Der Garten des Feuerbachhauses, © Klaus Venus

Der Garten des Feuerbachhauses

Ansicht des Gartens des Feuerbachhauses, © Klaus Venus

Anselm Feuerbach zählt zu den berühmtesten deutschen Malern des 19. Jahrhunderts. Sein Geburtshaus in der Allerheiligenstraße beherbergt nicht nur ein kleines Museum mit zahlreichen Original-Gemälden, man findet dort auch eine gemütliche Weinstube, die einfache aber schmackhafte Speisen serviert.

 

Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose

Das Feuerbachhaus in der Abendämmerung, © Klaus VenusIn der Freisitz-Saison wartet auf die Besucher des Feuerbachhauses eine ganz besondere Augenweide: Wer im Sommer auf der Rückseite des Hauses aus dem engen Flur ins Freie tritt, kann einen kleinen Barockgarten entdecken, der in der Domstadt seinesgleichen sucht. Ein historischen Vorbildern nachempfundener Rosengarten schafft anmutige Atmosphäre inmitten duftender Rosen- und Lavendel­büsche.

Eingefasst wird das hübsche Bürgergärtchen von zwei Flügeln des Hauses und einer ziegelgedeckten Mauer, in die in steinernem, schweren Rahmen eine Tür eingefügt ist. Vier Rabatten mit alten Rosen und Stauden, von Buchsbaum umrandet und angeordnet um eine zentrale Rosette geben der Gartenkunst die barocke Form. Bänke und Tische laden zum Verweilen ein. Die Bepflanzungen an den Fassaden des Hauses und in den vorgelagerten Rabatten schaffen einen Dornröscheneffekt, der durch die Vielzahl roter Rosen verstärkt wird. Alles ist sehr fein und liebevoll angelegt. Die Rosen werden von der Dame des Hauses mit Hingabe gepflegt und zur vollendeten Entwicklung gebracht. Die Gärtnerin kann mit ihnen zauberhaft komponieren.

Ein Garten als Gemälde und Kunstwerk

Der Garten des Feuerbachhauses, © Klaus VenusAlles ist geschickt arrangiert. Man spürt die architektonische und zugleich leicht verspielte Dichte des barocken Gartens. Im Rosengarten herrschen Rot-, Blau und Weiß-Töne vor. Es ist einem wohl in diesem Garten. Über dem Ganzen liegt die Kunst, die Formen so ineinander fliessen zu lassen, dass das Gesamtbild harmonisch und stimmig ausfällt. Ein Garten als Gemälde und Kunstwerk, in der Schwebe zwischen Natur und Künstlichkeit.

Bereits Henriette Feuerbach, die Stiefmutter des berühmten Malers, sprach von einem „idyllischen Gärtchen, in welchem Rosen und Lilien wachsen“ in der Feuerbachstraße. Nachdem eine Bürgerinitiative 1967 das Haus vor dem Abriss bewahrte und fortan der Verein Feuerbachhaus seine Geschicke bestimmte, wurde der Garten 1987 in den alten Zustand versetzt. Nach einem Plan des Gartenbauarchitekten Siegfried Olschewski wurde er im Stil seiner Entstehungszeit umgestaltet: Mit Rosen und blühenden Blumen bepflanzt, ein Rankgerüst wurde vor der Hauswand verankert, mit Pflasterbändern und Kiesel wurden die Wege gestaltet.

Allegorie für die Gefilde der Seligen

Als die Götter die Erde betraten, verletzte sich die schöne Venus auf einem ihrer ungezählten Abenteuer beim Versuch, den jugendlichen Adonis vor den Nachstellungen des wilden und gewalttätigen Kriegsgottes Mars zu schützen, empfindlich den Fuß an einem bis dahin unbeachtet und still vor sich hin blühenden strauchigen Gebüsch. Doch das Wunder geschah, und die Blüten des bis dato weiß blühenden Strauches färbten sich, vom Blut der Liebesgöttin getroffen, feurig rot. Venus schloß den Strauch sofort in ihr Herz, sie machte die Rose zur Blume der Liebe. Fortan galt die Rose als heilig und von göttlicher Natur.

In der Kunst ist der Rosengarten oft Allegorie für das Paradies, für die Gefilde der Seligen – die Wohnung der Seelen. Die griechischen Götter legten Rosengärten an, in denen sie zu verkehren pflegten und von welchen aus mancherlei Geschichten ihren Lauf nahmen ... Im barocken Gärtchen des Feuerbachhauses werden keine antiken Mythen geschrieben, man kann aber bei einem guten Pfälzer Wein und einem hausgemachten Wurstsalat die anmutige Kulisse im alten Stil bewundern.

Matthias Nowack