dem Lager, um im Dom die Christmette besuchen zu können. Für zehn Minuten war sie in diesem wunderbaren Gotteshaus und konnte das Lied „Stille Nacht“ mitsingen. „Das gab mir neuen Mut, das Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, schreibt sie über dieses unvergessliche Erlebnis.

Die wie Sklaven gehaltenen Frauen im Arbeitslager standen nach dem Krieg plötzlich ohne die deutschen Wachmänner da, nur noch mit den deutschen Köchen. Maria Koenig war auf 25 Kilogramm abgemagert, als amerikanische Soldaten auftauchten und die Frauen befreiten.