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Erstmals besuchen Speyerer Schüler ihre Partnerschule im ruandischen Distrikt Rusizi
Ein Reisebericht von Peter Sauter

Sie haben uns beeindruckt im letzten Herbst: Cécile, Marie Paul, Marie Claire, Noëlle, Richard, Pascal, Bosco und Festus aus Ruanda. Mit ihrer Freundlichkeit und unbekümmerten Fröhlichkeit haben sie sich viele Sympathien erworben, mit ihrer ansteckenden Freude hinterließen sie positive Spuren in den Herzen derer, die sie näher kennenlernten.
Wie würde es wohl werden, wenn sich nun 7 junge Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Kaiserdom zum Gegenbesuch aufmachten? Natürlich waren sie gut vorbereitet. Mit ihrem Lehrer Peter Sauter hatten sie sich regelmäßig getroffen, um mehr über die Landeskunde, die Geschichte Ruandas mit dem furchtbaren Genozid und über die Entwicklung der Partnerschaft von Speyer und dem Distrikt Rusizi zu erfahren. Die Eltern waren selbstverständlich einbezogen worden und informierten sich über die notwendigen medizinischen Vorbereitungen und all die Einzelheiten der Reise, die wichtig waren, um zu einer verantwortungsbewussten Entscheidung für die Teilnahme der mehrheitlich Sechzehnjährigen zu kommen. Niemand hat den Entschluss bereut, im Gegenteil...
Ende Juni war es soweit: über 40 kg Gepäck pro Person flogen mit der zehnköpfigen Gruppe nach Ruanda: Mehr als die Hälfte waren „Mitbringsel“ für die Partnerschule, aber auch für zwei Krankenhäuser in Ruli und Gikonko. Nach einer ersten Geduldsprobe in Addis – aus 3 Stunden Zwischenaufenthalt wurden schließlich 10 – konnten die Jugendlichen endlich nach neun Monaten ihre Freundinnen und Freunde aus Ruanda wieder in die Arme schließen. Es begannen – wie Janina später sagt – zwei herrliche Wochen mit vielen tollen neuen Eindrücken.
In den ersten Tagen wurden touristische Ziele dieses kleinen Landes besichtigt: Im Akagera-Park an der Grenze zu Tanzania bestaunten die Jugendlichen typisch afrikanische Tiere in der Wildnis, wie Giraffen, Zebras oder Nilpferde. Unsere ruandesischen Jugendlichen sahen sie auch erstmals in ihrem Leben.
In der Hauptstadt Kigali wurde die Gruppe in der Gedenkstätte Gisozi einfühlsam und informativ mit dem Grauen des Genozids von 1994 konfrontiert. Das war nicht einfach für sie, hatten doch etwa Cécile, Pascal und Richard in diesem Krieg ihre Eltern verloren.
Anschließend führte der Weg nach Ruli. Im dortigen Krankenhaus, von Kaiserslautern intensiv und vielfältig unterstützt, konnte ein großer Koffer mit Medikamenten übergeben werden. Schwester Carmen führte die Jugendlichen anschließend durchs Waisenhaus. Die Betroffenheit war groß, als am Schicksal des kleinen Bienvenue (= herzlich willkommen; diesen Namen haben ihm die Schwestern gegeben, als er gefunden wurde) das Elend einiger Kinder in diesem armen Land konkret spürbar wurde. Seine Mutter hatte ihn in einer Toilette abgelegt und verlassen. Die anderen Kinder des Hauses freuten sich über den unerwarteten Besuch aus dem fernen Europa. Die schwarzen Augen strahlten, die Gesichter staunten, die kleinen Finger berührten zunächst vorsichtig die weißen Hände, um sie dann festzuhalten...
Am nächsten Morgen sollte der Vulkangipfel Bisoke erklommen werden, einer der hohen Berge im Norden des Landes. Was als kleine zweistündige Wanderung angekündigt war, entpuppte sich als äußerst anstrengende Tour auf steilem und glitschigen Weg durch den Bergregenwald. Während die einen das Glück hatten, einen der wenigen frei lebenden Berggorillas beobachten zu können, freuten sich die anderen nach der Gipfelstürmung über den wunderbaren Ausblick auf den Kratersee.
Am nächsten Tag dann begann der zweite Teil der Reise, der Aufenthalt in der Partnerschule in Nkanka, nahe am Kivusee. Im ganzen Land wurde der „Libération“ gedacht, der Befreiung, also dem Ende des Genozids vor genau 15 Jahren. Überall waren große Feierlichkeiten angesetzt, auch auf dem Sportplatz vor unserem Collège. Die wichtigsten Personen des Ortes waren anwesend: Bürgermeister, Polizei- und Armeechef, Schulleiterinnen und Schulleiter.
Natürlich hatte man für die Gäste aus Speyer Ehrenplätze reserviert. Die Reden konnten die Pfälzer zwar nicht verstehen, aber am Ende gab es eine kurze Zusammenfassung in französischer Sprache. Und außerdem konnten Tänze und Gesänge und viele bunte Farben, frohes Lachen und aufmerksames Zuhören erlebt werden, bevor am Ende ein Radio die Ansprache des Präsidenten aus Kigali auf alle Hügel Ruandas übertrug.
