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Stein-Stahl-Glas...Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft
Die Mikwe, Kultstätte, welche in die Tiefe wuchs zum Grundwasserspiegel hin, ein von Stufen gerahmtes Geviert Wasserfläche. Membran eines ehemals hier lebendigen Kultes, welcher in seiner Bedeutung uns heute noch anspricht. Angezogen vom Sinn, Ursprung und qualitätsvollster Bauform, ein Höhlengleichnis in unserer Mitte, ein lebendiges Geschichtsbuch mit Brandspuren. Dieses Baujuwel, welches die frühere Anwesenheit des Judentums am Rhein in herausragender Weise manifestiert und die Abwesenheit desselben uns gleichermaßen vor Augen führt, dieses Gefäß von Kultus und Geschichte ist neben dem Dom wichtigtes Zeugnis einer Religionsgeschichte, welche mit der unsrigen aufs Engste verbunden ist.

Eine Restaurierung der Mikwe, der gebäudlichen Substanz, war angestrebt, ein Überbau zum Schutz des Restaurierten ist fertig gestellt.
Die Mikwe, ursprünglich bereits in die Erde zum lebendigen fließenden Wasser gebaut, ist im Zeitverlauf noch tiefer durch Erd- und Gesteinsauftrag nachfolgender Generationen versunken. Ein dreigliedriger langer Gebäudezug. Der Eingangsbereich mit den Stufen, die Mitte bodengleich begehbar und der dritte Abschnitt, das schachttiefe Bad, jetzt von oben einsehbar. Dieser ca. 24 m lange Gesamtgrundriss mit den mathematischen Figuren von Rechteck, Trapez und Quadrat war formale Inspiration für die Glasfläche der Überdachung. Ergänzend zu diesem altehrwürdigen Monument, ihm den Schutz gebend, aber auch baulichen Dialog bietend, entstand eine plastisch transparente Version von Stahl, Glas und Licht. Mit einem einzigen Modul eines Stahlbügels, zu drei korrespondierenden Gruppen gestaltet, wurde ein tragfähiger, transparent wirkender, plastischer Formkörper gebaut. In diesen wurden drei unterschiedlich hohe Glasflächen eingefügt, die eine lichte Überdachung bilden. Es entsteht ein Dialog zwischen dem aus der Erde zu uns sprechenden Bauwerk mit seinen gliedernden Steinsäulen und den in die Erde ortenden Stahlsäulen. Unten und Oben, Innen und Außen wächst erfahrbar und sichtbar zum zirkulierenden Ganzen zusammen.

Im Mittelteil, dem bodengleichen Teil, ist im Gestängezwickel ein plastischer Dreieckskörper eingefügt, Fragment des Magen David, welcher die Stahlsäulen und das Glas bekrönt, diese zusammenführt und zugleich sprengt.
Wolfram Spitzer
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