Brezelbilder

Brezelbild von Johannes Steinhäuser, © Johannes Steinhäuser

Wie hat eine Speyerer Brezel auszusehen? Sie muss dünn und knusprig, mit schmackhafter Lauge ummantelt und mit reichlich Salz bestreut sein. Niemals dick und aufgequollen, schon gar nicht an der oberen Seite aufgesprungen und weißen Teig zeigend, wie etwa die badischen, bayrischen und schwäbischen Modelle.

 

Die Brezelbilder der Brüder Steinhäuser

Brezelbild, © Johannes SteinhäuserDass manche Speyerer Brezel nicht für den Verzehr, sondern als Kunst­objekt - sozusagen für die Ewigkeit - auserkoren wird, verdanken wir dem Einfallsreichtum von Johannes und Peter Steinhäuser, die sich neben vielen anderen kreativen Ideen seit einigen Jahren auch der Brezelkunst verschrieben haben. 

Keine Frage, die Brezel ist „Kult“ in dieser Stadt. Im Sommer ist ihr ein großes Volksfest gewidmet, auf der Maximilianstraße wird sie in gläsernen Brezelbuden feilgeboten und bei Empfängen im Rathaus zählt sie mit einem Glas Pfalzwein zum städtischen „Traditionsgedeck“. Kein Wunder also, dass auch zwei „Brezelbuben“ im Stadtbild an exponierter Stelle verewigt sind: sie zieren den Handwerker-Brunnen auf dem Königsplatz und ein Relief auf der Konsole über dem Hauptportal der Domvorhalle.

Kenner achten auf die echte Speyerer Brezel

Brezelbild von Johannes Steinhäuser, © Johannes SteinhäuserIn den Backstuben von Speyer werden an normalen Tagen bis zu 3.000 Brezel frisch gebacken. Sie werden in allen Lebenslagen verzehrt und gelegentlich auch in der Suppe serviert. Mit jenen schockgefrosteten und wiederaufgebackenen Brezel-Teiglingen, die bundesweit die Bäckerei-Filialen überschwemmen, haben die echten Speyerer Brezeln allerdings wenig gemein. Kenner achten auf diesen Unterschied und werden, wenn immer möglich, zur „echten“, frisch gebackenen Brezel greifen.

Was aber tun jene Speyerer, die aus beruflichen oder persönlichen Gründen in fernen Ländern ihr Dasein fristen? Wie versorgt man jene mit Brezeln, die sich, in der Fremde von melancholischen Erinnerungen an die Domstadt geplagt, regelmäßig in das Internet-Portal der Stadt einloggen, um die auf den Kaiserdom gerichtete Web-Cam oder wenigstens ein paar Photos von der Maximilianstraße und vom letzten Brezelfest abzurufen?

Die Brezelbilder mit der persönlichen Note

Brezelbild von Johannes Steinhäuser, © Johannes SteinhäuserTrost können in solchen Fällen die Brezelbilder und -objekte von Johannes und Peter Steinhäuser spenden. Für manchen Speyerer im Exil sind sie zu einem Stück Heimat in der Fremde geworden. Kaum zu glauben, aber die Dinger sind echt! Sie werden sorgfältig konserviert (Ateliergeheimnis!) und nach individuellen Vorgaben „ver­kleidet“. Nicht jede Brezel eignet sich für dieses komplizierte Veredlungsverfahren. Nur die anmutig geschlungene Form kommt für die weitere Verarbeitung in Frage. Schließlich leiten wir den Namen der Brezel von den lateinischen „bracchiola“ ab, den „Ärmchen“, die ineinander verschlungen werden.

Für das „Brezelbild mit der persönlichen Note“ haben die beiden Steinhäuser-Brüder schon viele exotische Wünsche erfüllt: Ihre Brezel-Objekte sind gekachelt, gepflastert, mumifiziert oder silberumhüllt auf roten Samt gebettet. Entsprechend exotisch ist auch die Namensgebung solcher Brezelkreationen: Für Freunde portugiesischer Fliesen gibt es eine „Portugiesische Kachzel“, historisch Interessierte freuen sich über eine Grabbeigabe Konrads II. (Edelausführung in Silber), Archäologie-Fans schenkt man den „Grabfund“ mit Hieroglyphen, jungen Rekruten das „Kommissbrot“, Ärzten das gepflasterte „Kaputzel“, Piercing-Freaks das „Piercel“ und Afrika-Freunden eine „Zebrazel“. Manche Brezeln erhalten weiche flauschige Flügel oder werden mit Packpapier umwickelt und mit einer gestempelten Briefmarke versehen (Model: „Päckchen aus Speyer“). Individuelle Wünsche setzen die beiden Brezel-Veredler gerne in die Tat um. „Jede für sich ist ein Unikat, alles reine Handarbeit“, betont Johannes Steinhäuser.     

Die Brezel ist Bestandteil der Speyerer Identität

Sie sind echte Speyerer Buben, die beiden Steinhäuser-Brüder, aufgewachsen mit der Brezel zwischen Altpörtel und Dom. Beide fühlen sich ihrer Heimatstadt sehr verbunden, die Brezel ist für sie integraler Bestandteil der Speyerer Identität. Brezel-Unkundigen schreibt Peter Steinhäuser ins Stammbuch: „Im Urlaub fehlt sie! In die USA darf sie aus lebensmittelrechtlichen Gründen nicht eingeführt werden. Aber als Kunstobjekt getarnt, kann man sich die Speyerer Brezel ohne Probleme nachschicken lassen.“ Was im Atelier der Steinhäuser-Brüder geschaffen wird, ist „Brezelkunst“ von der kuriosen Sorte. Man kann sie im Übrigen nicht nur in die weite Welt verschicken. Viel naheliegender ist noch, sie einfach zu Hause aufzuhängen.

Matthias Nowack