Büste Sophie La Roche von Wolf Spitzer, © Klaus Landry

Sophie La Roche im Hohenfeldschen Haus

Frontalansicht auf das Hohenfeldsche Haus, © Klaus Venus
Wer in einer Zeit, in der sich die Elektronik mehr und mehr der Texte und der Bilder bemächtigt, nach der Sinnlichkeit von Büchern sucht, könnte im La Roche Haus fündig werden. Hier wird nicht nur für die weitere Verbreitung von Gedrucktem gesorgt, das aus den Sortimenten der Buchhandlungen verschwunden ist.
 

Das Hohenfeldsche Haus in der Maximilianstraße

Das Hohenfeldsche Haus in der Maximilianstraße, © Klaus VenusDie frühere Hausdame der Maximilianstraße 99, Sophie de La Roche, hätte ihre wahre Freude daran gehabt, wenn sie heute ihre Wohnung im Hohenfeldschen Haus noch einmal betreten könnte. Man hat der „Grande Dame“ der Frauenzeitschriften die „grüne Stube“ frisch gestrichen und ihr zum 275. Geburtstag mit bibliophilem Eifer am historischen Ort den längst fälligen Tribut gezollt.

Dabei wären ihr bei einem neuerlichen Besuch nicht nur die ansprechend präsentierten Nachbildungen ihrer Schriftstücke, Bücher und Devotionalien aufgefallen, die diesem Raum beinahe den Charakter einer „Pilgerstätte“ verleihen.

Begeistert hätte sie auch die Tatsache aufgenommen, dass mittlerweile ein Verlag, zwei Antiquariate und eine Galerie ihr altes Domizil mit neuem Leben füllen. Es war ein kluger Schachzug der Stadtoberen, ein Haus der Literatur und Kunst in jenem Anwesen einzurichten, in dem einst Sophie de La Roche einen literarischen Salon unterhielt und zahlreiche Geistesgrößen ihrer Zeit, darunter auch den jungen Schiller, empfing.

Bücher, Bücher, Bücher

Schreibtisch von Sophie La Roche, © Klaus LandryDer vornehmste Schatz im Hause war schon im 18. Jahrhundert die erlesene Büchersammlung des Domherrn Christoph Philipp Willibald von Hohen- feld, in der auch Sophie in ihren Speyerer Jahren reichlich Lesestoff fand. Mittlerweile werden die Bücher-regale dort mit den Sortimenten zweier moderner Antiquariate bestückt. Heute ist man auf das Verlegen hochwertiger Werke sowie auf den Handel mit alten und gebrauchten Büchern spezialisiert.

Wer in einer Zeit, in der sich die Elektronik mehr und mehr der Texte und der Bilder bemächtigt, nach der Sinnlichkeit von Büchern sucht, könnte im La Roche Haus fündig werden. Hier wird nicht nur für die weitere Verbreitung von Gedrucktem gesorgt, das aus den Sortimenten der Buchhandlungen verschwunden ist. Hier kann man auch vergessene Bücher, Kunstdrucke, Kunsthandwerk, historische Postkarten und Gemälde, alte Stiche und Stadtansichten sowie allerlei Merkwürdiges finden. Wer genau hinschaut, wird in den überbordenden Regalen und Schränken auch kleine „Kostbarkeiten“ entdecken. Das Haus ist ein Ort zum Stöbern und Sammeln, zum Aufspüren, Schauen, Lesen und Versinken, ein Treffpunkt auch für Literatur- und Kunstinteressierte aus nah und fern.

Augen und Ohren sinnliche Genüsse verschaffen

Auch einige jener Bücher wird man dort finden, die den Fingerspitzen, der Nase, den Augen und den Ohren sinnliche Genüsse verschaffen, wie sie früher zu fast jedem Buch gehörten: die Lust, einen besonderen Einband in der Hand zu halten, der Geruch des Buchbinderleims, das Gefühl beim Umblättern der Seiten aus griffigem Papier oder der satte Ton beim Schließen eines solide gebundenen Folianten. An diesem Ort lässt sie sich immer noch nachvollziehen, jene Freude am Anblick eines schön gebundenen Buches – und sei es nur der schöne Rücken, den man im Bücherregal sieht und der dazu einlädt, das Buch herauszunehmen, es zu betrachten und sich lustvoll darin zu versenken. Unsere frauenbewegte Schriftstellerin hat in der Hohenfeldschen Bibliothek vermutlich ähnlich empfunden.

Sophie de La Roche hat 1786 Speyer verlassen, um Ihrem gesundheitlich angeschlagenen Gatten nach Offenbach am Main zu folgen. Ihr Abschiedsbrief aus der Domstadt liegt dekorativ samt Feder und roter Rose auf dem Sekretär ihrer „grünen Stube“. Ungern verlaß ich das einsame, stille Speyer, schreibt sie, ungern verliere ich den unterrichtenden Umgang und die erlesene Büchersammlung des Herrn von Hohenfeld; ich verliere alles, was ich am meisten schätze, (…). Die Sinnlichkeit von Büchern ist aus der modernen Welt der digitalen Medien nahezu verschwunden. In den Mauern des Hohenfeldschen Hauses kann man sie noch heute erkunden.

Matthias Nowack

 
Antiquariate und Galerie im Haus

Verlag und Antiquariat Marsilius Tel. (0 62 32) 2 41 30

www.marsilius.de


Antiquariat Bücherwurm

Tel. (0 62 32) 29 19 43

www.buecherwurm-speyer.de


Galerie Kulturraum

Tel. (0 62 32) 62 00 02

www.galerie-speyer.de


Info

Maximilianstraße 99

Tel. (0 62 32) 14 23 92


Kurzbewertung
Für Literatur- und Bücher-freunde ein „Muss“: Geden-kraum, Sammlerparadies, Stöberstube, Anlaufstelle für das Auffinden vergessener Bücher.