Rashid's Rosen

Rashid mit einem großen Strauß Rosen, © Klaus Landry

Schwarze, leicht angegraute Haare, schlanke Gestalt, dunkle braune Augen, ein zurückhaltendes und freundliches Auftreten: So nimmt man ihn wahr, Rashid den Rosenverkäufer, der jeden Abend seine feste Tour durch die Speyerer Kneipen, Bistros und Restaurants macht.

 

 Bei Rashid kann man immer Rosen kaufen

Rashid mit einem großen Strauß Rosen, © Klaus LandryUm acht Uhr zieht er los, gegen zehn Uhr verkauft er seine Rosen an die Gäste der Domhof-Hausbrauerei, um Mitternacht ist er im Café Maximilian angelangt und danach sind die Nachtlokale an der Reihe. Bis vier Uhr morgens ist er freitags und samstags auf Rosentour, immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen, immer ein Bündel knackiger Rosen im Arm.

Siebzig bis achtzig Kneipen besucht er auf seinem schon zur Routine gewordenen Gang durch die Stadt, Nacht für Nacht. Früher waren es rund hundert Lokale am Abend. Er werde auch nicht jünger, meint Rashid schmunzelnd dazu, und bei aller Anstrengung ist ihm der Job doch an´s Herz gewachsen. Jeden Abend erlebt er neue skurrile Geschichten in der Speyerer Kneipenwelt, jede Nacht freuen sich neue Menschen über die Rosen von Rashid. Rosen sind nicht nur sein Broterwerb, er ist auch Rosenververkäufer aus Leidenschaft.

 Nie wirkt er aufdringlich

Dabei hat alles ganz anders angefangen für Ahmed Rashid, den Anwalt aus der pakistanischen Stadt Jhelum. Politische Aktivitäten in Zeiten der Militärdiktatur zwangen ihn sein Heimatland zu verlassen. 1982 wurde er in Deutschland als Asylbewerber anerkannt. Über verschiedene Stationen in der Südpfalz und eine ganze Reihe von Knochenjobs ist er Anfang der neunziger Jahre in die Domstadt gekommen. Noch heute erinnert er sich sehr genau an seinen ersten Rundgang als Rosenverkäufer in Speyer. Keine einzige Rose hat er in jener Nacht verkauft und dann, am Ende der Tour, aus Verzweiflung überall seine Rosen verschenkt. Mit dieser versöhnlichen Geste hat er skeptische Wirte und Gäste zu Freunden gemacht. 10 Jahre später, 2001, konnte er in der Heydenreichstraße mit seiner Familie einen kleinen Blumenladen eröffnen, in dem er Rosen und Telefonkarten verkauft.

Nie wirkt er aufdringlich, wenn er sich leichtfüßig durch den Gastraum von Restaurants und Kneipen bewegt. „Rote Rosen gehen immer“, sagt er. Nach fast 15 Jahren als Rosenverkäufer hat er die Psychologie seines Berufsstandes meisterhaft erfasst: In übervollen Kneipen könne er kaum eine Rose verkaufen, sagt Rashid. Aber wenn er ein Lokal betritt, in dem ein einsamer Zecher mit der Bedienung flachst, dann weiß er, dass er gleich einen ganzen Strauß Rosen loswerden kann.

 Wenn Frauen Rosen kaufen

Ahmed Rashid, der Rosenverkäufer, ist in Speyer eine Institution geworden. Alle kennen ihn. Die Kneipenwirte der Domstadt mögen ihn. Er ist in vielen Lokalen ein gern gesehener Gast, dem man wie selbstverständlich ein Getränk auf den Tresen stellt, wenn er mit seinen Rosen über die Türschwelle tritt. Stolz zeigt er ein Büchlein aus seinen ersten Jahren in Speyer, in dem sich, alphabetisch geordnet, Wirte wie Gäste mit ihren ganz persönlichen Kommentaren für den pakistanischen Rosenverkäufer verewigt haben. „Rashid ist der netteste Rosenverkäufer von Speyer“, ist dort von einem Wirt zu lesen. Und die Polizeiinspektion Speyer hat notiert: „Rashid, der einzige Rosenverkäufer mit Erlaubnis“.

„Drachenfutter“, so nannten in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts zechende Männer die Rosen, die sie bei Blumenverkäufern in den Kneipen kauften, um zu Hause ihre wartenden Ehefrauen zu besänftigen. Es sind immer noch überwiegend die Männer in den Lokalen, die seine Rosen erwerben, sagt Rashid. Vereinzelt zählen auch Frauen zu seinen Kunden. Aber wenn Frauen Rosen kaufen, so der sympathische Rosenmann, dann ist stets mit kleinen Verwicklungen zu rechnen. Heiter wird es insbesondere dann, wenn die Rosenkäuferinnen vorübergehend unerkannt bleiben wollen und Rashid als Boten ihrer Zuneigung für einen Auserwählten nutzen.

Man kann immer Rosen kaufen. Wer was anderes behauptet, trägt an der Stelle seines Herzens einen kalten Stein. Und wer den Rosenverkäufer Rashid nicht auf seinen nächtlichen Touren trifft, der kann sich in Speyer auf einen sehr speziellen Lieferservice verlassen: Unter der Mobilnummer 0 171 2 64 50 00 kann man bei Rashid rund um die Uhr Rosen bestellen.

                                                                                                          Matthias Nowack