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Der Adenauer Park

Anmutiger Park zum Durchatmen und Schauen - mit Gotischer Kapelle und Altem Friedhof. In seiner Vielfältigkeit ein mächtig unterschätztes Stück Grün.
 

Ein Ort der Stille und der Schönheit

Gotische Kapelle im Adenauerpark, ©Matthias NowackWer Musestunden auf einer Bank im Grünen schätzt und einen geschichtsträchtigen Ort zum Träumen sucht, der kann unweit des Speyerer Bahnhofs auf eine anregende Zeitreise gehen. Von zwei innerstädtischen Verkehrsachsen begrenzt (Wormser Landstraße und Bahnhofstraße), schlummert hinter hohen Mauern eine der interessantesten Parkanlagen der Stadt, der Adenauerpark. Er ist als Grünanlage noch keine fünfzig Jahre jung, als Begräbnisstätte schon Jahrhunderte alt. In dem auch unter dem Namen „Alter Friedhof“ bekannten Park kann man neben der Gotischen Kapelle – oft versteckt unter Bäumen und Sträuchern – noch eine ganze Reihe alter Grabsteine entdecken.

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts befand sich an dieser Stelle der Friedhof der Stadt, wobei verbürgt ist, dass ein Ratsherr namens Jost Thiel bereits 1502 seinen Garten am Hirschgraben als Begräbnisstätte für Arme und Fremde zur Verfügung stellte. Fast vier Jahrhunderte wurde dieses Areal als Friedhof genutzt. Neben den Armen wurden später auch Bürgermeister und Honoratioren bestattet, deren Grabsteine teilweise gut erhalten sind oder restauriert wurden. Nach seiner Schließung im Jahre 1881 dämmerte der Gottesacker mehr als siebzig Jahre vor sich hin. Erst Mitte des vorigen Jahrhunderts machten engagierte Bürger der Stadt auf die Verwilderung und den Verfall aufmerksam. 1958 wurde er dann im Stil der 50er Jahre und mit Rücksicht auf den vorhandenen Friedhof in die heute sichtbare Form gebracht, wobei die Namensgebung „Adenauerpark“ dem Zeitgeist entsprang, zweifellos den Altkanzler ehrt, die zeitlose Beschaulichkeit des alten Gräberfeldes aber nicht ganz trifft.

Windschiefe Grabsteine, Kreuze und Säulen

Grabstein des Alten Friedhofes, © Matthias NowackDie Stimmung, die dort herrscht, ist einzigartig. Unter knorrigen Bäumen stehen windschiefe Grabsteine, Kreuze und Säulen, von Efeu, Farnen und Sträuchern überwachsen. Einige sind so verwittert, dass man die Inschriften nicht mehr lesen kann. Auch zerborstene, von Gras überwucherte Platten wird der aufmerksame Beobachter dort finden. Zwischen den Grabsteinen schattenloses Licht, darüber nur Vogelzwitschern und Blätterrauschen. Ein romantischeres Bild für die Vergänglichkeit alles Irdischen lässt sich kaum denken. Nur einen Steinwurf von der pulsierenden Bahnhofstraße entfernt, fühlt man sich in dieser zeitlosen Idylle schnell an den Rand des Universums versetzt.

Versteckt hinter Bäumen steht die Gotische Kapelle, deren Bau bereits 1516 abgeschlossen war. Um 1520 wurde der Ölberg aus Sandstein geschaffen. In der Reformationszeit wurde die Kapelle samt umliegendem Friedhof den Lutheranern zugesprochen. Sie blieb die einzige lutherische Kirche in Speyer bis zur Einweihung der Dreifaltigkeitskirche (1717). Heute bietet das alte Friedhofskirchlein für wenige Wochen im Sommer den reizvollen Rahmen für eine kammermusikalische Reihe, die seit über zwanzig Jahren von Chören und Orchestern angeboten wird.

Melancholischer Zauber

Rückseite der Gotischen Kapelle im Adenauerpark, © Matthias NowackDer alte Friedhof inmitten malerisch wuchernder Bäume und Sträucher ist ein Ort von melancholischem Zauber. Scheinbar Gegensätzliches, Vergangenheit und Gegenwart, Zeit und Ewigkeit – aber auch der herrliche alte Baumbestand und eine Fülle exotischer Gewächse lassen die Gärtner hier ineinander fließen: Grabsteine und Spielgeräte für Kinder, botanische Raritäten, japanische Schnurbäume, Stieleichen, Silberlinden, Zimtahorn, Schlangenfichten, Zürgelbäume und Orangenkirschen bilden hier ein ungewöhnliches Neben- und Miteinander.

Die Gotische Kapelle, ein Seerosenteich mit Goldfischen sowie zahlreiche Sitz- und Spielmöglichkeiten machen den mehr als eineinhalb Hektar großen Park zu einem kleinen Garten Eden. Man kann dort bestens schlendern, träumen und in den Himmel schauen. Altdeutsch: lustwandeln, neudeutsch: chillen. Was daran besonders sein soll? Dass dort wunderschöne alte Grabsteine stehen. Dass man dort bis hin zu den Metallverzierungen noch eine Parkanlage im Stil der 50er Jahre bewundern kann. Und dass dieser Park einfach so da ist, für jeden verfügbar, und die Neugierigen schon nach den ersten Schritten leichtfüßig in andere Welten wechseln lässt.  
                                                                                                               Matthias Nowack

 
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Anmutiger Park zum Durch- atmen und Schauen. In seiner Vielfältigkeit ein mächtig unterschätztes Stück Grün.