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Die anregende Irrfahrt durch die Welt der aufregend schönen Klänge
In der Pfalz ist der Schoppen das Maß aller Schorle. Ein echter Pfälzer achtet auf den korrekten Sitz der Eichmarke und lässt nur Mineralwasser an den Wein. Wenn ein Nullfünferschoppen beim Altstadtfest für eine Blumenvase gehalten wird, dann sitzt mit großer Sicherheit ein staunender Nicht-Pfälzer vor dem „Dubbe-Glas“. Dass sich Menschen wegen der Schorle bzw. ihres Konsums in Kneipen-Clubs organisieren, ist im Südwesten der Republik nichts Neues. Aber was tun jene Speyerer, die in unregelmäßigen Abständen zum Groovy Schorle Club pilgern? Sie hören Musik, flirten, tanzen und genießen ihre Schorle.
Um Missverständnissen vorzubeugen, hier geht es nicht um Trinkfestigkeit, hier geht es in erster Linie um Musik. Ungewöhnliche Musik, versteht sich, Songs von zeitloser Qualität. Dafür sorgen an den Plattentellern die beiden „Musiktherapeuten“ Jürgen Lange und Hering Cerin. Nicht das Mainstream-Gedudel, das aus jedem Radiosender quillt, sondern ungewöhnliche Platten werden hier abgedreht. Themenabende sind angesagt und werden ironisch gewendet. Jede Club-Veranstaltung hat ihre eigene musikalische Dynamik, unerwartete Pirouetten und Ausrutscher inbegriffen.
Was ist groovy?
„Groovy“ ist die Schorle übrigens nur dann, wenn sie neben dem Mineralwasser einen kleinen Schuss Chassis erhält. Rot sollte sie sein, die „groovy Schorle“, genauso wie die mobile Dekoration und die Lichtspiele des Clubs, der schon durch manche Speyerer Kneipe gezogen ist. Die ersten Schorlen wurden vor einigen Jahren rot eingefärbt in der „Wein-Wunderbar“. Seitdem ist die Farbe Programm. Ein wenig schwülstig („puffig“) darf´s schon zugehen. Der erotische Unterton ist durchaus erwünscht!
Grenzgänge werden lustvoll arrangiert
„Single-Abende“ mit kleinem schwarzem Vinyl sind beliebt. Singles sollten allerdings keinen „Ball der einsamen Herzen“ erwarten, sondern besser zu Hause in der Abstellkammer nach ihren alten Vinyl-Scheiben graben, um sie im Abendprogramm abspielen zu lassen. Die Themenvielfalt ist groß: Après-Partys für die „Mardi Gras Blues Band“ oder den Kabarettisten Urban Priol werden genauso souverän abgefahren wie Open-Air Clubs, zum Beispiel beim Altstadtfest. Eine Hommage an die Musik unserer französischen Nachbarn war auch schon zu hören. Grenzgänge und Berührungen mit anderen Gattungen werden lustvoll arrangiert. „Mixtouren“ zur Performance im Haus des Künstlerbundes gehören ebenso dazu wie die literarische Lesung im Rahmen des Groovy Schorle Club. „Wir nehmen einen Bildungsauftrag wahr, den das öffentlich rechtliche Radio heute nur noch bedingt erfüllt“, erklärt Hering Cerin. „Wir spielen Musik, die Ihr Leben verändern kann!“ Leuten, die nach den aktuellen Hits der Top Ten verlangen, empfehlen die kreativen Mixer zu Hause zu bleiben.
Den musikalischen Bogen spannen
Nicht auf die billige Art unterhalten, das Publikum aus der Reserve locken, den Gästen Musik unterjubeln, die sie nirgends sonst hören - das bereitet den beiden DJ´s am meisten Spass. Für die zwei Macher ist der Abend dann gelungen, wenn ein interessanter musikalischer Bogen gespannt werden kann und die Leute Spass daran haben. Gelegentlich werden dabei auch falsche Erwartungen an einen Disco-Abend geweckt und vorsätzlich enttäuscht. Eingefleischte Fans, die keinen Treff auslassen und der Groovy-Schorle-Club-Philosophie verfallen sind, haben die beiden allemal.
Wein mit Wasser zu vermischen, war übrigens eine Vorliebe der im 19. Jahrhundert in Süddeutschland stationierten französischen Soldaten. Die Bezeichnung „Schorle“ beruht nach Informationen der Internet-Enzyklopädie „Wikipedia“ auf dem Trinkspruch „Toujours l´amour“, der in abgeschliffener Form zu „Schorle-Morle“ oder kurz „Schorle“ wurde. Mit dieser Erläuterung können wir natürlich viel leichter nachvollziehen, warum die Schorle rot sein muß. Sie hatte von Anfang an einen erotischen Unterton.
Matthias Nowack
Kurzbewertung: Schräg, unterhaltsam und süffig! Das Knistern ist unüberhörbar!
Die Termine des Groovy Schorle Club können Sie telefonisch erfragen unter (0 62 32) 7 56 40
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