Anschließend hatte Ephrem Nsengiyumva, der Schulleiter des Collège, die ganze Gruppe zu sich nach Hause eingeladen. Er ist stolz und dankbar für die sich kontinuierlich entwickelnde Partnerschaft zwischen den beiden Schulen und den dazugehörenden Menschen. Die Gäste aus Speyer bekamen ein mehrgängiges typisches ruandisches Menue serviert, das allen köstlich schmeckte. Viele aßen erstmals Kochbananen und Maniok sowie als Nachtisch ganz frischen superleckeren Obstsalat aus Mango, Ananas, Papaias, Maracuja und Bananen.
Dann ging es am Kivusee entlang durch Felder und Schilfufer nach Cyangugu, wo der Bischof die Jugendlichen kennenlernen wollte. Ephrem Nsengiyumva, Peter Sauter und Bischof Damascène kennen sich seit vielen Jahren und führten ein interessantes Gespräch mit den Jugendlichen. Am Ende bedankte sich die Speyerer Gruppe beim Bischof für den Empfang. Er antwortete schmunzelnd: „Das Gespräch mit den Menschen ist mir wichtiger als die Arbeit am Schreibtisch.“ Und verabschiedete sich mit dem Hinweis, dass er auf ein Wiedersehen im Herbst hofft, wenn er auf Einladung der Speyerer Diözese nach Deutschland kommen wird.
Abends begrüßten Scharen von ruandischen Schülern die Gäste beim Eintreffen in der Schule. Die Muzungus, die Weißen, waren schon bekannt seit ihrer Ankunft, viele kannten bereits die Namen und erkundigten sich, wie es ihnen gehe.
Langsam und mühsam lösten sich die Partner von der Menge, um in der vertrauten Atmosphäre der kleinen Gruppe über die ersten Tage in Ruanda zu sprechen. Intensive „schwarz-weiße“ Gespräche ergaben sich, strahlende Gesichter verrieten die große Freude auf beiden Seiten. Am Ende gab es ein kleines Konzert der Ruandesen mit dem Lied „Zeit Gottes“, das schon auf den Busfahrten mehrfach alle begeistert hatte.
In den folgenden Tagen wechselten Angebote in der Schule mit Fahrten in die Umgebung.
So waren die Speyerer begeistert von der Lebendigkeit des Gottesdienstes am Sonntag morgen, sie freuten sich über den feierlichen Empfang der Lehrerschaft und des Schulelternbeirates, bevor sie unbekümmert mit ihren afrikanischen Freunden Fußball und Volleyball spielen konnten. Maria Huber coachte die Pfälzer Fußballprofis. In einem Festakt wurde ein wunderschön gestalteter Grundstein gelegt für den neuen Mehrzweckraum der Schule. Die Redner lobten die großartige für sie immer wieder erstaunliche Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium im fernen Deutschland und ihrer kleinen Schule fast am Ende der Welt. Ziegen, die zuvor auf dem Markt gekauft worden waren, wurden benachbarten Familien geschenkt unter großer Aufmerksamt der Anwohner. Auch ein lokaler Radiosender verfolgte das Geschehen. Hildegard Möller, die diese Aktion leitete, profitierte im Unterricht von ihrer afrikanischen Schulerfahrung und erarbeitete die Rolle von Königen in der Speyerer und in der ruandesischen Geschichte, abends wurde gemeinsam gekocht. Grundschulen in der Nähe konnten besucht werden, um neue Kontakte mit der Speyerer Siedlungsschule zu knüpfen und Marcelline zu treffen, die im letzten Jahr in Speyer zu Fortbildungszwecken weilte. Dazu gab es wunderschöne Ausflüge auf den nahen Kivusee zur Insel Nkombo und auf die Teeplantagen zwischen See und Regenwald. Der Besuch einer Teefabrik zeigte den Weg von den intensiv grünen Pflanzen auf den Teefeldern bis zum Teebeutel in unseren Tassen.
Der Abschied fiel erwartungsgemäß sehr schwer. Ein tolles Fest mit Tanz, Trommeln, Karatevorführung, Dankesreden und „Hörst-du-die-Regenwürmer-husten“-Spaß krönte wunderschöne gemeinsame Tage in der Partnerschule in Nkanka. Weinend umarmten sich alle, bevor der Bus schließlich nach Kigali aufbrechen konnte.
Zwei Besuche beendeten die Reise. Die deutsche Ärztin Frau Dr. Düll, Vorbild für viele in ihrem Einsatz für die Armen und Kranken und gut bekannt mit Hildegard Möller und Peter Sauter von etlichen früheren Besuchen, zeigte den Jugendlichen das Krankenhaus und besuchte mit ihnen eine Gruppe von Twa-Familien, die sich ihr Leben durch Töpfern verdienen. Das Leben in den äußerst einfachen Hütten konfrontiere die Schüler ein letztes Mal mit der Armut des Landes, bevor es zurück in die Hauptstadt ging. Dort beendete ein Besuch beim Innenminister Ruandas die Reise. Sheikh Mussa Fazil Harerimana war früher für Impala zuständig. Bei ihm bedankten sich die Kaiserdomschüler für seine Unterstützung für die beiden Besuche der ruandesischen Jugendlichen in Speyer und waren erstaunt über das lockere und interessante Gespräch, das sie von einem Politiker seines Ranges nicht erwartet hatten.
Nach einer problemlosen Rückreise konnten die Schüler gerade noch rechtzeitig zur Zeugnisausgabe in die Schule gelangen. Sie berichteten dankbar und bewegt von den tiefen Eindrücken, die diese Reise in ihren Herzen hinterließ.
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