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Unterwegs im „Heiligen Land“
Bildnachlese von der Bürgerreise nach Yavne 2008
Vor 60 Jahren wurde der Staat Israel gegründet. Vor 10 Jahren wurde die Partnerschaft zwischen Speyer und der israelischen Stadt Yavne geschlossen. Grund genug für eine knapp 30-köpfige Reisegruppe aus Speyer, die Partnerstadt, das „Heilige Land“ und erstmals im Rahmen einer Bürgerreise auch die palästinensischen Autonomiegebiete zu besuchen. Dabei dienten Yavne, Jerusalem und Tiberias als Ausgangspunkte für eine Israel-Reise der besonderen Art. Denn der Aufenthalt in Gastfamilien in Yavne und das Zusammentreffen mit der in Beit Jala lebenden christlichen Palästinenserin Faten Mukarker erlaubten ungewöhnliche Einblicke in die israelische Gesellschaft und die schwierigen Beziehungen zwischen Israelis und Palästinensern.
Zunächst genossen die Speyerer drei Tage die umfassende Gastfreundschaft ihrer Gastfamilien in Yavne. Dass Pfälzer und Israelis gemeinsam gut feiern können, zeigte sich spätestens am zweiten Abend in einem israelischen Club, in dem man zu vorgerückter Stunde gemeinsam auf den Tischen tanzte.
Die beiden Stadtoberhäupter Werner Schineller und Zvi Gov-Ari nutzten die Feier zum 10-jährigen Partnerschaftsjubliläum in Yavne zu einem kurzen Rückblick auf gemeinsame Projekte und bekräftigten ihren Willen, die Kontakte der beiden Städte weiter zu intensivieren. Dabei setzen beide vor allem auf den Jugend- und Schüleraustausch. Und so war es nur konsequent, im Anschluss an diese Feier zwei Schulen in Yavne zu besuchen.
Zvi Gov-Ari bedauerte in seiner Jubiläums-Rede, „dass man mit den palästinensischen Nachbarn noch immer nicht gut zusammen lebe, Israel sich gegen den Terror palästinensischer Extremisten schützen müsse“. Wie hoch der Preis dieser Wehrhaftigkeit ist, erkennt man nicht nur an der umfassenden Präsenz des israelischen Militärs im öffentlichen Leben der israelischen Städte, die Speyerer hörten auch von den Sorgen vieler Familien aus Yavne, deren Kinder gegenwärtig in der israelischen Armee ihren Dienst ableisten. Ausflüge nach Tel Aviv, Cesarea, Haifa, Akko und die nordwestliche Negev-Wüste rundeten das Jubiläums-Programm in Yavne ab.
Der zweite Teil ihrer Reise führte die Speyerer nach Jerusalem, dessen Besuch zu den Höhepunkten jeder Israel-Reise zählt. In keiner Stadt Israels prallen die Kulturen und Religionen so aufeinander wie in Jerusalem. Wer durch die engen Gassen der Altstadt geht und nach dem Passieren der Sicherheitsschleusen vom muslimischen in den jüdischen Teil von einer der vielen Aussichtsplattformen auf den Tempelberg blickt, der kann schon an dieser Szene erahnen, warum diese Stadt und dieses Land so zerrissen sind, und warum es zwischen Juden und Muslimen so schnell keinen Frieden geben wird: Weithin glänzt die goldene Kuppel des Felsendomes auf dem Plateau des Tempelberges, der nur an wenigen Stunden des Tages für nicht-muslimische Besucher zugänglich ist. Und während oben der Muhezzin zum Gebet in die Al Aqsa Moschee ruft, sieht man unten orthodoxe Juden an der Klagemauer, der westlichen Mauer des Plateaus, ihre Gebete verrichten. Gesichert wird dieser zerbrechliche Frieden zwischen zwei Religionen am heiligen Ort durch israelische Soldaten, die einerseits darauf achten, dass radikale Muslime keine Steine vom Tempelberg auf betende Juden an der Klagemauer werfen. Gleichzeitig jedoch sollen sie verhindern, dass orthodoxe Juden nicht provozierend und demonstrierend den Tempelberg stürmen. Kein Wunder also, dass Soldaten und Überwachungskameras das Leben in der Altstadt prägen.
