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Zukunft Rhein-Neckar-Dreieck

Synagoge

 

Die Synagoge der mittelalterlichen Judengemeinde von Speyer

Besichtigungen, Anmeldungen für Führungen: Touristinformation Speyer

Öffnungzeiten: 

von April bis Oktober täglich 10:00 bis 17:00 Uhr

Standort: Kleine Pfaffengasse, Tel.: (0 62 32) 29 19 71

Die mittelalterliche Judengemeinde in Speyer entstand 1084 auf Initiative des Speyerer Bischofs Rüdiger. Von ihrem Anfang bis in die Mitte des 13. Jahrhunderts gehörte die Heilige Gemeinde von Speyer zu den bedeutendsten Judengemeinden Mitteleuropas.

Die Speyerer Juden waren, von Bischof und Kaiser mit günstigen Privilegien ausgestattet, im Fernhandel und Bankhandel tätig. Sie verfügten über weitreichende wirtschaftliche und kulturelle Verbindungen zu jüdischen Niederlassungen in Südeuropa und über die islamischen Länder am Mittelmeer sogar zum Nahen und Fernen Osten. Durch ihre Weltoffenheit, ihre Kenntnis fremder Schriften und Sprachen und ihre religiöse Gelehrsamkeit bildeten sie eine wirtschaftliche und geistige Elite innerhalb der städtischen Bevölkerung. Die Weisen von Speyer, so die sprichwörtliche Bezeichnung der mittelalterlichen Rabbinne, beeinflußten mit ihrer Lehre und ihren Schriften maßgeblich das abendländische Judentum.

Ursprünglich siedelte Bischof Rüdiger die Juden nördlich der Innenstadt in der Vorstadt Altspeyer an. Wenige Jahre später jedoch verlagerte sich seit dem Kreuzzugspogrom von 1096 ihr Siedlungsschwerpunkt von der Vorstadt Altspeyer in den Bereich der Innenstadt, südwestlich des Kaiserdoms.

Nach 1195 endete die jüdische Besiedlung in Altspeyer. Zentrum der jüdischen Ansiedlung in der Innenstadt war die "curia ludaeorum", volkstümlich als "Judenhof" bezeichnet. In dem einst viel weitläufigeren Areal haben sich als wichtigste Zeugnisse der mittelalterlichen Judengemeinde Speyers die Ruine der Synagoge und das Ritualbad erhalten.

Die Synagoge wurde am Rüsttag des Neujahrstages des jüdischen Jahres 4865, also am 21. September 1104 geweiht. Sie war ein romanischer Hallenbau mit ca. 10,5 m Breite und 17,5 m Länge. Sichtbar erhalten ist lediglich die Ostwand des Gebäudes, die Westwand wurde 1899 in das damals errichtete Wohngebäude Judenbadgasse 6 integriert. Zwei romanische Doppelbogenfenster aus der Westwand befinden sich im Bestand des Historischen Museums der Pfalz in Speyer. Von der Südwand sind noch wenige Steinschichten im Hof des Anwesens Judenbadgasse 4 erhalten.

An der Ostwand lassen sich zwei Bauphasen unterscheiden. Ursprünglich gliederten wohl analog zur Westwand auch die Ostwand zwei romanische Fenster. Zwischen den beiden Fenstern saß noch ein Rundfenster, lateinisch: Oculus, dessen Steinfassung noch vollständig erhalten ist. Aus der Ostwand ragte, eine halbrunde Apsis heraus, deren Fundament erhalten blieb. Im Innern der Synagoge barg diese Apsis den verschließbaren Schrank zur Aufbewahrung der heiligen Torarollen, hebräisch: Aron ha Kodesch. Der Toraschrein ist nach Jerusalem ausgerichtet und daher in den abendländischen Synagogen geostet. Die Apsis selbst wurde während der nachjüdischen Nutzung des Gebäudes abgerissen und die Öffnung in der Ostwand vermauert.

Über die Innenausstattung der Synagoge wissen wir nur wenig. Aus einer Notiz in der rabbinischen Literatur erfahren wir, daß sie einen mit Steinplatten belegten Boden und verglaste Fenster besaß. Spuren der Fensterrahmung sind an den beiden Fenstern der Westwand erhalten.

Da die Tätigkeit der Juden auf Fernhandel und Geldgeschäfte beschränkt waren, mußten nichtjüdische Handwerker mit der Errichtung der Synagoge beauftragt werden. Die günstige wirtschaftliche und rechtliche Lage, in der sich die Judengemeinde damals befand, ermöglichte es, die besten verfügbaren Bauleute zu beschäftigen. Dies waren die Handwerker, die damals gerade mit den Umbau des Domes beschäftigt waren.

Das jüdische Gotteshaus wurde während des Progroms von 1349 geschändet und 1354 mit einigen baulichen Veränderungen wieder instandgesetzt. Die romanischen Fenster der Ostwand wurden durch wesentlich höhere rechteckige Fenster ersetzt, die bei der nachjüdischen Nutzung zugemauert wurden. Über dem romanischen Rundfenster wurde ein gotisches Rundfenster mit wesentlich größerem Durchmesser eingebaut. Der untere Rand mit Resten des gotischen Maßwerks sind noch erhalten. Die halbrunde Apsis wurde durch eine rechteckige Apsis ersetzt. An die Südwand der Synagoge wurde ein Betraum für die Frauen angebaut. Damit die Frauen den Gottesdienst in der Synagoge zumindest akustisch mitverfolgen konnten, wurden mehrere kleine fensterartige Öffnungen in die Südwand der Synagoge gebrochen. Die Ostwand des Frauenbetraums besaß ursprünglich ein rechteckiges hohes Fenster. Im 15. Jahrhundert wurde dieses Fenster vermauert und Strebpfeiler aus Sandsteinblöcken davorgesetzt. Anstelle des nun vermauerten Mittelfensters wurden zwei hochrechteckige Fenster in die Ostwand gebrochen, die von nachjüdischen Benutzern des Gebäudes zugemauert wurden.

Die Ruine der Speyerer Synagoge ist der älteste, noch sichtbare Überrest eines Synagogenhauses in Mitteleuropa.

Lesen Sie hier mehr über die Ausgrabungen in der Synagoge



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