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Romantische Kulisse im Innenhof
Man könnte meinen, man betritt einen verwunschenen Garten, wenn man über die efeubewachsene Treppe in den Innenhof des Restaurants „Philipp eins“ hinabsteigt. Dabei kann man in diesem üppig mit Grün überwachsenen Hof in den Sommermonaten trefflich tafeln. Und zwar dort, wo zu Reformationszeiten Philipp der Erste, Wortführer der Protestanten, wohnte und speiste, in der ältesten Gaststätte von Speyer. Es ist gleichzeitig das einzige erhaltene Haus aus der Renaissance-Zeit in der Speyerer Altstadt, das den großen Stadtbrand von 1689 überstanden hat.
Die jahrhundertealte gastronomische Tradition wird heute von Martin Roßkopf und André Schehl weitergeführt. Sie haben das „Philipp eins“ in den letzten Jahren mit einer leichten und kreativen Küche zu einer interessanten kulinarischen Adresse gemacht. Saisonale Produkte aus der Region gehören genauso zum Konzept wie die historische Authentizität, die das Gebäude vermittelt. „Frisch, flexibel und hochwertig,“ heißt die Devise, mit der hier die Gäste verwöhnt werden sollen.
Innenhof als stilvolles Ambiente für das lukullische Mahl
Für den lauen Sommerabend im „Philipp eins“ empfiehlt Küchenchef Schehl das sommerliche Degustationsmenü: Als Vorspeise marinierten Polpo mit Pfifferlingen, Artischocken und Basilikum. Im Hauptgang eine mit Kräutern gespickte Poulardenbrust auf sommerlichem Gemüse und Tagliatelle. Zur Abrundung ein Lavendelsorbet mit Beerenkompott und Sesamgebäck.
Bei solchen Tafelfreuden erfüllt der urige Innenhof mit seinen hohen Mauern, alten Steinen und knorrigen Bäumen gleich mehrere Funktionen: Der Küchenchef nutzt ihn als Kräutergarten für sein Restaurant, den Gästen bietet er stilvolles Ambiente für das lukullische Mahl, und in der Dämmerung wird durch gezielte Beleuchtung von Bäumen und Kletterpflanzen eine ganz besondere Atmosphäre an die Tische gezaubert. Hier lassen sich angenehme Sommerabende verbringen.
Flechten überwachsen die Mauern, Efeu rankt um die Bäume
Wer sich über die alten Mauern und Steine wundert, sollte ein paar Worte mit Inhaber Martin Roßkopf wechseln. Mit Beharrlichkeit hat er „Bruchstücke“ und „Funde“ aus dem ganzen Anwesen zusammengetragen und fast beiläufig, aber doch kunstvoll im Hof arrangiert. Flechten überwachsen die Mauern, Efeu rankt um die Bäume.
Roßkopf teilt die Faszination der Romantiker für Ruinen. „Mauerreste aus vergangenen Tagen regen die Phantasie an“ sagt er. „Die Natur zeigt an ihnen, wie das Menschengemachte zurückgeholt werden kann“. Das Morbide, Erodierende und Verfallende bildet eine zutiefst romantische Kulisse für die Tafelfreuden im Innenhof des „Philipp eins“. An den alten Mauern holt sich die ungezähmte Natur, wie von Rousseau beschrieben, ihr glorreich Eden zurück. Unter einem kleinen Stück Himmel sind ein paar Tische gedeckt, an denen man den Alltag schnell abstreifen kann. Wer die „Seele“ des Hauses sucht, der muss in diesem Garten speisen. Die Singvögel von Speyer haben den idyllischen Ort längst für ihre eigenen Zwecke entdeckt.
Matthias Nowack
Kurzbewertung: Hohes Niveau in der ältesten Gaststätte von Speyer, romantische Kulisse für Tafelfreuden
Weitere Infos: Bar-Restaurant „Philipp eins“, Öffnungszeiten: Di-Sa, auch Mittagstisch, Tel. (0 62 32) 7 84 00, Internet: www.philippeins.de, 30 Freisitzplätze im überwachsenen Innenhof
Weitere Speyer-Tipps unter www.speyer.de/de/kultur/tipps
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