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Ein großes Fest stand zwischen den Städten Speyer und Chartres im Mai 2009 an. Die beiden Städte waren in diesem Jahr bereits seit 50 Jahren miteinander verschwistert – ein guter Grund, einmal wieder in die schöne Stadt zwischen Eure und Loire zu fahren, und die Feierlichkeiten gemeinsam mit vielen bekannten Gesichtern zu begehen.
In drei Bussen fuhren die Feuerwehr, die TSV Jazztanzgruppe, die Bigband der Musikschule Speyer, das Speyerer Kammerorchester, der Freundeskreis Speyer – Chartres, sowie viele weitere Interessierte am 21. Mai nach Chartres. Ein Wochenende zuvor konnte Bürgermeister Brohm einige Mitglieder des Radsportclubs „Vorwärts e.V.“ am Historischen Rathaus verabschieden, die sich auf dem Fahrrad nach Chartres aufmachten und einige Tage für die rund 600km lange Strecke einplanten.
Das Programm des Festwochenendes, das die Stadt Chartres in Kooperation mit der Association des Amis des Jumelages vorbereitet hatte, versprach ein Programm mit vielen kulturellen Höhepunkten zu werden.
Besonders erfreut waren die Speyerer, dass sich der Oberbürgermeister der Stadt Chartres, Jean- Pierre Gorges, bereits zur Ankunft vor Ort die Zeit nahm, die Gäste, darunter Oberbürgermeister Schineller und Bürgermeister Brohm, zu begrüßen.
Der Chartrainer Stadtrat, so Gorges, habe sogar dafür gesorgt, dass es sonnig sei, worauf es sich Oberbürgermeister Schineller nicht nehmen ließ, darauf hinzuweisen, dass auch der Speyerer Stadtrat mindestens so viel zu der Entscheidung beigetragen habe, wie die Ratskollegen in Chartres.
Tatsächlich hatten sich der Bürgerreise auch einige Ratsmitglieder angeschlossen, die das strahlende Wetter natürlich ebenso begrüßten.
Während die meisten sich beim ersten Glas auf die Freundschaft mit alten Bekannten trafen, Grüße austauschten und von Aktuellem im schönen Speyer berichteten, liefen im Hintergrund alle organisatorischen Abläufe weiter, die es den Aktiven ermöglichten, zur vorgesehenen Unterkunft zu gelangen und anschließend einen ersten Eindruck von der Kathedrale zu erhalten.
Die Mitglieder des Freundeskreises Speyer – Chartres verabschiedeten sich an diesem Abend indes in ihre Gastfamilien, zu denen die Kontakte oft seit vielen Jahrzehnten bestehen. Um das französische „savoir - vivre“ zu erleben, gibt es sicher keine bessere Gelegenheit!
Gegen 21 Uhr war durch das abendliche Chartres eine Fahrt mit dem Nachtzug vorgesehen, die die Gäste zu den schönsten Plätzen der Stadt führte. Daheimgebliebenen kann fast nicht geschildert werden, wie groß der Andrang war – zwei Runden Zugfahrt reichten beinahe nicht für alle Gäste aus.
Der 22. Mai war seitens der Stadt Chartres als offizieller Tag für Reden, Empfänge und die Erneuerung der Partnerschaftsurkunde vorgesehen.
Zunächst besuchte die Offizielle Delegation das Zentrum Franz Stock, an dessen Stelle zukünftig ein Gedenkzentrum sowie eine Internationale Begegnungsstätte errichtet werden sollen.
Franz Stock steht seit Gründung der Partnerschaft als Symbol der deutsch- französischen Verschwisterung; der Geistliche bildet damit sowohl die Basis für die Partnerschaft der Kommunen, als auch die Verbindung zur Kirche. So war es an diesem Morgen Zeit, auch Bischof Wiesemann, der am Vorabend die Ehrendomherrenwürde in der Kathedrale zu Chartres erhalten hatte, und seinen Bruder Bischof Pansard zu treffen.
Der Vorsitzende der Vereinigung „Freunde Franz Stock“, M. Peynichou, führte durch die Räumlichkeiten und gab einen Einblick in das Wirken des Geistlichen, an dessen Grab in der Kirche St. Jean Baptiste de Rechèvre anschließend Kränze niedergelegt und Gebete gesprochen wurden. Für alle Beteiligten war diese Andacht ein sehr berührender Moment.
Am Nachmittag lud die Stadt Chartres zum Platz der Stadt Speyer ein, die Partnerschaftstafel zu enthüllen. Anschließend wurde zur Feierstunde ins Rathaus gebeten, wo nach Reden der beiden Oberbürgermeister und der Vertretung der Deutschen Botschaft die Partnerschaftsurkunde feierlich erneuert wurde. Beide Oberbürgermeister betonten einheitlich die Bedeutung der deutsch- französischen Freundschaft für die Gründung und die weitere Entwicklung der Europäischen Union und verwiesen auf die besonders guten Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich auf der Ebene der beiden Regierungen.
Vor dem Rathaus wurde die Feier anschließend durch Auftritte der TSV Jazztanzgruppe und der Bigband der Musikschule Speyer, sowie der Donaudeutschen Landmannschaft weitergeführt
Ein besonderer kultureller Höhepunkt erwartete neben den Gästen aus Speyer alle Touristen und solche, die den Weg nach Chartres extra auf sich genommen hatten: der Große Chor der Musikschule Chartres bot in Kooperation mit dem Symphonieorchester der Pariser Garde Republicaine Mozarts Requiem dar. Ein wahrer Genuss!
Man versicherte uns, die Kathedrale habe zu keinem Konzert in ihren Hallen so viele Menschen gesehen. Und leider reichten die Plätze nicht für alle: etwa 1000 Menschen mussten vor der Kathedrale bleiben – die Kathedrale war trotz Nichtbeachtung der Höchstgrenze für ihre Belegung dem Besucheransturm nicht gewachsen.
Weitere kulturelle Höhepunkte füllten das Programm am Samstag: neben der Ausstellung der Philatelisten Chartres und Speyer konnte in der Prieuré St. Vincent die gemeinsame Ausstellung der beiden Speyerer Künstler Andrea Niessen und Fred Feuerstein besichtigt werden. Am Nachmittag lockte das Speyerer Kammerorchester in die Kirche St. Aignan.
Der Samstagabend stand dann ganz im Zeichen der Freundschaft, nämlich beim Freundschaftsabend – traditionell der Teil des Programms, an dem gemeinsam gefeiert und getanzt wird – sofern man in Frankreich ist. Der Abend hielt, was er versprach.
Einen würdigen Abschluss fand das Festwochenende im gemeinsamen Gottesdienst in der Kathedrale am Sonntagmorgen, der nochmals vom Speyerer Kammerorchester musikalisch bereichert wurde.
50 Jahre Partnerschaft wurden in Chartres sehr würdig gefeiert – viele, die nach langen Jahren einmal wieder zurückgekehrt waren, wollen den Kontakt jetzt wieder verstärkt halten. Und diejenigen, die das erste Mal in Chartres waren, haben an der Freundschaft Gefallen gefunden und wollen beim nächsten Besuch unbedingt wieder dabei sein. Auf dass das gegenseitige Interesse zwischen Speyerern und Chartrainern niemals abreißen möge: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
Melanie Forster
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