Die Maximilianstraße

Straßencafé vor der Alten Münze, © Klaus Venus

An einem lauen Abend unter Palmen und Oleander in einem Café an der Maximilianstraße zu sitzen und sich mit einem Cappuccino dem italienischen Dolce Vita hinzugeben, zählt zu den vornehmsten Beschäftigungen in dieser Stadt. 

 

Von der Sehnsucht nach Italien

Die Maximilianstraße in der Abenddämmerung, © Klaus VenusDie Speyerer wissen es längst: In der Maximilianstraße schlägt das Herz der Stadt. Hierher zieht es alle, die Speyer sehen wollen und auch alle, die sich gerne zeigen. Zum Einkaufen, Flirten und Flanieren ist dieser Prachtboulevard der ideale Erlebnis-Ort.

Wer hier sitzt und das Auge schweifen lässt, sollte nicht vergessen, dass die Maximilianstraße in ihrer langen Geschichte fast alles gesehen hat, Aufmärsche, Paraden und Prozessionen eingeschlossen: Die salischen Kaiser sind hoch zu Ross und mit großem Gefolge über die „via triumphalis“ in die Stadt gezogen. Hier wurde in revolutionären Zeiten mancher Freiheitsbaum gepflanzt. Anlässlich des 60. Geburtstages eines bayrischen Königs (1816) - Speyer wurde damals von München aus regiert - hat man der Maximilianstraße ihren heutigen Namen verpasst. Hundert Jahre später erlebte sie das Imponiergehabe und die Drohgebärden der pfälzischen Separatisten (1919 und 1923) und, schlimmer noch, die Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten (1933).

Zahlreiche Prominente haben diese Straße abgeschritten

Straßencafé vor dem Hintergrund des Altpörtels, ©Klaus VenusPapst Johannes Paul II. fuhr 1987 im Papamobil Richtung Dom. Bald danach besuchten zahlreiche prominente Politiker und gekrönte Häupter im Gefolge von Altbundeskanzler Kohl die Stadt: George Bush Sen., Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, Brian Mulroney, Francesco Cossiga, Margaret Thatcher, Chaques Chirac, Vaclav Havel und der spanische König Juan Carlos - sie alle haben diese Straße abgeschritten.

Wo sich im Mittelalter Märkte für Wein, Leder und Zwiebeln drängten, flanieren die Menschen heute auf einem breit gepflasterten Boulevard, den Geschäfte in barocken Bürgerhäusern säumen. Den motorisierten Verkehr hat man seit einigen Jahren weitgehend aus dem Straßenbild verbannt, eine Fußgängerzone hat dem Einkaufsbummel und der Kaffeehaus-Kultur Raum gegeben. Die Zahl der italienischen Cafés an diesem sanft geschwungenen Bogen zwischen Altpörtel und Kaiserdom ist Legende, woraus man schließen könnte, dass der Verkauf von Kaffee-Getränken ein einträgliches Geschäft darstellt. „In Speyer fängt die Pfalz an Italien zu werden“, erzählen die Pfälzer jedem, der es hören will. Sobald die ersten Sonnen­strahlen locken, entsteht galante Geschäftigkeit an den vornehmlich italienisch bewirteten Kaffeehaus-Tischen. Feine Espresso und Cappuccino-Aromen verleiten schlagartig Passanten zum Müßiggang.

Der Cappucino und die Kapuziner

Maximilianstraße mit Blick zum Dom, © Klaus VenusDer Cappuccino hat, wie wir alle wissen, seine Heimat in Italien. Seinen Namen verdankt er dem Kapuzinermönch, der nach seiner „capuccio“, der Kapuze seiner Kutte, benannt worden ist. Dem Cappuccino in der Tasse wird durch eine weiße üppige Schaumkrone aus Milch ebenfalls eine Kapuze aufgesetzt. Die klangvolle Namensgebung wurde darüber hinaus durch die Tatsache erhärtet, dass die Farbe der Kutte, die diese Mönche trugen, den idealen Braunton des aromatischen Kaffee-Getränkes traf. Die Söhne des Franziskus von Assisi, wie sich die Kapuziner gerne nennen, nutzen übrigens die Werbewirksamkeit des Kapuzen-Kaffees auch selbst sehr gerne. Zum Weltjugendtag 2005 haben sie in unmittelbarer Nachbarschaft des Kölner Domes ein „Café Cappuccino“ eröffnet, in dem müde Pilger mit einem frischen Cappuccino aufgepeppt wurden, den geistlichen Beistand inbegriffen.

Diesen Service haben die Cafés in der Maximilianstraße bisher nicht im Programm, obwohl manche, die dort sitzen, von den wohltuenden Wirkungen eines geistlichen Rates durchaus profitieren könnten. Die allermeisten Gäste im Café „Maximilianstraße“ werden einfach nur ein wenig plaudern, ihre Blicke schweifen lassen und die großartige Kulisse genießen wollen.

Allerdings wird mit jedem Cappuccino dort auch die Sehnsucht nach Italien wachsen, die in dieser Stadt ohnehin tiefe Wurzeln ausgebildet hat. Nicht nur die salischen Kaiser hatten eine ausgesprochene Vorliebe für das Land jenseits der Alpen. Auch die beiden großen Maler der Stadt, Anselm Feuerbach und Hans Purrmann hat es immer wieder dort hingezogen, wo die Zitronen blühen. Kein Wunder also, dass die Maximilianstraße nach der „Befreiung“ vom lästigen Autoverkehr wieder ihren südlichen Charme verbreiten kann. Von italienischen Cafés und ihrem populären Kaffeegetränk, dem Cappuccino, wird sie in den Sommermonaten zur Freude zahlreicher Passanten fast gänzlich in Besitz genommen.

                                                                                                            Matthias Nowack