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Archäologische Ausgrabungen in der mittelalterlichen Synagoge abgeschlossen

Eintrittspreise für den Judenhof: 1,- EUR pro Person (Ermäßigungen für Gruppen 0,50 EUR pro Pers., für Schüler etc. 0,50 EUR p. P.)
Wissenschaftliche Grabungsleitung: Dr. Monika Porsche
Besichtigungen, Anmeldungen für Führungen: Tourist-Information
Öffnungszeiten: 1. April bis 31. Oktober täglich 10:00 bis 17:00 Uhr
Standort: Kleine Pfaffengasse, Telefon: (0 62 32) 29 19 71
Nach dreieinhalbmonatiger Dauer sind Ende Juni die archäologischen Vor-Ort-Arbeiten im Judenhof beendet worden. Angeregt und finanziert wurden die Ausgrabungen von der Stadt Speyer, in enger fachlicher Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung Kunst- und Baudenkmalpflege, Mainz, sowie der Archäologischen Denkmalpflege, Speyer. Die Archäologie ist Teil eines Gesamtprojekts, das eine neue Nutzung und Präsentation der ehemaligen Synagoge zum Ziel hat. Das Grabungsteam bestand aus insgesamt 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, überwiegend Studenten, aber auch Freiberuflern, Ehrenamtlichen, Schülern und Praktikanten.
Nun beginnt die wissenschaftliche Auswertung der Grabungsunterlagen und der reichhaltigen Funde. Bereits jetzt steht fest, dass die Untersuchungen bedeutende Ergebnisse erbracht haben: zur Synagoge selbst, zu ihren spätmittelalterlichen und neuzeitlichen Nutzungsphasen sowie zur frühen Geschichte des Areals.
Die Synagoge, die älteste aufrechtstehende in Deutschland, besitzt noch ihren originalen Sandsteinplattenboden, der im Moment wieder sichtbar ist. In der Mitte des Raumes erhob sich die Bima (auch: Almemor, Podest zum Verlesen der Thora). Nach der Vertreibung der Juden im frühen 16. Jahrhundert, im Zusammenhang mit dem Umbau zum städtischen Zeughaus, hat man sie zerstört und den Boden dort mit einem rohen Pflaster geschlossen. Unter der Pflasterung haben sich die Fundamente der Bima zum Teil noch erhalten. Auch vor der Ostwand, zur Thora-Nische hin, zeugt ein Fundament von einem recht repräsentativen und ausladenden Treppenaufgang. In beiden Teilen der Synagoge, im Männer- wie im Frauenraum, boten umlaufende, gemauerte Wandbänke Sitzgelegenheiten. Sie waren ehemals vollständig holzverkleidet. Besonders im Frauenbetraum ist die Sitzbank in allen Details hervorragend erhalten.
Die Bauten selbst haben eine überraschende Baugeschichte offenbart. Der ganze östliche Teil der Männerschul darf nach wie vor als salisch, d. h. aus der Zeit um 1100 gelten, die Westwand ist aber etwa 100 Jahre jünger. Hier hat es schon früh einen Bauschaden gegeben, der vielleicht mit Abbruch oder Umbau eines angrenzenden Hauses auf dem Nachbargrundstück zusammenhängt. Mit der Folge, dass die gesamte Westwand mitsamt seinen Mauereckverbänden erneuert wurde. Die alten Fenster (heute im Historischen Museum) wurden dann wieder eingesetzt, um den alten Raumeindruck wieder zu gewinnen. Auch die Nordwand zeigt Überraschendes: in ihr steckt die (Süd-)Wand eines älteren Hauses. Die Grabung in der Judenbadgasse hätte hierzu genaueres erbracht, sie konnte leider wegen statischer Probleme nicht in ausreichendem Umfang durchgeführt werden.
Auch die Frauenschul hat eine komplizierte Baugeschichte: im Laufe der rund 250 Jahre ihrer Nutzung durch die Jüdische Gemeinde ist sie dreimal großzügig umgebaut worden. Das erstaunt umso mehr, als normalerweise solche Frauenbauten von eher bescheidenem Aufwand waren. Die Ergebnisse zur Vorgeschichte des Synagogenbaus sind auch für die Geschichte des Judenviertels und der frühen Stadt interessant. Dass die jüdische Gemeinde ihr Bethaus mitten in der Stadt auf der »grünen Wiese« errichtet hätte, war schon immer schwer vorstellbar; gleichwohl gab es bisher keine Hinweise auf eine Nutzung dieses innerstädtischen Geländes zwischen Römerzeit und Hochmittelalter ein Phänomen, das Stadtgeschichtsforschung und Archäologie schon vielerorts in ehemaligen römischen Städten beschäftigt hat. Mittlerweile wissen wir sicher: der spätere Bauplatz war in dieser Zeit nicht unbesiedelt: Über reichen römischen Schichten fanden sich Siedlungsspuren und Funde des Frühmittelalters, vor allem aber ein größerer Ofen, vermutlich ein Keramikbrennofen, und weitere Reste von feuernutzendem Gewerbe. In diesem »Industriegebiet« wurde die Synagoge gebaut: nachdem man das Areal aufgegeben, einplaniert und mit rund einem halben Meter Erde bedeckt hat. Hier liegt also ein Fall von völliger Umplanung und Umgestaltung eines Stadtareals vor.

Was bleibt? Umfangreiche Unterlagen, die Dokumentation aller archäologisch untersuchten Befunde in Form von Fotos, Zeichnungen, Meßwerten, Materialproben und die Funde: Keramik, Münzen, Bodenfliesen, Architekturteile und kleinere Gegenstände aus Knochen und Metall. Sie werden bei der Auswertung noch zum Sprechen zu bringen sein. Aber vor allem: die freigelegten und bis jetzt (noch!) erhaltenen originalen Bestandteile der Synagoge: Fußböden, Sitzbänke, Wandputze, Fundamentreste und aufrechtstehende Mauern. Sie sollten bewahrt werden. Entweder unsichtbar und wieder unter Erde verborgen, oder sichtbar, wind- und wettergeschützt sowie fachgerecht konserviert.
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