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Normalität zwischen Waffen

 

Speyerer Reisegruppe in Tel Aviv und Jerusalem

Vom Hafen aus erscheint die Kulisse von Jaffa wie eine Märchenstadt aus 1001 Nacht: Übereinandergebaute und gegeneinander versetzte Mauern, Türme und Erker bilden einen Stadtteil mit malerischen Gassen, Künstlerquartieren, Restaurants und Cafes. Der Blick auf die Skyline von Tel Aviv ist atemberaubend von Jaffa aus gesehen. Deshalb waren die Speyerer kaum wegzulocken von diesem angenehmen Ort und versuchten bei der Reiseleitung Zeit zu schinden, was nur bedingt gelang. Schließlich stand noch viel auf dem Tagesprogramm.

Dass man während des Pessach-Festes tatsächlich nach Tel Aviv und Jerusalem fährt, war in Speyer noch viel diskutiert. In Israel ist es kein Thema mehr. Alle Israelis fahren nach Tel Aviv, um zu arbeiten, einzukaufen und manchmal auch nur um Spaß zu haben. Und deshalb wollten es die Speyerer auch nicht aus dem Reiseprogramm streichen!

Das Leben pulsiert in der zweitgrößten Stadt Israels und ein Einkaufsbummel durch die schicke "Chenkin Street" und den daran anschließenden "Karmel-Markt" überzeugte die Reisegruppe restlos von der Normalität in dieser Stadt. Strenge Sicherheitskontrollen an den Eingängen zu Märkten und Einkaufszentren sind das einzige Hindernis, dass an diesem strahlenden Sonnentag für Speyerer Augen auffallend wirkte. Natürlich besuchte man auch den Platz, auf dem Jitzak Rabin ermordet wurde, wo sich inzwischen ein Denkmal befindet. Ausklingen ließ man den Tag mit einem Spaziergang am Strand von Tel Aviv, um bei einem letzten Café den Sonnenuntergang und einige Surfer zu bewundern.

Am Mittwoch stand Jerusalem auf dem von Benny Cohen, dem Partnerschaftsbeauftragten der Stadt Yavne, organisierten Ausflugsprogramm. Alle Speyerer waren entschlossen mitzufahren, denn schließlich zählt Jerusalem zu den Höhepunkten jeder Israel-Reise. Jerusalem – drei Religionen, zwei Voelcker, eine Stadt; dementsprechend bunt ist das Bild, das man in Jerusalem sehen kann. Zu den Pessach-Feiertagen waren besonders viele orthodoxe Juden in der Stadt unterwegs und an der Klagemauer gelang es angesichts der Menschenmenge nur wenigen Speyerern, bis an die großen Steine vorzudringen und, wie es dem jüdischen Brauch entspricht, einen kleinen Zettel mit einem Wunsch zwischen die Ritzen zu schieben.

Aber die Zahl der Touristen in der Altstadt war trotz gelegentlichem Gedränge auf der Via Dolorosa zwei Tage vor Ostern im Vergleich zu vorherigen Jahren durchaus überschaubar. Und wenn man genau hinsah, dann hat man auch den Grund dafür gesehen: Denn der israelische Teil der Stadt glich zu den Feiertagen einer Festung, die mit einem riesigen Sicherheitsaufgebot bewacht wird: Soldaten an allen Ecken und auf jeder Zinne. Den Platz vor der Klagemauer konnte man nur über Sicherheitsschleusen betreten. Das Land wartet wohl immer noch auf einen Gegenschlag der Hamas für die Ermordung von Scheich Jassin.

Übrigens gibt es Trost für all jene, die mit ihrem Wunschzettel am Mittwoch nicht  die Klagemauer erreichten. Und das gilt auch für die zu Hause gebliebenen Speyerer: Persönliche Wünsche für die Mauer können im Informationszeitalter auch digital erfüllt werden: Die israelische Firma "Bezeq" bietet unter der E-mail Adresse "kotel@onemail.bezeq.com" einen Online-Service für die Klagemauer an: Zweimal pro Woche werden die digitalen Wünsche aus aller Welt ausgedruckt und von Angestellten der Firma in die Ritzen der Mauer gesteckt. Damit hat man zumindest die Sicherheitsfrage elektronisch elegant umschifft.  

Matthias Nowack



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