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Singen und Tanzen für den „Muzungu"
Peter Sauter, Lehrer am Gymnasium am Kaiserdom, hat mit einer Lehrer-Schüler-Delegation des Landes Rheinland-Pfalz im letzten Herbst erstmals Ruanda persönlich kennengelernt und dabei auch die eigene Partnerschule im Südwesten des Landes besucht. Jetzt nutzte er die Sommerferien, um an der Schule „Collège de Nkanka" im Distikt Impala (Partnerstadt von Speyer) die Beziehungen zu festigen und eine kleine Gruppe auf den Besuch im Herbst in Speyer vorzubereiten. Im Rahmen des „Global Learning" organisiert der in Wiesbaden ansässige WUS - World University Service - das gemeinsame Lernen unterschiedlichster Gruppen in Mitteleuropa. In diesem Jahr werden im November 6 Jugendliche aus Ruanda mit 2 Begleitpersonen nach Europa kommen. Sie werden in Mainz, Bingen und Speyer mit ihren deutschen Partnern zur Schule gehen können und an einem gemeinsamen Projekt arbeiten. Alle acht Personen stammen aus der Partnerschule des Gymnasiums am Kaiserdom. Die beiden Lehrer - Ephrem und Brigitte - werden mit ihren SchülerInnen Yvonne, Emmanuel, Théodore, Athanasie, Claudine und Jacques auf Einladung des WUS nach Deutschland kommen. Diese Organisation hat auch 16 Einmalkameras ins ostafrikanische Land mitgegeben, damit jeder Schüler innerhalb von 48 Stunden seinen Alltag fotografieren kann, für die meisten Schüler völliges Neuland. Auf der Grundlage dieser Bilder will man später über die unterschiedliche Alltagsgestaltung ins Gespräch kommen.
Peter Sauter hat den viertägigen Besuch genutzt, um sich ausführlich über den Schulalltag zu informieren. Das für ihn zusammengestellte Programm mit Teilnahme am normalen Unterricht, aber auch kulturellen und sportlichen Schwerpunkten zeigte wie froh die Schulgemeinschaft war, dass sich ihr europäischer Gast solange bei ihnen aufhielt, um ihren Lebensalltag aus der Nähe kennenzulernen. Bei einem Besuch in der nahegelegenen Grundschule von Cyibumba konnten die Gebäude gezeigt werden, die der Freundeskreis aus Speyer finanziert hatte. Beeindruckend für den Speyerer Lehrer war nicht nur die Dankbarkeit, die der Direktor und der Bürgermeister auch an dieser Stelle zum Ausdruck brachten, sondern die große Freude der vielen Kinder, die aus den Klassensälen stürmten, als sie den „Muzungu", den Weißen, kommen sahen. Sie stammten aus einfachen Verhältnissen, hatten keine Schuhe und nicht einmal alle das Geld für eine Schuluniform. Aber jetzt konnten sie laut schreiend und mit großen Augen einen Vertreter der Menschen vor sich sehen, die im fernen Speyer Geld gesammelt hatten, damit sie in einer schönen Schule lernen konnten. Sie dankten ihm mit ungehemmter Neugier, großer Lebensfreude und lautem Geschrei.
Beim Abschied von Nkanka äußerte das Lehrerkollegium die Hoffnung, dass die Kontakte zwischen Rheinland-Pfalz und Rwanda weitergeführt werden und dass die Menschen im fernen Mitteleuropa weiterhin Interesse zeigen für sie in Schwarzafrika.
Natalie Vanneste, Mitarbeiterin des Koordinationsbüros in Kigali, war am letzten Tag aus der Hauptstadt eingetroffen, um der Schule die Unterstützung des Landes Rheinland-Pfalz bei der Vorbereitung der Reise zuzusichern. Auch der Gouverneur der Provinz Cyangugu versicherte beim Besuch der deutsch-ruandischen Delegation seine Hilfe beim Ausstellen der Pässe und Visa und zeigte sich hocherfreut, dass durch die guten Beziehungen zwischen Speyer und Impala auf diese unerwartete Weise vertieft werden können. Schließlich komme es selten vor, dass junge Afrikaner nach Europa eingeladen werden, ein hoffnungsvolles Zeichen für ein besseres Verständnis trotz der großen Entfernungen.
