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Zukunft Rhein-Neckar-Dreieck
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Bürgerreise 2008

 

Bitte geben Sie hier einen bildbeschreibenden Kurztext ein.Bereits um vier Uhr früh machte sich die 18köpfige Gruppe um Beigeordneten Frank Scheid am 30. Juni 2008 mit dem Bus auf zum Flughafen Frankfurt, von wo aus man zunächst Moskau ansteuerte, um dann mit dem Nachtzug in die russische Partnerstadt Kursk zu fahren. Allseits guter Stimmung und Vorfreude beging man die rund neunstündige Überfahrt ab Moskau.

Einzig das Verstauen des von Geschenken gefüllten Gepäckes war zu Anfang etwas schwierig, nach kurzer Zeit jedoch waren alle Reisenden in den Abteilen untergebracht und schliefen – besser als erwartet – nach einem wohltuenden tschaj, sanft gerüttelt, in den Schlafwägen ein.

Pünktlich um halb sieben Uhr morgens wurden die Reisenden dann von den Gastfamilien am Bahnsteig in Kursk willkommen geheißen. Für einige war es ein schönes Wiedersehen mit alt bekannten Freunden, für den Großteil der Gruppe jedoch waren die Gesichter unbekannt, waren doch bei dieser Reise viele Speyerer zum ersten Mal dabei. Manchen sei gar etwas mulmig gewesen, einfach mit jemand wildfremdem im Auto mitzufahren. Die Unsicherheit verflog aber schnell: alles verlief unkompliziert, die Verständigung war entweder durch die Sprache oder eben „mit Händen und Füßen“ möglich und die Unterbringung bei den Familien sehr herzlich.

Bis zum Abend war Zeit, sich in den Gastfamilien einzugewöhnen, noch ein wenig zu schlafen oder bereits einen Spaziergang durch die Stadt zu wagen. Gegen 16 Uhr versammelten sich alle vor dem Haus des Wissens, von wo aus Alexander Sudow eine Stadtführung anbot, bevor um 19 Uhr zum Freundschaftsabend geladen wurde.

Dort sollte die Gruppe mit den Eß- und Trinkgewohnheiten der Russen vertraut werden. Viele Trinksprüche wurden gehalten, etliche Toasts auf die Freundschaft druschba ausgesprochen. Und tatsächlich: bereits am ersten Abend war das Gefühl der Freundschaft sehr stark geworden, insbesondere durch den herzlichen Empfang und die Einladung der Freunde aus Kursk. Fast alle Gäste waren aufgefordert, einen Trinkspruch zu äußern, und so dankte die Speyerer Delegation, allen voran der Beigeordnete Frank Scheid den Verantwortlichen in Kursk für die Vorbereitung des Programms, den warmherzigen Empfang und den großen Einsatz.

Melanie Forster dankte vor allem den Gastfamilien in Kursk für die Bereitschaft, Gäste aus der Partnerstadt Speyer bei sich aufzunehmen, um so einen noch tieferen Einblick in das Leben der Partner möglich zu machen.

Bitte geben Sie hier einen bildbeschreibenden Kurztext ein.Mit dem Dienstag (02. Juli 2008) begann das Offizielle Programm der „Deutschen Tage in Kursk“, einem Programm, das Alexander Sudow als Mitarbeiter des Hauses des Wissens mit seinen KollegInnen und in Kooperation mit der Deutschen Botschaft in Moskau vorbereitet hatte.

Im Deutschen Kultur- und Informationszentrum des Haus des Wissens wurde die Ausstellung „Deutschland in Luftbildern“ durch den Vizegouverneur des Kursker Gebietes, Herrn Beigeordneten Frank Scheid sowie die Direktorin des Haus des Wissens, Frau Galina Okorokowa, eröffnet. Beachtlich war die Anzahl lokaler Journalisten, ob Funk oder Fernsehen, die an den Beigeordneten der Stadt Speyer, den Freundeskreisvorsitzenden des FK Speyer – Kursk Herrn Bernd Pawliczek, oder die Städtepartnerschaftsbeauftragte Frau Melanie Forster Fragen stellten. Das Interesse an den Besuchern war offensichtlich.

Im Anschluss folgten die Festansprachen und Grußworte zur Eröffnung der Deutschen Tage in Kursk, unter anderem seitens des Stadtoberhaupts der Stadt Kursk, Herrn Alexander Sakurdaev. Dieser wurde seitens Herrn Scheid zu den Feierlichkeiten zum 20jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Speyer – Kursk im Jahr 2009 nach Speyer eingeladen. Während die russischen Teilnehmenden den Film „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann ansehen konnten, fuhr die deutsche Delegation in die Gebietsduma, wo die Abgeordneten zum Thema „Zivile Bürgergesellschaft“ debattierten.

Auch Frank Scheid gab zu diesem Thema einen Einblick in das Engagement von Bürgerinitiativen in Speyer.