Dass die jüdischen Siedlungen rund um Jerusalem durch eine Mauer bzw. einen Sicherheitszaun geschützt werden, sehen die Speyerer auf dem Weg nach Bethlehem mit gemischten Gefühlen. Was in Teilen an die frühere Berliner Mauer erinnert, trennt das Westjordanland von Israel und wurde offiziell errichtet, um Selbstmordattentäter davon abzuhalten, in Israel Anschläge zu verüben. Die Anzahl der Attentate sei stark zurückgegangen, seit es die Mauer gibt, sagt man in Israel.
Aber welche Entbehrungen und Schikanen dieser Sicherheitszaun für die Palästinenser mit sich bringt, davon berichtet Faten Mukarker, eine christliche Palästinenserin, von der die Speyerer durch Bethlehem geführt werden. Und sie sagt es mit deutlichen Worten: „Willkommen im größten Freiluftgefängnis der Welt,“ mit dieser Bemerkung steigt sie an der Grenze in den Bus ein. Sie zeigt der Reisegruppe nicht nur die christlichen Stätten in Bethlehem, die Geburtskirche Jesu und die Hirtenfelder, auf denen die Engel den Hirten die frohe Botschaft verkündeten. Mukarker führt die Gruppe direkt an den Zaun und berichtet über das Leben mit der Mauer, die den Menschen dort ihr Land nimmt und ihre Freiheit.
Sie deutet auf die israelischen Siedlungen auf dem Hügel, die weiter wachsen, obwohl vereinbarungsgemäß nicht mehr gebaut werden dürfte. Aber sie klagt nicht an, sondern betrachtet die Dinge differenziert: „Der Konflikt ist nicht mehr zwischen Israelis und Palästinensern, sondern zwischen denen, die Frieden wollen und denen, die keinen Frieden wollen. Die, die das nicht wollen, sind zwar nicht die Mehrheit, aber sie haben die Macht.“ Und, an die Adresse der Israelis gerichtet, sagt sie: „Die Mauer wird nie Schutz bieten. Schutz gibt es nur durch den Frieden.“ In ihrem Haus in Beit Jala hat ihr Mann mittlerweile für die Speyerer ein schmackhaftes Mittagessen bereitet, während sie weiter Fragen über ihre persönliche Lebensgeschichte beantwortet. In Palästina will sie bleiben, trotz aller Schwierigkeiten und obwohl die beiden Söhne längst ausgewandert sind.
Den dritten und letzten Teil der Reise verbringt die Reisegruppe in einem Gästehaus bei Tiberias mit großartigem Blick über den See Genezareth. Mit einer Bootsfahrt auf dem See und dem Besuch der biblischen Stätten Carpernaum, Tabgha (Brotvermehrungskirche) und dem Berg der Seligpreisung begeben sich die Speyerer für zwei Tage auf die Suche nach ihren christlichen Wurzeln. Aber spätestens bei der Rundfahrt über die Golan-Höhen und dem Blick über die gut bewachte syrisch-israelische Grenze wird vielen Teilnehmern klar, dass Israel nur einen „kalten Frieden“ mit seinen nördlichen Nachbarn geschlossen hat. Darüber kann auch ein üppiges Mahl in dem Drusendorf Majdal Shams und ein Bad in den Thermal-Quellen von Hamat Gader nicht hinwegtäuschen.
Was nach zehn Tagen Rundreise durch Israel bleibt, ist die Erfahrung, dass Speyer in Israel und Palästina Freunde hat und dass das Israel-Bild, das von den hiesigen Medien gezeichnet wird, oft sehr einseitig ist. Wer Augen und Ohren geöffnet hatte, der konnte bei dieser Jubiläums-Reise auf sehr eindrucksvolle Weise sehen und hören, was derzeit im „Heiligen Land“ geschieht. Matthias Nowack
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