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Interessensgebiete: Umwelt

 

China - nahes fernes Land (von Dr. Gottfried Jung)

In seinem faszinierenden Buch „Der China-Code“ stellt Frank Sieren die These auf, dass sich Deutschlands Zukunft in China entscheide. Das ist gewiss eine provokative Aussage. Mancher wird sich fragen: Wie kann das sein? China ist doch weit weg! Aber ist Frank Sierens These wirklich abwegig? Ich glaube, sie gibt Anlass zum Nachdenken. Denn immer mehr wird in den letzten Jahren deutlich: Der Aufstieg Chinas als Wirtschaftsmacht verändert die Welt - auch uns. 

Unaufhaltsam wird China zur „Fabrik der Welt“. Für immer mehr Güter des täglichen Bedarfs gilt nicht mehr „Made in Germany“. Sie werden in China produziert. Es sind aber nicht nur Alltagsgüter, die dort in gigantischen Stückzahlen hergestellt werden. China ist auch auf dem Weg zur Hightech-Nation. Die Schnelligkeit, mit der sich dieses Riesenland dabei verändert, ist atemberaubend.

Dass ein solches Land einen riesigen Appetit auf Energie und Rohstoffe hat, liegt auf der Hand. Viele Wirtschaftswissenschaftler sehen darin auf Dauer eine Gefahr für das ökonomische Gleichgewicht der Weltwirtschaft. Das Institut der deutschen Wirtschaft hat im Jahr 2006 dargestellt, dass allein im Zeitraum von 2000 bis 2005 die Preise für Rohstoffe, die in den Euro-Raum importiert wurden, um 81 % gestiegen sind. Maßgeblich beeinflusst wurde diese Entwicklung durch die massive Rohstoffnachfrage in China. Das verteuert auch die Produktion bei uns in Deutschland.

Für sein rasantes Wirtschaftswachstum zahlt China in Gestalt verheerender Umweltbelastungen einen hohen Preis. In einem 2006 vorgelegten Weißbuch zur Umweltsituation beziffert die chinesische Regierung selbst die Kosten der Umweltschäden  und Ressourcenverschwendung mit 200 Milliarden US-Dollar jährlich. Das sind 10 % des Bruttosozialprodukts und entspricht in etwa dem jährlichen Wirtschaftswachstum.

„China ringt nach Luft“, titelte vor einiger Zeit die deutsche Presse. Die Luftverschmutzung ist in den meisten großen chinesischen Städten sehr hoch. Atemwegserkrankungen sind die häufigste Todesursache. Kein Wunder: Dafür gibt es viele Ursachen. Jede Woche geht in China z.B. ein Kohlekraftwerk ans Netz. Jeden Tag werden allein in Peking 1000 Fahrzeuge neu zu gelassen. Überall im Land schreitet die Motorisierung rasant voran. Dass mit dieser Entwicklung nicht nur ein lokales Problem verbunden ist, sondern eine globale Last, liegt auf der Hand.

Bitte geben Sie hier einen bildbeschreibenden Kurztext ein.Es ist aber auch ein Gebot der Objektivität, darauf hinzuweisen, dass das chinesische Volk im Pro-Kopf-Verbrauch von Rohstoffen noch weit hinter dem Konsum westlicher Länder liegt. So beträgt die Fahrzeugdichte in China mit 20 Fahrzeugen je Einwohner nur einen Bruchteil des deutschen Wertes (588). „Wenn jeder Chinese einen Lebensstil wie im Westen pflegt, sagt Liang Congjie, Gründer von Chinas erster Umweltorganisation „Friends of Nature“, „dann brauchen wir zwei Erden.“ Umzudenken ist deshalb eine globale Aufgabe.

Dass der bisherige Wachstumskurs die eigenen Lebensgrundlagen gefährdet, hat die chinesische Regierung erkannt. China verfügt inzwischen über moderne Umweltgesetze. Worauf es ankommt, ist, sie konsequent umzusetzen. Das muss vor Ort geschehen - dort, wo auch wir helfen können.

Es war eine weitsichtige Entscheidung von Rheinland-Pfalz im Jahr 1989, eine Partnerschaft mit der südchinesischen Provinz Fujian, inzwischen einer der wichtigsten chinesischen Provinzen, einzugehen. Die Beziehungen zwischen beiden Seiten sind seitdem auf den verschiedensten Gebieten immer enger geworden.
Vor allem im Bereich des Umweltschutzes hat sich in den letzten Jahren eine stabile und vertrauensvolle Beziehung entwickelt.

Bitte geben Sie hier einen bildbeschreibenden Kurztext ein.Kontinuierlich findet ein Informations- und Meinungsaustausch zwischen der Provinzregierung Fujian und der Landesregierung Rheinland-Pfalz statt. Vertreter aus den lokalen Umweltbüros werden in Rheinland-Pfalz geschult. Unternehmenskontakte werden gefördert. Die Erschließung regenerativer Energieträger und die Entwicklung  von Recyclingstrategien stehen dabei im Vordergrund. Der Umweltcampus in rheinland-pfälzischen Birkenfeld ist dafür heute zu einem international anerkannten Kommunikationszentrum geworden. Viele persönliche Beziehungen sind dabei entstanden. Und was ist letztlich wichtiger als ein persönliches Miteinander über Länder und Kontinente hinweg?

Dass ich im Rahmen meiner beruflichen Tätigkeit die Zusammenarbeit zwischen Rheinland-Pfalz und Fujian für den Geschäftsbereich des rheinland-pfälzischen Umweltministeriums koordinieren darf, betrachte ich als persönliche Herausforderung und als Chance dafür, gewonnene Erfahrungen und Kontakte in meiner Heimatstadt Speyer zur Entwicklung guter Beziehungen nach China auf der Ebene einer Stadt zur Verfügung zu stellen. Partnerschaft  zwischen zwei Ländern oder Landesteilen lässt sich nicht einfach von oben verordnen. Sie muss von unten gelebt werden. Indem sich Speyer in ein Netzwerk von lokalen Partnerschaften zwischen Deutschland und China einbringt, eingebettet in die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Fujian, kann ein Beitrag zum Aufbau fruchtbarer Beziehungen in ein Land hinein erbracht werden, das fern zu sein scheint und uns doch so nah ist.

Dr. Gottfried Jung



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