Bei einem gemeinsamen Mittagessen konnten die deutschen Teilnehmenden sich noch vertiefend zu diesem Thema mit den Abgeordneten austauschen, immer wieder unterbrochen von Trinksprüchen zur Freundschaft und mit vielen Glückwünschen für die weiteren Tage in Kursk.

Am Abend wartete Alexander Sudow mit einem besonderen Konzert für die Speyerer Gäste und deren Gastfamilien auf: Kursker Größen wie die „Capella Kursk“, Irina Starodubzewa, sowie das Mädchenballet „Aquarelli“ musizierten und tanzten zur Begeisterung aller.

Besonderen Beifall erhielt ein junges, weibliches Jazzquintett, das mit Stimmgewaltigkeit und einer rhythmisch mitreißenden Version des Heino- Schlagers „Schwarzbraun ist die Haselnuss“ alle Gäste für sich einnahm. Bedeutungsschwangere Blicke wurden durch den Saal geworfen: dem Speyerer Publikum zu Hause dürfe man diese Damen nicht vorenthalten!

Der Abend stand zur freien Verfügung und wurde meist mit einem leckeren Abendessen in den Gastfamilien begangen. Die mit Liebe zubereiteten Speisen waren allseits beliebt und wurden mit Trinksprüchen bis in den späten Abend hinein belohnt.

Bitte geben Sie hier einen bildbeschreibenden Kurztext ein.Eine „Insel der Ruhe“ wurde den Gästen am Donnerstag (03.07.08) geboten: etwa 160 Kilometer südwestlich von Kursk entfernt befindet sich „Marjino“, ein Palast - und Parkensemble, was heute als Kurhaus genutzt wird.

Alexander Sudow erläuterte die historischen Zusammenhänge des Hauses eindrücklich und führte durch das gesamte Kurhaus, in dem ein Kuraufenthalt übrigens für die Mehrheit der russischen Bevölkerung nicht bezahlbar ist. Besondere Aufmerksamkeit schenkten die Speyerer beim Besuch des Museums des Hauses einer Vitrine, in der Fotos des Besuches von Kursker Bürgern in Speyer ausgestellt waren, aber auch ein Foto des Bischof Emeritus Dr. Anton Schlembach sowie von Herrn Roland Kern. In diesem Fall war sogar die Krawatte, mit der Herr Kern auf dem Foto abgelichtet worden war, mit ausgestellt.

Den Rest des Tages verbrachte die Gruppe mit einer Bootsfahrt auf dem See oder einem ausgiebigen Spaziergang in der riesigen Parkanlage. Der Ausflug schloss mit einem liebevoll vorbereiteten Picknick und anschließender Rückkehr nach Kursk.

Bitte geben Sie hier einen bildbeschreibenden Kurztext ein.Der letzte „offizielle“ Tag begann mit einem Treffen der Speyerer Delegation sowie Gästen aus der Partnerstadt Witten in der Stadtverwaltung Kursk. Vera Filippova, Beauftragte der Städtepartnerschaften der Verwaltung, präsentierte zwei Projekte, die in Zusammenarbeit mit Partnerstädten der Stadt Kursk entstanden:

Zum einen ein Frauentagebuch, an dem sich 52 verschiedene Frauen aus Russland, England und Deutschland beteiligen, welche aus unterschiedlichen sozialen Schichten und Lebensrealitäten stammen und die Tagesprotokolle jeweils einer Kalenderwoche schreiben.

Geplant ist die Veröffentlichung des Frauentagebuches „Von Rosa und anderen Tagen“ im Jahr 2010 zur Eröffnung der Feierlichkeiten der Kulturhauptstadt Europas, Essen, 2010.

Die russischen Teilnehmerinnen an dem Projekt waren anwesend und stellten sich den Vertretern der Partnerstädte vor. Organisiert wurde das Projekt von der Wittener TWINS2010-Beauftragten Brigitte Koch, der Gleichstellungsbeauftragten Maria Grote und der Leiterin des Stadtarchivs im Kulturforum Dr. Martina Kliner-Fruck.

Das zweite Projekt betrifft die Zusammenarbeit der Stadt Kursk und dem Landkreis Hildburghausen in Thüringen im Bereich der Jugendarbeit. Detlev Bethke, ehemaliger Bürger des Landkreises Hildburghausen, organisiert, in der Zwischenzeit in Kursk wohnhaft, workcamps für Jugendliche aus Thüringen im Gebiet Kursk, und das seit Jahren erfolgreich. Einen enormen Zulauf haben die Projekte, Jugendliche bewerben sich weit im Voraus, am Wiederaufbau von Gebäuden im Kursker Gebiet beteiligt sein zu können, so Bethke.

Im Mai 2008 erlebten die russischen Kinder vor Ort das bereits siebente Workcamp des Fördervereines „Kinderheime der Region Kursk e.V.“, dessen Vorsitzender Landrat Thomas Müller ist. Während des dreiwöchigen Aufenthaltes im Mai wurde gleich auf 2 Baustellen gearbeitet, im Kinderheim Iwanowskoje und in der 3. Kursker Internatsschule.