Peter Sauter ist zurückgekehrt nach Speyer mit Filmen, Briefen, Gastgeschenken und vielen Anregungen für den Besuch im November. Viele Eindrücke sind noch lebendig, vor allem die große Höflichkeit und Dankbarkeit der Verantwortlichen, die nie nach Geld oder Unterstützung gefragt, aber sich gleichwohl sehr für das Bisherige bedankt haben. Ebenso natürlich die große Einfachheit der Lebensbedingungen für die Menschen in dieser landschaftlich wunderschönen Gegend. Und schließlich die tiefe Lebensfreude, die bei vielen Anlässen sichtbar und spürbar wurde, besonders beim gemeinsamen Singen und Tanzen.
Schulalltag in Impala
Yvonne Mukandayisenga kann ihr Glück kaum fassen. Die Tränen werden aber schnell von großem Strahlen verdrängt. Sie hatte nie zu träumen gewagt, in ein Flugzeug steigen zu dürfen und in ein anderes Land zu reisen. Ihr Direktor Ephrem Nsengiyumva hat ihr und 5 anderen gerade mitgeteilt, dass sie eingeladen werden, nach Deutschland zu kommen.
Vor einem Jahr kam sie nach 6 Jahren Grundschule hierher in das Collège de Nkanka. Sie fühlt sich wohl in der neuen Schule, hat viele Freundinnen und lernt mit großer Begeisterung. Der Unterricht ist jetzt ausschließlich in französischer Sprache, aber mit ihren Freundinnen spricht sie natürlich weiterhin Kinyarwanda. Von den 470 Schülerinnen und Schüler ihrer Schule gehören mehr als die Hälfte zur Gruppe der Internen. Denn der (Fuß-)Weg nach Hause ist sehr weit, so bleibt sie hier und geht nur in den Ferien zu ihrer Familie.
Der Schulalltag ist ihr nach 8 Monaten schon vertraut. Um 5 werden sie geweckt. Natürlich ist es eng für mehr als 80 Mädchen in dem einen großen Schlafsaal. Irgendwie wird sie bis halb sieben schon einen freien Platz erwischen am Waschplatz. Gott sei Dank gibt es auf dem Schulgelände einen Wasserhahn, so dass sie ihre Waschschüssel dort füllen kann und sie nicht weit tragen muss. Dann geht sie in den Schulsaal und liest noch mal in ihrem Heft, was sie gestern in Englisch gelernt haben. Um sieben gibt es Frühstück. Der dünne Sorgobrei lässt sich leicht aus der Tasse trinken. Er ist sättigend, so dass sie leicht bis um halb eins zum Mittagessen warten kann.
Um halb acht beginnt der Unterricht. Sie hat heute Mathematik und Englisch, Französisch, Kinyarwanda und Geographie, insgesamt 8 Stunden bis um 4 heute Nachmittag, unterbrochen von 2 Pausen und dem Mittagessen. Da gibt es wie beinahe jeden Tag Reis und Bohnengemüse. Yvonne ist stolz, dass sie zu den besten in ihrer Klasse gehört. Es ist für ihre Familie nicht einfach, das Schulgeld zu bezahlen. Immerhin gehört sie zu den Glücklichen, deren Eltern beide daheim wohnen. Ihre Freundin Alice hat ihre Eltern vor 10 Jahren im Krieg verloren. Ihre Oma, die sich seither um Alice und ihre Geschwister kümmert, ist auch schon alt und bedarf schon selber der Hilfe der Kleinen. Bei anderen sind die Väter im Gefängnis, manche immer noch ohne Gerichtsverhandlung.
Heute kommt ein Lehrer aus Deutschland zu Besuch. Seit 3 Jahren - so erzählte ihr Direktor - gibt es schon einen Briefwechsel zwischen Jugendlichen aus Nkanka und einer anderen Schule in Speyer. Sie erzählen sich von ihrem Alltag und malen kleine Bilder aufs Papier. Im letzten Brief hat sie ein Foto mitgeschickt und ist schon gespannt, ob sie jetzt auch eins aus Deutschland bekommt.
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