Grußworte und Gastgeschenke wurden zwischen Beigeordneten Frank Scheid und dem Leiter der Kursker Verwaltung, Herrn Owtscharow ausgetauscht, bevor die Teilnehmenden mit dem Bus zum Deutschen Friedhof zur Erinnerung der Opfer des Zweiten Weltkrieges im Ort Besedino, 18 km von Kursk entfernt, fuhren.

Bitte geben Sie hier einen bildbeschreibenden Kurztext ein.Vor Ort traf man auf eine Delegation des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge Deutschland e.V., mit der eine gemeinsame Gedenkveranstaltung abgehalten wurde. Den Opfern des Zweiten Weltkrieges, sowie von Kriegen weltweit, wurden Blumen niedergelegt und Worte des Mahnens und Erinnerns gesprochen.

Tief ergriffen nahmen alle Teilnehmenden die große Anzahl der Opfer zur Kenntnis, deren Bestattung für diesen Friedhof vorgesehen ist. Mehrere Tausend Opfer seien seit 2005 auf dem Sammelfriedhof bestattet worden, Umbettungen in fünfstelliger Höhe sollen folgen, so der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Reinhard Führer.

Langsam ging der letzte Tag der Bürgerreise in Kursk seinem Ende entgegen und fand seinen Abschluss in einem Abschiedsessen im Haus des Wissens. Viele anerkennende Worte gingen an die Verantwortlichen und OrganisatorInnen des Programms der Bürgerreise, mit tiefem Dank verbunden für die vielzähligen und breit gefächerten Erfahrungen mit den Partnern, insbesondere jedoch für die Bande der Freundschaft, die gefestigt und auch neu geknüpft wurden.

Noch einmal wurde an alle Anwesenden auch die Einladung ausgesprochen, im nächsten Jahr an den Feierlichkeiten zum Jubiläum der 20jährigen Partnerschaft Kursk- Speyer teilzunehmen und dazu nach Speyer zu reisen.

Am Bahnhof Kursk nahm man Abschied, tauschte noch die letzten Gastgeschenke aus und winkte sich dann aus dem Zug und vom Bahnsteig aus zu. Sprachlos und überwältigt von den Erinnerungen an die vergangenen Tage, die sehr gefüllt waren, fuhr die Gruppe erneut Moskau entgegen.

Die Tage von Samstag (05.07.08) bis Dienstag (08.07.08) verbrachte die Gruppe noch in Moskau, betreut durch Natascha Wassiljewa, durch deren großes Wissen über die Hauptstadt Russlands und die vielen Sehenswürdigkeiten, zu denen sie führte, auch die letzten Tage noch ein großes Ereignis wurden.

Während der gesamten Reisezeit teilten die Mitreisenden Beobachtungen und Gedanken. Dabei wurde besonders im Gespräch mit den Menschen, die Kursk schon öfter bereist hatten, deutlich, dass sich in den letzten Jahren ein Wandel vollzogen hat, der unaufhaltbar weiter zu schreiten scheint:

von der von Hilfslieferungen profitierenden Stadt der ersten Jahre, hat sich Kursk mit seinen Bewohnern einen Stand erarbeitet, der offensichtlich kaum mehr einer Hilfe bedarf. Viel eher scheint die Anerkennung des Fortschrittes, der in Kursk geschehen ist, durch die Speyerer Bürgerinnen und Bürger ein größerer Lohn zu sein.

Trotzdem gehen die Unterstützungen seitens des FK Speyer – Kursk weiter:

Für die Arbeit der Pädagogischen Hochschule Kursk mit behinderten Kindern spendet der FK weiterhin Geld, was hauptsächlich für die Beschaffung von Geräten verwendet wird. Herr Pawliczek und seine Frau konnten sich hierüber einen Eindruck verschaffen.

Für ein Kinderheim wurde ebenfalls Geld gespendet, womit ein Fernsehgerät finanziert wurde, um den Kindern ein Gefühl von „Zuhause“ und Teilhabe am öffentlichen Leben zu vermitteln.

Trotz der Einseitigkeit, was die Geldgaben angeht, bleibt in allen Köpfen der Reisegruppe ein Bild von gegenseitiger Bereicherung. Eine Reisende sagte zum Abschluss, sie sei froh, nach Russland gereist zu sein, damit das Bild, das sie von diesem Land und seinen Leuten habe, relativiert werden könne. Der Aufenthalt in der Gastfamilie habe wesentlich dazu beigetragen, weil es möglich war zu sehen, wie die Menschen ihren Lebensstandard selbst halten können. Die Schere zwischen Arm und Reich scheine groß zu sein in Russland, aber die Anstrengungen der Familien, sich ihr Einkommen zu verdienen, sei ebenso deutlich. Insbesondere was den Wohnraum angeht, berichteten die Reisenden von liebevoll eingerichteten Wohnungen, für deren Erhalt und Verschönerung alles getan werde.

Mehr und mehr scheinen die Bürgerinnen und Bürger und auch die Städte Kursk und Speyer sich auf Augenhöhe gegenüber zu stehen.

Melanie Forster



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